Wirtschaft

Der Startpunkt für „Smart Home“ liegt auch im Bergischen Land

So fing es an: Der erste KNX-Tastsensor von Gira steuerte bereits n den frühen 1990er Jahren Licht, Jalousie und Lüftung. Foto: Gira
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So fing es an: Der erste KNX-Tastsensor von Gira steuerte bereits n den frühen 1990er Jahren Licht, Jalousie und Lüftung.

Radevormwalder Firma gehörte für drei Jahrzehnten zu den Pionieren vernetzter Elektroinstallationstechnik.

Von Sven Schlickowey

Radevormwald. Von unterwegs per Smartphone die Heizung regeln, Jalousien, die sich je nach Lichteinfall öffnen oder schließen, Musik per Sprachbefehle steuern – was heute unter dem Namen „Smart Home“ (fast schon) selbstverständlich ist, begann vor ziemlich genau 30 Jahren. Und zwar nicht in London, New York oder Berlin, sondern im Sauer- und im Bergischen Land.

Denn eines der Unternehmen, die sich als erstes mit dem Thema beschäftigten, sitzt im eher beschaulichen Radevormwald. Beim Gebäudetechnikspezialist Gira waren es die beiden damaligen Geschäftsführer Werner und Helmut Giersiepen, die das Potenzial sahen: „Beide haben Ende der 1980er Jahre erkannt, dass das damals noch ganz in seinen Anfängen steckende World Wide Web bis dahin unbekannte Möglichkeiten für die vernetzte Elektroinstallationstechnik erschließen, aber eben auch ganz neue Anforderungen mit sich bringen würde“, erinnert sich Karl Harald Kleinert von der Gira-Akademie.

Zudem erkannte die Gira-Geschäftsführung, dass ein Alleingang angesichts der großen Herausforderung gefährlich werden könnte – und suchten daher ganz bewusst die Kooperation mit anderen Schalterherstellern, also Wettbewerbern. Merten aus dem oberbergischen Wiehl sowie Jung und Berker, beide aus dem Sauerland, schlossen sich 1990 mit Gira zu einer Gruppe zusammen, zu der auch Siemens hinzustieß. Mit dem Ziel, ein herstelleroffenes System zur Vernetzung und Steuerung von Gebäudefunktionen zu entwickeln. Und damit einen neuen Markt zu schaffen.

Dabei herausgekommen ist KNX, das zunächst Instabus, dann Europäischer Installationsbus hieß und heute weltweiter Standard ist. Fast 500 Hersteller auf der ganzen Welt gehören heute dem KNX-Netzwerk an. Zusammen bieten sie rund 8000 Produkte zur digitalen Automation von Gebäuden an. Einige davon kamen auch beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie oder im Wiener Stephansdom zum Einsatz.

Das Prinzip eines herstelleroffenen Systems hat bis heute Bestand, alle Entwicklungsdokumente, die ein Hersteller von KNX-Produkten benötigt, sind frei zugänglich – sowohl für Großunternehmen als auch für Start-ups oder Nischenanbieter. Auch steht allen Mitgliedern der KNX-Vereinigung seit den frühen 1990er Jahren eine einheitliche Programmier-Software zur Verfügung: „Mit der standardisierten Engineering-Tool-Software, der ETS, ist sichergestellt, dass sich Komponenten verschiedener Hersteller miteinander verständigen können und somit problemlos interagieren“, erklärt Karl Harald Kleinert.

Für Gira brachte das Thema ein weiteres Geschäftsfeld neben der Herstellung von Lichtschaltern und Steckdosen. Vor knapp zwei Jahren wurde das neue 30 000 Quadratmeter große Produktions-, Entwicklungs- und Logistikzentrum eröffnet, heute beschäftigen die Radevormwalder rund 1200 Mitarbeiter. Und seinen Homeserver, den ersten Rader Meilenstein in Sachen „Smart Home“, hat Gira bis heute im Programm. Inzwischen in der vierten Generation.

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