Pandemie

In den Start der Selbstständigkeit platzte Corona

Erkan Taskin in seinem neuen Salon zusammen mit seiner Nichte Ilknur Taskin. Die beiden erlebten corona-bedingt einen holprigen Start des Geschäfts. Foto: Roland Keusch
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Erkan Taskin in seinem neuen Salon zusammen mit seiner Nichte Ilknur Taskin. Die beiden erlebten corona-bedingt einen holprigen Start des Geschäfts.

Erkan Taskin eröffnete seinen Friseursalon in Remscheid – mitten in der Pandemie.

Von Sven Schlickowey

REMSCHEID Erkan Taskin hatte alles so schön geplant. Nach 15 Jahren als angestellter Friseur wollte er sich im Frühjahr endlich selbstständig machen. Doch dann kam Corona. Inzwischen hat der 35-Jährige seinen Salon an der unteren Alleestraße eröffnet – und trotz aller Rückschläge nicht seinen Optimismus verloren: „Ich habe schon vor über zehn Jahren auf der Alleestraße Haare geschnitten“, sagt er. „Qualität und Handwerk setzt sich durch.“

Schon während seiner Ausbildung sei für ihn klar gewesen, dass er eines Tages den Schritt in die Selbstständigkeit wagen würde, berichtet Erkan Taskin. Auch wie sein Laden einmal heißen wird, stehe schon länger fest: Er Cut – ein Wortspiel aus seinem Vornamen und Cut, dem englischen Wort für Schnitt. „Eine Freundin von mir, die Grafik-Designerin ist, hatte die Idee schon vor Jahren“, sagt Taskin.

Ende letzten Jahres schließlich, zu diesem Zeitpunkt arbeitete er noch für eine Friseurkette im Allee-Center, stieß er auf ein leerstehendes Ladenlokal an der unteren Alleestraße, in dem vorher schon ein Friseur war. „Im November habe ich mir das Objekt angeschaut“, erinnert sich Taskin, der 2014 seinen Meister gemacht hat.

An diesem Punkt wurden seine Planungen konkreter, kurze Zeit später kündigte er seine Anstellung. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ahnen konnte, war die bevorstehende Pandemie, die alles veränderte. Sein inzwischen ehemaliger Arbeitgeber schickte ihn in Kurzarbeit, an die Eröffnung seines eigenen Ladens war lange nicht zu denken.

„Das war schon ein Riesen-Schock, eine sehr krasse Zeit.“
Erkan Taskin über die Schließung der Friseur-Salons

„Da stand ich erstmal“, erinnert sich Erkan Taskin. „Das war schon ein Riesen-Schock, eine sehr krasse Zeit.“ Friseur zu sein, das sei für ihn mehr als ein Beruf. „Mein Opa war schon Friseur“, sagt er. Ein Verwandter betreibe einen Salon in der Türkei, mit seiner Nichte arbeite er inzwischen im eigenen Salon zusammen. Statt Haare schneiden zu können, habe er aber im März und April wochenlang zu Hause gesessen – und sich gelangweilt. Eine unangenehme aber lehrreiche Erfahrung: „Ich habe gemerkt, wie mir der Kontakt zu den Kunden gefehlt hat“, sagt Erkan Taskin. „Ich liebe meine Arbeit, das ist für mich mehr als ein Job.“

Umso glücklicher sei er gewesen, als es vor wenigen Wochen endlich losgehen konnte, wenn auch unter Auflagen. „Das Arbeiten ist schon anders“, sagt Taskin, der seinen Kunden derzeit weder Zeitschriften noch Getränke anbieten darf. Zudem würden die Auflagen für geringere Umsätze sorgen: „Die Einbußen betragen bis zur Hälfte des Erwarteten.“

Dass man als Unternehmer ein gewisses Risiko trage, sei ihm klar gewesen, sagt der Friseurmeister. „Natürlich konnte ich nicht davon ausgehen, den Laden von Anfang an voll zu haben.“ Doch mit Corona habe man nicht rechnen können. Zumal die meisten Hilfsprogramme, insbesondere die Direktzahlungen für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer, für Erkan Taskin nicht griffen – dafür hätte sein Geschäft schon im alten Jahr eröffnen müssen. „Da war ich doppelt bestraft.“

Doch Taskin will nicht aufgeben. „Mir ist viel Geld flöten gegangen, das kann ich aber irgendwie wieder reinholen“, sagt er. Die ersten Stammkunden aus seinem vorherigen Job hätten den Weg inzwischen zu ihm gefunden. „Und ich konnte auch schon ein paar neue Gesichter begrüßen.“ Die Selbstständigkeit sei lange sein großes Ziel gewesen, so Taskin: „Ich lebe meinen Traum.“ Und das soll ein Virus nicht ändern.

Hintergrund

Anfang Mai durften die Friseur-Salons in Remscheid nach der corona-bedingten Schließung wieder öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. So gibt es weder Getränke noch Zeitschriften, zudem ist ein Termin notwendig und die Haare müssen gewaschen werden.

Die Zahl der Salons in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. 1998 waren bundesweit noch knapp über 63 000 Betriebsstätten registriert, 2018 waren es schon fast 81 000. Die Folge: Umsatz und Kundenzahl je Salon sind seither stetig gefallen.

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