Stöcken 17, Hochwasserwarnsystem und Co.

Viele Baustellen für die Wirtschaftsförderer

BSW-Geschäftsführer Stephan A. Vogelskamp wünscht sich mehr Selbstbewusstsein für die Region.
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BSW-Geschäftsführer Stephan A. Vogelskamp wünscht sich mehr Selbstbewusstsein für die Region.

BSW: Ein Bindeglied im bergischen Städtedreieck.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Das Bergische Land muss selbstbewusster auftreten. Davon ist Stephan A. Vogelskamp überzeugt. „Die Region bettelt oft um mehr Geld in Düsseldorf und Berlin“, stellt der Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft fest.

Die Bitte um größere Unterstützung von Bund und Land sei zwar ein nachvollziehbares Ansinnen. Aber: „Wir müssen ein Bild erzeugen, was wir hier leisten können.“ Dabei denkt Vogelskamp beispielsweise daran, das Städtedreieck stärker als Vorreiter in Sachen Künstlicher Intelligenz zu positionieren.

Dahingehend habe sich in der jüngeren Vergangenheit viel getan. Vor wenigen Wochen endete das Projekt „Bergisch Smart Mobility“. Dabei hat die Initiative Automotiveland NRW, deren Geschäftsführer Vogelskamp ebenfalls ist, mit zahlreichen Projektpartnern aus der Region untersucht, welche Chancen die Digitalisierung für die Mobilität der Zukunft bietet. Derzeit lote das Konsortium die Möglichkeiten aus, einen Folgeantrag zu stellen.

Einen Schritt weiter sei man in Sachen Hochwasserwarnsystem. Der Förderantrag für das von der Wuppertaler Berger-Gruppe initiierte Projekt sei gestellt. Auch an Vorhaben zu Themen wie Wasserstofftechnologie und Akkus für Elektromobile sei Automotiveland beteiligt.

Stephan A. Vogelskamp und seine Kollegen arbeiten an vielen Baustellen gleichzeitig. „Je mehr personelle Ausstattung die Bergische Gesellschaft hat, desto höher ist ihre Schlagkraft“, betont der Geschäftsführer. Derzeit zählt die BSW 28 Kräfte, der Wirtschaftsförderer hofft auf weitere personelle Unterstützung.

Gleichzeitig arbeitet er an der räumlichen Zukunft der Organisation: Geplant sei, von der Kölner Straße in Solingen auf das in der Entwicklung befindliche Gewerbegebiet Stöcken 17 auf dem ehemaligen Rasspe-Gelände zu ziehen.

Die BSW macht sich auch Gedanken über die Attraktivität der bergischen Großstädte. „Da muss sich etwas tun“, betont Anette Kolkau. Doch wie kann das gelingen? Die Teamleiterin Kommunikation nennt mehrere Punkte. In den Zentren müsse es nicht mehr nur um Konsum, sondern vermehrt um Aufenthaltsqualität und Nutzungsdurchmischung gehen.

 Dazu gehören auch stadtnahe Wohnungen und eine gute Anbindung. Aspekte wie diese und ein gutes Standortmarketing seien zentral, um junge Fachkräfte für die Region zu begeistern. Kolkau betont: „Ich sehe das Bergische in dieser Frage auf einem guten Weg.“

Das sei essenziell für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts, sagt Vogelskamp. Denn das Fachkräftethema sei neben der Digitalisierung eine der großen Herausforderungen für die Betriebe. Den Wirtschaftsförderer treibt die Sorge um, dass das Management der Unternehmen diese Frage angesichts der aktuellen Herausforderungen aus den Augen verliert: „Viele Menschen in Führungspositionen sind derzeit total überlastet.“

Der Umgang mit der Pandemie, gestiegene Preise, angespannte Lieferketten, die Auswirkungen des russischen Krieges – all diese Themen binden Kapazitäten. Und gefährden Vogelskamps Einschätzung nach die Existenz vieler Betriebe. Einige hätten in den zurückliegenden Jahren Eigenkapital ankratzen oder Auslandsstandorte aufgeben müssen, um die Produktion aufrechtzuerhalten.

Problematisch sei, dass die hiesigen Firmen die explodierenden Kosten vielfach nicht weitergeben können. Als Zulieferer arbeiten sie beispielsweise mit großen Automobilherstellern zusammen. In der Branche seien langfristige Verträge üblich. Bislang bestehe der Großteil der Konzerne auf diese. „Die Unternehmen hier haben dann eigentlich nur zwei Optionen: Entweder sie erfüllen den Vertrag nicht und riskieren eine Klage – oder sie liefern und machen Verluste.“

Für ihn sind die Kontrakte bisweilen „blanker Hohn“. Ein Umdenken sei bei VW und Co. unabdingbar. Die gute Nachricht: „Sie müssen sich reflektieren. Mein Gefühl ist: Das tun sie gerade.“

Das sei schon aus Eigeninteresse sinnvoll, schließlich seien die Hersteller auf das Know-how der bergischen Betriebe angewiesen: „70 bis 80 Prozent eines Fahrzeugs steuern Zulieferer bei.“

Hintergrund

Die BSW initiiert regionale Projekte und die Zusammenarbeit im bergischen Städtedreieck. Die Schwerpunkte sind Wirtschaftsförderung, Strukturentwicklung sowie Tourismus. Gesellschafter der BSW sind die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal, die Stadt-Sparkassen sowie die Bergische IHK.

bergische-gesellschaft.de

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