Produkt- und Markenpiraterie

Plagiate: Solingen zeigt besonders dreiste Fälschungen

In der Mitte der Schaltschrankschlüssel von Knipex, drumherum einige der Nachahmungen. Foto: Aktion Plagiarius e. V.
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In der Mitte der Schaltschrankschlüssel von Knipex, drumherum einige der Nachahmungen.

Zum 46. Mal hat die Aktion Plagiarius auf besonders dreiste Fälle von Produkt- und Markenpiraterie aufmerksam gemacht.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Das System hinter dem Schaltschrankschlüssel „TwinKey“ ist ausgeklügelt. Mittels eines Magneten werden zwei multifunktionale Schlüssel mit insgesamt zehn Profilen kompakt zusammengefasst. Die Lösung hat sich Knipex patentieren lassen. Nachahmer lassen sich davon allerdings nicht abschrecken. 9500 rechtswidrige Angebote hat der Wuppertaler Zangen-Hersteller in den vergangenen drei Jahren auf Online-Plattformen löschen lassen. Die Anbieter wurden am Montag mit dem Negativpreis Plagiarius ausgezeichnet.

Zum 46. Mal hat die Aktion Plagiarius auf besonders dreiste Fälle von Produkt- und Markenpiraterie aufmerksam gemacht. Dabei gehe es nicht um eine juristische Bewertung, betonte Dr. Aliki Busse. Sie ist die zweite Vorsitzende des Vereins. Vielmehr sei das Ziel, „die fragwürdigen – und teils kriminellen – Geschäftsmethoden ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“. Betroffene Unternehmen können die mutmaßlichen Plagiatoren für den Schmähpreis vorschlagen. Diese erhalten die Möglichkeit zu einer Stellungnahme.

Negativpreisträger sind im Solinger Museum Plagiarius zu sehen

Laut Angaben der Aktion Plagiarius wurde der internationale Handel mit Fälschungen im Jahr 2019 auf 412 Milliarden Euro beziffert. Der Großteil der Waren kommt aus China. Die Corona-Pandemie habe das Problem befeuert, immer mehr gefälschte Produkte werden im Internet beworben.

Die große Zahl an Plagiaten sei aus vielerlei Gründen problematisch. Zum einen seien die Schäden für die Hersteller der Originale verheerend: „Fälschungen bedeuten Stillstand – das Original steht für Vielfalt und Zukunft.“ Gleichzeitig seien die in den meisten Fällen deutlich günstigeren Nachahmungen in der Regel minderwertig – und deshalb häufig gefährlich für die Verbraucher.

Das zeigt das Beispiel Wika. Ein Druckmessgerät des Klingenberger Herstellers wurde von einer Firma aus Bangladesch kopiert. Die Fälschung liefert keine zuverlässigen Ergebnisse. Auch das Schrägkugellager – im Original von Schaeffler Technologies aus Herzogenaurach – eines chinesischen Anbieters genügt nicht gängigen Standards. In beiden Fällen hat die auf 3-D-Messtechnik spezialisierte Remscheider Firma Klostermann die Plagiate untersucht.

Die Vielfalt der Produkte, die mit der zweifelhaften Auszeichnung bedacht wurden, ist groß. Sie reicht von Hemden über Bestecke bis hin zu Radkappen und Futterschalen für Katzen. Alle Negativpreisträger sind ab dem 29. April im Solinger Museum Plagiarius zu sehen. Die dortige Ausstellung enthält auch zahlreiche Originale und Plagiate aus den Vorjahren.

www.museum-plagiarius.de

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