Erneuerbare Energien

Start-up entwickelt vertikale Windmühlen

Das Team hinter Adapt Vertical Mills (v. l.): Urs Martin Köck, Andreas C. Theil und Victor J. Jürgensohn.
+
Das Team hinter Adapt Vertical Mills (v. l.): Urs Martin Köck, Andreas C. Theil und Victor J. Jürgensohn.

Team von Adapt Vertical Mills profitiert von Infrastruktur in Solingen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Goldgräberstimmung herrsche im Markt für Erneuerbare Energien derzeit durchaus. Davon möchten sich Urs Martin Köck und seine Kollegen jedoch nicht treiben lassen. „Unsere Entwicklung braucht Zeit“, betont der 25-Jährige. Er hofft, im kommenden Jahr die ersten beiden Pilotanlagen fertigstellen zu können. Sie sollen Daten liefern, inwieweit das Konzept von Adapt Vertical Mills (AVM) aufgeht. Das Start-up arbeitet an der Entwicklung vertikaler Windkraftanlagen. Der Prototyp ist in Solingen entstanden.

Seit 2020 existiert das Unternehmen. Die Idee hatte Andreas C. Theil. Stehende Windräder machten ihn nachdenklich: Wie lässt sich auch bei lauen Lüftchen grüner Strom gewinnen? Dieser Frage geht der Designer mit dem Technischen Direktor Victor J. Jürgensohn und Urs Martin Köck, der für Forschung und Entwicklung zuständig ist, nach. Letztere studieren an der Hochschule Düsseldorf: Jürgensohn Maschinenbau – Produktentwicklung, Köck Umwelt- und Verfahrenstechnik.

Die AVM-Funktionsweise vergleicht Urs Martin Köck mit einer Eiskunstläuferin, die sich um die eigene Achse dreht. Der Rotor sei „von Grund auf neu gedacht“. Er bestehe aus recycelbaren Werkstoffen, sei modular aufgebaut. Auch sind für die Installation Leichtfundamente vorgesehen, so dass keine großflächige Versiegelung des Bodens notwendig ist.

Windräder müssen mindestens 90 Meter hoch sein, AVM kommt mit einer niedrigeren Höhe zurecht

Vor allem arbeitet AVM in deutlich niedrigeren Höhen. Während herkömmliche Windräder 90 bis 130 Meter hoch sind, plant das Start-up mit einem 24-Meter-Modell sowie einer 36-Meter-Variante. Zudem ist eine mobile Version mit Akku geplant. Diese könnte in Extremsituationen, etwa nach einem Hochwasser, zur Stromversorgung im betroffenen Gebiet beitragen.

Hauptsächlich hat das Team um Urs Martin Köck andere Anwendungsgebiete im Blick. Da sind zum einen Endkunden, beispielsweise Landwirte, und Kommunen, die herkömmlichen Anlagen wegen ihrer Größe kritisch gegenüberstehen. Zudem sehen die AVM-Verantwortlichen ihre Entwicklung als Ergänzung bestehender Windparks. „Dort gibt es die nötige Infrastruktur“, begründet Köck. Volllast werde jedoch nur selten erreicht. Die vertikalen Anlagen könnten am Fuße der Windräder dazu beitragen, die Kapazität bei niedriger Windgeschwindigkeit auszureizen.
Mehr Nachhaltigkeit in Solingen

Wichtige Schritte hat AVM im Solinger Gründer- und Technologiezentrum zurückgelegt. Im vergangenen halben Jahr hat das Start-up dort am Förderprogramm „Bergsteiger Accelerator“ teilgenommen. Die Workshops und Beratung möchte Urs Martin Köck nicht missen. Vor allem habe es eine wichtige Rolle gespielt, Kontakte zu knüpfen und neue Impulse zum Thema Unternehmensführung zu erhalten. Bei einer der kommenden Ausgaben möchte AVM zudem am Berg-Pitch, dem größten Start-up-Wettbewerb der Region, teilnehmen. „Die Infrastruktur in Solingen ist sehr, sehr gut. Sie bietet einen guten Anfang, um richtig loszulegen“, betont Köck.

Der erste Prototyp existiert - Jetzt braucht es Unterstützung

Genau das möchten er und seine Mitstreiter jetzt. Seit Mitte 2022 existiert der Prototyp im Maßstab 1:10. Die nächsten Schritte wird das Unternehmen in Meerbusch gehen. Auf dem Areal Böhler nimmt AVM an einem Programm des Global Entrepreneurship Centres teil. Von dort aus möchte das Team den Markt für konventionelle Windkraftanlagen transformieren.

Dafür braucht es Unterstützung. Mehr als zwei Millionen Euro wird es kosten, die ersten beiden Pilotanlagen zu bauen, schätzt Urs Martin Köck. Investoren sollen den Schritt ermöglichen. Der 25-Jährige hofft, dass in zwei, zweieinhalb Jahren die Massenfertigung beginnen kann. „Das Konzept funktioniert“, betont er. Fraglich sei hingegen noch, wie hoch der Energieertrag sei.

Der Jungunternehmer weiß, dass es schon lange Konzepte für vertikale Windkraftanlagen gibt. Seit dem Siegeszug der horizontalen Variante seien die jedoch nicht mehr intensiv verfolgt worden. Und das, obwohl die großen Räder bei weiten Teilen der Bevölkerung kein hohes Ansehen genießen. Hinzu komme, dass sich die Zeiten geändert haben. Der Strombedarf steige, der Wunsch nach dezentraler Versorgung ebenfalls. Das Bewusstsein für Erneuerbare Energien habe sich gewandelt.

Förderprogramm

Der „Bergsteiger-Accelerator“ ist ein Start-up-Förderprogramm des Solinger Gründer- und Technologiezentrums. Ein halbes Jahr lang erhalten junge Unternehmen Unterstützung dabei, ihr Geschäftsmodell in Richtung Marktreife weiterzuentwickeln. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.accelerator-solingen.de.

Lesen Sie auch: Mauern bauen oder Windmühlen – oder am besten beides

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Das kleine Einmaleins der Urlaubsplanung
Das kleine Einmaleins der Urlaubsplanung
Das kleine Einmaleins der Urlaubsplanung
Wegen Energiekrise: Gießerei erwägt Verlagerung ins Ausland
Wegen Energiekrise: Gießerei erwägt Verlagerung ins Ausland
Wegen Energiekrise: Gießerei erwägt Verlagerung ins Ausland

Kommentare