Konjunktur

Die Stimmung ist mies – aber schon etwas besser

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Umfrage zur Konjunkturlagebeurteilung der Bergischen IHK.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Die Stimmung in der bergischen Wirtschaft ist immer noch schlecht. Aber merklich besser als noch vor einigen Monaten. Das zeigt die Umfrage zur Konjunkturlagebeurteilung der Bergischen IHK. Danach beurteilen 31 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als „schlecht“, 26 Prozent als „gut“ und 43 als „befriedigend“.

Damit liegt der aktuelle Geschäftslagenindex, der sich aus der Differenz zwischen „gut“ und „schlecht“ ergibt, bei -6. Das ist wesentlich besser als bei den beiden vorherigen Umfragen, als er bei -35 und zuletzt bei -26 lag, aber im Vergleich zur Zeit vor Corona immer noch katastrophal. In den vergangenen Jahren lag der Index immer im zweistellig positiven Bereich, zwischenzeitlich sogar lange über 30.

„Es ist sicher so, dass trotz des Kurzarbeitergeldes nicht alle Unternehmen ihre Mitarbeiter halten werden.“
IHK-Präsident Thomas Meyer

Doch der aktuelle Index gibt die Situation im bergischen Städtedreieck ohnehin nicht in ihrer Gesamtheit wieder. Die Lage sei „ziemlich geteilt“, formulierte es IHK-Präsident Thomas Meyer bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse. „Gerade in der Industrie gibt es viele, die gut durch das Jahr 2020 gekommen sind.“ In der Gastronomie, dem Hotelgewerbe, beim Messebau und anderen Dienstleistungen sehe das völlig anders aus.

Deutlich wird das auch an einem anderen Punkt der Umfrage. Hier geben insgesamt acht Prozent der Teilnehmer an, ihr Unternehmen sei von einer Insolvenz bedroht. Nach Branchen unterteilt wird aber klar: Während das auf fast ein Drittel aller Gastronomie-Betriebe zutrifft und immerhin noch auf 13 Prozent des Einzelhandels, fühlt sich in der Industrie nur ein sehr geringer Anteil, drei Prozent, von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Und auch die drei bergischen Großstädte entwickeln sich unterschiedlich. So ist der Index in Wuppertal am tiefsten im Minus, während er in Solingen sogar leicht positiv ist. Vor allem die dortige Schneidwarenindustrie laufe derzeit besser als viele andere Bereiche, sagt Thomas Meyer.

An der Umfrage nahmen diesmal mehr als 500 Firmen aus Solingen, Remscheid und Wuppertal teil, deutlich mehr als bei den vorherigen. „Das zeigt die Betroffenheit der Unternehmen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge diesen Zuwachs. Durchgeführt wurde die Befragung vom 14. Dezember bis zum 8. Januar – sie endete also vor der Verlängerung des aktuellen Lockdowns.

Den zweiten Lockdown zu vermeiden, das hatte die Bergische IHK im Oktober noch zur Voraussetzung erklärt, damit die Wirtschaft 2021 einen Aufschwung erleben könne. Nun müsse die Prognose für dieses Jahr deutlich reduziert werden, sagt Thomas Meyer. Auch wenn der Lockdown derzeit vor allem Einzelhandel und Gastronomie betreffe, werde er Auswirkungen auf die Industrie haben, ist der IHK-Präsident überzeugt: „Die Handtasche, die jetzt nicht verkauft wird, wird auch nicht in Italien produziert. Also braucht der Hersteller dann auch keine Maschinen von uns.“

Nicht die einzige Sorge, die Meyer derzeit umtreibt. „Es ist sicher so, dass trotz des Kurzarbeitergeldes nicht alle Unternehmen ihre Mitarbeiter halten werden“, prophezeit er einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Und auch die Ausbildungsleistung vieler Firmen sei gesunken. Das sei zwar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten teilweise nachvollziehbar, so Meyer, verstärke aber den Fachkräftemangel. Deswegen sie es wichtig, dass die Unternehmen „wann immer es wirtschaftlich vertretbar ist, ausbilden, weil wir uns sonst die Zukunft kaputtmachen“.

Die derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bezeichnet Thomas Meyer als „in ihrer Schärfe sicherlich richtig“, doch die Wirtschaft brauche auch eine Öffnungsperspektive. Zudem müssten die staatlichen Hilfen endlich ausgezahlt werden, forderte er.

Michael Wenge warnt hingegen vor den derzeit diskutierten Einschränkungen bei Geschäftsreisen: „Es wäre fatal, wenn die bergische Wirtschaft ihre Maschinen nicht ins Ausland verkaufen und dort auch aufstellen kann.“ Doch bei allen negativen Entwicklungen stellt der IHK-Hauptgeschäftsführer auch klar: „Die bergische Wirtschaft lässt sich nicht unterkriegen.“

Die Umfrage

An der aktuellen Konjunkturumfrage der Bergischen IHK nahmen 544 Unternehmen mit zusammen rund 18 000 Mitarbeitern aus Remscheid, Solingen und Wuppertal teil. Davon kommen 145 mit zusammen etwa 5500 Mitarbeitern aus Solingen und 104 Firmen mit zusammen 4500 Mitarbeitern aus Remscheid. Im Vergleich zur letzten Umfrage stieg die Zahl der teilnehmenden Unternehmen um mehr als 100. Die Zahl der dadurch repräsentierten Arbeitnehmer blieb aber nahezu gleich. Es nahmen also vermutlich vermehrt kleinere Firmen an der Umfrage teil.

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