Strom vom Dach statt Sprit von der Tankstelle

Beruflich wie privat tanken Jeannette und Harald Sander lieber Sonnenstrom statt Benzin. Die Flotte der Firma PleasantSoft besteht seit dieser Woche nur noch aus Elektrofahrzeugen. Neben dem Renault Zoe links auf dem Bild gibt es fünf Tesla Model 3. Foto: Roland Keusch
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Beruflich wie privat tanken Jeannette und Harald Sander lieber Sonnenstrom statt Benzin. Die Flotte der Firma PleasantSoft besteht seit dieser Woche nur noch aus Elektrofahrzeugen. Neben dem Renault Zoe links auf dem Bild gibt es fünf Tesla Model 3. Foto: Roland Keusch

Bergische Firmen setzen aus wirtschaftlichen Gründen vermehrt auf E-Autos

Von Sven Schlickowey

REMSCHEID Vor wenigen Tagen war es endlich soweit für Harald Sander. Am Mittwoch gab sein Unternehmen den letzten Wagen mit Verbrennungsmotor, einen erdgasbetriebenen Skoda, ab und ersetzte ihn durch einen Tesla. Seither ist die komplette Firmenflotte auf E-Mobilität umgestellt. „Wir sind jetzt praktisch CO2-neutral unterwegs“, sagt Sander. Denn geladen werden die Autos, zumindest in den sonnenreichen Monaten, ausschließlich an einer firmeneigenen Photovoltaik-Anlage.

Rund 40 Mitarbeiter hat seine Firma, der Software-Anbieter PleasantSoft, sechs davon haben einen Firmenwagen. Vom Stammsitz in Remscheid aus werden vor allem Kunden in den Postleitzahlengebieten 4 und 5 betreut, gelegentlich auch außerhalb. Und all diese Strecken fahren die PleasantSoft-Mitarbeiter mit Strom.

Für Harald Sander, das merkt man schnell, eine Herzensangelegenheit. Seit Jahren schon verhalte er sich, privat wie geschäftlich, möglichst umweltfreundlich, berichtet er: „Da sind wir sehr speziell.“ Bisher habe man das CO2, das seine Firma produzierte, kompensiert. „Inzwischen achten wir aber darauf, erst gar keins mehr zu erzeugen.“ Da ist die Firmenwagen-Flotte, neben der IT-Hardware und anderen Maßnahmen, nur einer von vielen Schritten.

Aber einer, der nicht nur aus ökologischer Überzeugung, sondern auch aus ökonomischen Gründen gegangen wird. „Das rechnet sich tierisch“, sagt Harald Sander. Trotz des relativ hohen Anschaffungspreises des Tesla Model 3, der den Großteil seines Fuhrparks bildet. Nutze man die zahlreichen Fördermöglichkeiten als Anzahlung, bis zu 13 000 Euro seien für einen Tesla drin, bleibe eine monatliche Leasingrate, die mit anderen klassischen Außendienstfahrzeugen vergleichbar sei, rechnet Sander vor.

Die Ersparnis ergebe sich aus den niedrigeren Energiekosten, der günstigeren Versicherung und dank der wegfallenden Kfz-Steuer. Und weil ein Elektro-Auto weniger bewegliche Teile hat. „Der Knackpunkt sind die Reparaturkosten“, sagt Sander. Einen Auspuff, der durchrosten könnte, hat der Tesla nicht. Dank Rekuperation halten die Bremsen länger. Und auch die Inspektionen kosten nur einen Bruchteil. Zudem freuen sich die Mitarbeiter, dass sie die private Nutzung nicht mit einem Prozent des Listenpreises, sondern nur mit 0,25 Prozent versteuern müssen.

„Das rechnet sich tierisch.“

Harald Sander über E-Autos

Alles Argumente, die auch Patrick Fecken überzeugt haben. Obwohl er für ein Unternehmen arbeitet, bei dem sich die Kfz-Nutzung komplett von Harald Sanders Software-Schmiede unterscheidet. Fecken kümmert sich im Pflegedienst seiner Mutter um die Verwaltung, von der Abrechnung mit den Kassen bis zu den Firmenwagen. Die müssen hier eher klein als repräsentativ sein. Fecken: „Wir parken ja mehr, als wir fahren.“ Und während die PleasantSoft-Mitarbeiter relativ lange Strecken fahren, bewegen sich die Autos bei Fecken nur vier bis 22 Kilometer pro Schicht. Dafür aber mit bis zu 16 Stopps je Tour.

So zu fahren sei „absolut tödlich für jeden Benzinmotor“, sagt Fecken. „Der Motor wird ja nie richtig warm.“ Deswegen habe man schon bei den letzten beiden Neubeschaffungen über ein E-Fahrzeug nachgedacht. „Aber das scheiterte am Preis und am Angebot.“ Der Pflegedienst Fecken kaufe seine Autos lieber, als sie zu leasen. „Und wir kaufen auch gerne gebraucht.“ Vor kurzem wurde Patrick Fecken endlich fündig und erwarb einen gebrauchten E-Smart.

Aber nicht, ohne vorher alles durchgerechnet zu haben. Auch er lebe umweltfreundlich, sagt Patrick Fecken. Aber das allein könne nicht Grundlage für geschäftliche Entscheidungen sein: „Dafür ist die Vergütung der Pflegekasse nicht gut genug.“

Also bemühte er eine Excel-Tabelle und verglich den durchschnittlichen Benzinverbrauch der bisherigen Flotte mit dem erwarteten Stromverbrauch des Smarts. Bei 11 000 Kilometer pro Jahr blieb eine Ersparnis von rund 700 Euro. Und auch hier kämen weitere Effekte hinzu, sagt Fecken: „Die Inspektion des E-Smarts kostet gerade mal 88,50 Euro.“

Inzwischen ist der Smart täglich im Einsatz. Allzu viel Erfahrung habe man noch nicht mit dem Fahrzeug, sagt Fecken. „Aber bisher gab es noch keine Mitarbeiterin, die nicht begeistert war.“ Auch wirtschaftlich scheinen sich seine Annahmen zu erfüllen. Deswegen hat Patrick Fecken gerade erst den Kaufvertrag für ein zweites Elektro-Fahrzeug unterschrieben. Und der Elektriker hat auch schon mal die Kabel für eine weitere mögliche Lade-Box verlegt.

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