Zusammenarbeit soll weitergehen

Städtedreieck nähert sich Mobilität der Zukunft an

Bei der gestrigen Abschlussveranstaltung von „Bergisch Smart Mobility“ in Wuppertal machte sich NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart (5. v. r.) mit Vertretern der Projektpartner ein Bild der Ergebnisse. Foto: Gunnar Bäldle
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Bei der Abschlussveranstaltung von „Bergisch Smart Mobility“ am Donnerstag in Wuppertal machte sich NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart (5. v. r.) mit Vertretern der Projektpartner ein Bild der Ergebnisse.

Nach 33 Monaten endet das Projekt „Bergisch Smart Mobility“.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Mehr als 100 Arbeitsplätze gesichert, knapp 60 Stellen geschaffen, 70 Patente auf den Weg gebracht, etwa 40 umgesetzte Abschlussarbeiten und Promotionsvorhaben – das sind die nackten Zahlen zu „Bergisch Smart Mobility“. Ende März läuft das Projekt aus. 33 Monate lang war das Städtedreieck ein Testlabor für die Mobilität von morgen. Damit, war man sich bei der gestrigen Abschlussveranstaltung einig, wurde ein Grundstein für die Zukunftsfähigkeit der Region gelegt.

Das Projekt ist das größte im Programm „Digitale Modellregionen“. Mit 13,1 Millionen Euro hat das NRW-Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie das Vorhaben unterstützt. Das Gesamtvolumen: 24 Millionen Euro. Acht Partner (siehe unten), haben seit Juli 2019 zusammengearbeitet.

„Die sind nicht im Sillicon Valley entstanden, sondern in der Innovationsregion Bergisches Land.“

Prof. Andreas Pinkwart über neue Technologien

Der Untertitel von Bergisch Smart Mobility lautet „KI als Enabler der Mobilität von morgen“. Daran wird der Fokus des Projektes deutlich: Anwendungsmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz im Verkehrssektor. Diesem Thema wurde sich von verschiedenen Seiten genähert. Beispielsweise hat sich die Wuppertaler Firma Aptiv mit intelligenter elektrischer und elektronischer Fahrzeugarchitektur befasst. Neben der Stromversorgung autonomer Fahrzeuge ging es dabei unter anderem um Steuerungssoftware, die Radar- und Lidarsignale verarbeiten kann. Das ermöglicht der Technik, Objekte im Straßenverkehr präziser zu identifizieren.

Die Mobilitätswende ist in vollem Gange

Knapp 50 000 Fahrgäste haben bislang den neuen On-Demand-Fahrdienst der Wuppertaler Stadtwerke genutzt. Das Konzept: In einem Testgebiet sind elektrisch betriebene Taxis unterwegs. Über eine App können die Nutzer sehen, wo sich die Wagen befinden und eine Fahrt anfordern. Mit dem Konzept erproben die Stadtwerke der Nachbarstadt auf KI basierende Technologien, die die Bergische Uni entwickelt hat.

In einem weiteren Projekt wurde unter anderem der Einsatz von Lieferrobotern konzipiert. Zudem erprobten die Projektpartner Sensoren für automatisiertes Fahren und das Steuern von Ampeln.

Die Beispiele eint, dass sie in Kooperation verschiedener Projektpartner entstanden sind. Genau die erfuhr am Donnerstag viel Lob. „Im Bergischen sind die Wege zwischen Städten, Unternehmen und der Universität sehr kurz“, erklärte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Diese „pragmatische Zusammenarbeit“ sei ein großer Vorteil, um die Herausforderungen der Mobilitätswende zu bewältigen. Prof. Anton Kummert zeigte sich überzeugt, dass die geknüpften Kontakte das Projektende überdauern. „Das wird bleiben“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Elektrotechnik und Theoretische Nachrichtentechnik.

Vor knapp drei Jahren überreichte NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart (FDP) die Förderbescheide für Bergisch Smart Mobility. Am Donnerstag überzeugte er sich von den Ergebnissen. Vor allem die Entwicklungen des Autozulieferers Aptiv nötigten ihm Respekt ab: „Die sind nicht im Sillicon Valley entstanden, sondern in der Innovationsregion Bergisches Land.“ Die neuen Technologien seien ein Schlüssel, um Arbeit und Wohlstand zu sichern. Diesbezüglich sieht Pinkwart die Region mit ihren mehr als 270 Automobilzulieferern und knapp 10 000 Beschäftigten in der Branche „bestens aufgestellt“.

Der Projektzeitraum hat sich zu großen Teilen mit der Corona-Krise überschnitten. Weggefallen seien deshalb keine geplanten Inhalte, betonte Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Einige Vorhaben habe die Pandemie jedoch erschwert, etwa Informationsveranstaltungen. Mit Blick darauf warb Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) für einen selbstbewussten Umgang mit den Projektergebnissen – nach innen und außen. Man müsse für die Menschen im Bergischen übersetzen, welche Vorteile KI im Mobilitätssektor mit sich bringen kann.

Was bleibt von Bergisch Smart Mobility? „Die kulturellen und organisatorischen Veränderungen“, Thomas Lämmer-Gamp, Leiter der gleichnamigen Geschäftsstelle, überzeugt. Durch die enge Zusammenarbeit hätten Remscheid, Solingen und Wuppertal einen Schritt in Richtung Smart Cities gemacht. Daran sollen zukünftige Projekte anknüpfen. Geplant ist, das Taxigewerbe bei der Umstellung auf Elektromobilität zu unterstützen. Auch existieren Ideen für ein regionales Logistiksystem, das den Lieferverkehr reduzieren könnte. Darüber hinaus gebe es erste Gespräche, um Verkehrsdaten besser zu nutzen. Die Ziele: Verkehr umweltschonender steuern, Straßenschäden erkennen, Unfälle vermeiden.

Thomas Lämmer-Gamp rechnet nicht damit, dass Autos aus den Städten verschwinden werden.

Projektpartner

Acht Projektpartner sind seit Juli 2019 an „Bergisch Smart Mobility“ beteiligt. Dazu zählen neben der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft als Koordinationsstelle die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal, die Aptiv Services Deutschland GmbH, die Bergische Universität Wuppertal, die Neue Effizienz gGmbH sowie die Wuppertaler Stadtwerke.

bergischsmartmobility.de

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