Erfahrungen sammeln

Studenten bieten Unternehmensberatung an

Sam Retterath (Foto) und Lucas Meißner aus dem Bergischen arbeiten neben ihrem Studium als Unternehmensberater. Möglich macht das der Verein Heinrich Heine Consulting.
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Sam Retterath (Foto) und Lucas Meißner aus dem Bergischen arbeiten neben ihrem Studium als Unternehmensberater. Möglich macht das der Verein Heinrich Heine Consulting.

Heinrich Heine Consulting hat Mitglieder und Kunden aus dem Bergischen Land.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Nicht immer werden Lucas Meißner und Sam Retterath mit offenen Armen empfangen. Es gibt Situationen, in denen sie spüren, dass sie ihr Gegenüber nicht für voll nimmt, ihre Kompetenz anzweifelt. „Das legt sich im Gespräch meistens schnell“, schildert Meißner. Ist die anfängliche Skepsis ausgeräumt, kann der gebürtige Remscheider mit seiner eigentlichen Arbeit beginnen. Er und Retterath sind als Unternehmensberater tätig – obwohl beide noch studieren.

Möglich macht dies das Heinrich Heine Consulting (HHC). Der Verein mit Sitz an der gleichnamigen Düsseldorfer Universität hat sich 2007 als studentische Unternehmensberatung gegründet. Aktuell zählt HHC mehr als 80 Mitglieder. Rund zwei Drittel davon studieren an der staatlichen Universität der Landeshauptstadt. Doch das Angebot steht auch für Studierende anderer Hochschulen offen, unabhängig vom Studiengang (| Kasten).

„Während der Corona-Pandemie ist jemand aus Rotterdam zu unserem Team gestoßen. Das war dank der digitalen Kommunikationskanäle kein Problem“, erklärt Sam Retterath. Der 21-Jährige selbst studiert in Bonn Philosophie, Politik und Gesellschaft. Parallel dazu ist er an der Fernuniversität Hagen im Fach Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben.

Der gebürtige Solinger darf sich seit wenigen Wochen HHC-Berater nennen. Wer diesen Weg gehen will, muss eine Bewerbung einreichen, sich in einem Vorstellungsgespräch beweisen und als Anwärter bestehen. Die wichtigste Prüfung: Ein internes Projekt in einem der sieben Ressorts. Wie ein Unternehmen teilt sich der Verein in unterschiedliche Bereiche auf: Qualitätsmanagement, Finanzen und Recht, Vertrieb, Marketing, Netzwerk, IT und Human Resources. „Das sind die optimalen Voraussetzungen, um sich in den verschiedenen Bereichen auszuprobieren“, betont Lucas Meißner.

Der 24-Jährige ist Spezialist für das Personalwesen. An seinen Abschluss am Remscheider Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium schloss er eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement an. „Irgendetwas hat mir aber gefehlt“, sagt er rückblickend. Inzwischen studiert er im sechsten Semester an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und verfügt über mehrjährige Berufserfahrung in den verschiedenen Bereichen des Personalwesens. Wie es nach dem Bachelor-Abschluss genau weitergehen soll, steht noch nicht fest. Viel deutet momentan darauf hin, dass Meißner einen Master anschließt. Sicher ist er sich hingegen, was nach dem Studium der nächste Schritt sein soll: „Ich möchte auf jeden Fall als Berater arbeiten.“ In diesem Wunsch habe ihn seine HHC-Mitgliedschaft bestärkt.

Anfang 2020 kam er mit dem Verein in Kontakt, im Sommer vergangenen Jahres wurde er zum Vorstand für Internes. In dieser Zeit hat er vier Projekte als selbstständiger Berater durchgeführt, ein weiteres ist in Planung. Gewinnt HHC einen neuen Kunden, beginnt ein internes Ausschreibungsverfahren. Eine Kommission vergibt den Auftrag nach festgelegten Kriterien. Das Team, das den Zuschlag erhält, geht einen Beratungsvertrag mit dem Kunden ein und berechnet für seine Beraterleistungen ein Honorar.

„Diese Erfahrungen kann man bei keinem Praktikum sammeln.“

Lucas Meißner und Sam Retterath, Studenten und Berater

Viele HHC-Kunden kommen aus dem Rheinland, einige sind im Bergischen ansässig. Die Vielfalt reicht vom Deutschen Roten Kreuz über den Energieversorger Eon bis hin zur SPD. Sie wünschen sich externe Impulse bei Themen wie Prozessmanagement und -optimierung, Marktforschung und Strategieentwicklung oder auch Employer Branding. In vielen Fällen gehe es außerdem um Digitalisierung und Soziale Medien. „Da haben wir natürlich einen Altersvorteil, weil wir damit großgeworden sind“, sagt Retterath.

Häufig, erklärt Meißner, kommen Aufträge über ehemalige HHC-Berater zustande. „Das ist ein deutschlandweites Netzwerk.“ Auch mit Branchenriesen wie KPMG, PwC und Ernst & Young kooperiert die studentische Unternehmensberatung. Die Firmen erhoffen sich, gute Nachwuchskräfte zu rekrutieren – die Studierenden wollen einen Fuß in die Tür bekommen.

Sam Retterath und Lucas Meißner müssen nicht lange nachdenken, wenn sie gefragt werden, was sie am Beratergeschäft fasziniert. Ständig Einblick in neue Branchen, Unternehmen und Projekte zu erhalten, hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an den Tag legen zu müssen, mache den Beruf so attraktiv. Und HHC sei die beste Vorbereitung darauf: „Diese Erfahrungen kann man bei keinem Praktikum sammeln.“

HHC

Laut eigenen Angaben haben die rund 80 Mitglieder von Heinrich Heine Consulting 2020 mehr als 500 Beratertage geleistet. Der Großteil der Aktiven studiert Betriebswirtschaftslehre, dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Vorgabe.

Regelmäßig finden Schulungen und Workshops statt.

www.hhc-duesseldorf.de

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