Wirtschaft

Umfrage: Mehr Solidarität durch die Pandemie

Kurzarbeitergeld gehört zu den häufigsten Reaktionen bergischer Firmen auf Corona. Die Hälfte der Unternehmen gaben aber an, bisher ganz ohne staatliche Hilfe ausgekommen zu sein, berichtet Peter Siedowski von der Commerzbank. Fotos: wey/Commerzbank
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Kurzarbeitergeld gehört zu den häufigsten Reaktionen bergischer Firmen auf Corona. Die Hälfte der Unternehmen gaben aber an, bisher ganz ohne staatliche Hilfe ausgekommen zu sein, berichtet Peter Siedowski von der Commerzbank.

Studie der Commerzbank zeigt den Umgang bergischer Firmen mit Corona.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land.  Unternehmer im bergischen Städtedreieck fühlen sich seltener existenziell von Corona bedroht als im Bundesschnitt – und können der Pandemie durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Das sind Ergebnisse der siebten Unternehmerkunden-Studie der Commerzbank. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bundesweit 3500 Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt, 100 davon aus dem Bergischen Land. Allerdings fanden die Befragungen von Juni bis August statt – also vor dem derzeitigen „Lockdown light“.

Dabei gaben zwar mehr Firmen im Bergischen an, „stark“ oder „sehr stark“ von Corona betroffen zu sein, 52 Prozent im Vergleich zu 44 Prozent bundesweit, doch eine Existenzbedrohung sehen nur etwa 16 Prozent der bergischen Unternehmen. Deutschlandweit schätzen hingegen gut 24 Prozent ihre Lage als existenzbedrohend ein. Ein durchaus überraschendes Ergebnis, wie Peter Siedowski, Leiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank in Wuppertal meint. Aber auch eines, das sich durch die Struktur in der Region erklären lässt.

„Viele Firmen werden auch in der Krise alles tun, um ihre Leute zu halten.“

Peter Siedowski, Commerzbank

„Die bisherigen Befragungen haben ergeben, dass die bergischen Unternehmen extrem konservativ agieren“, verweist Siedowski auf frühere Studien. Vor allem die zahlreichen Familienbetriebe im Städtedreieck würden finanziell wenig riskieren, zudem hätten viele Firmen nach der letzten Krise zusätzliche Liquidität aufgebaut. „Das macht sich jetzt vielleicht bemerkbar.“

In dieses Bild passt auch, dass genau die Hälfte der bergischen Firmen angaben, bisher ohne staatliche Unterstützung wie Förderkredite durch die Krise gekommen zu sein. Und zwei Drittel auch ohne Personalmaßnahmen wie Kurzarbeit, Kündigungen oder die Nicht-Verlängerung befristeter Arbeitsverträge. Selbst einen Einstellungsstopp haben danach nur sechs Prozent der Firmen im Städtedreieck beschlossen, bundesweit liegt der Wert mit elf Prozent fast doppelt so hoch.

Der Fachkräftemangel sei im Bergischen seit Jahren groß, auch das hätten vorherige Befragungen gezeigt, sagt Peter Siedowski. „Viele Firmen werden auch in der Krise alles tun, um ihre Leute zu halten, egal wie weh das tut.“ Hinzu komme eine im Mittelstand verbreitete unternehmerische Verantwortung. „Da überlegt es sich der Unternehmer fünfmal, ob er zum Beispiel Kurzarbeitergeld beantragt.“

Zwar steht auch im Bergischen die Kostenreduktion weit oben auf der Liste zu Coronamaßnahmen, 26 Prozent der befragten bergischen Firmen gaben an, so auf die Krise zu reagieren, bundesweit warne es 29 Prozent. Doch in anderen Punkten gibt es signifikante Unterschiede zwischen den regionalen und den Gesamtergebnissen. So reagierten nur 16 Prozent der bundesdeutschen Unternehmen mit einer Erweiterung ihres Angebots auf Corona, im Bergischen waren es 34 Prozent.

Nicht die einzige positive Entwicklung, die die bergischen Firmen in der Pandemie ausgemacht haben. 50 Prozent haben laut der Commerzbank-Studie zum Beispiel eine „Erhöhung der Solidarität“ zu Kunden und Lieferanten erfahren (bundesweit: 36 Prozent), 42 Prozent (bundesweit: 39 Prozent) sehen eine Steigerung von Kreativität und Innovationskraft.

Und 22 Prozent der bergischen Firmen gaben an, in der Krise endlich überfällige Entscheidung treffen zu können. Wozu in vielen Fällen sicherlich auch die Digitalisierung gehört. Zwei Drittel der bergischen Unternehmen möchten laut dieser Befragung ihre Vorhaben in diesem Bereich innerhalb des nächsten Jahres umsetzen.

Weitere Ergebnisse

Wenn Firmen im Städtedreieck staatliche Corona-Hilfen in Anspruch genommen haben, dann am häufigsten einen Zuschuss einer Landesförderbank (24 Prozent) oder Kurzarbeitergeld (22 Prozent, Mehrfachnennungen möglich). Steuerstundungen und Ratenaussetzungen (je sechs Prozent) sowie KfW-Kredite (4) wurden hingegen sehr viel seltener genutzt. Dabei lag die staatliche Unterstützung aus Krediten und Zuschüssen in 57 Prozent der Fälle unter 10 000 Euro. 92 Prozent der Firmen, darunter nicht nur Commerzbank-Kunden, gaben an, in der Krise durch ihre Hausbank unterstützt zu werden. „Anders als in der Finanzkrise, als die Banken Teil des Problems waren, sind wir diesmal Teil der Lösung“, sagt Peter Siedowski von der Commerzbank. Allein im Städtedreieck habe seine Bank rund 20 Millionen Euro Förderkredite, zumeist von der KfW, an rund 100 Kunden weitergereicht.

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