Arbeitsplatz auf Zeit

Im Städtedreieck boomt das Coworking

Das Coworkit nimmt inzwischen ein ganzes Haus im GuT in Solingen ein.
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Das Coworkit nimmt inzwischen ein ganzes Haus im GuT in Solingen ein.

Ob Gründerschmiede oder Coworkit, den Spaces kommt in der wirtschaftlichen Entwicklung eine wichtige Rolle zu.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Das Coworkit wächst. Und wächst. Und wächst. Auf knapp 250 Quadratmeter Fläche hat der Solinger Coworking-Space mal angefangen, gerade erst hat er eine dritte Etage hinzubekommen und ist so auf rund 1000 Quadratmeter angewachsen. Während nahezu zeitgleich eine Niederlassung im Ortsteil Wald eröffnet wurde. „Wir sind der größte Coworking-Space und Start-up-Inkubator im Bergischen Land“, sagt Leiter Sven Wagner, der längst über weitere Standorte überall in der Stadt nachdenkt.

Coworking boomt. Auch im Bergischen. Dass das Solinger Coworkit, das erste seiner Art im Städtedreieck, so stark wächst, liegt nicht an der mangelnden Konkurrenz. Allein in der Klingenstadt gibt es mit dem Ebbtron in Ohligs und dem frisch eröffneten Coworking-Gräfrath zwei weitere Anbieter. In Wuppertal ziehen sich unterschiedliche Spaces von Ronsdorf über Elberfeld bis zur Utopiastadt im Bahnhof Mirke quer durch die ganze Stadt. Und in Remscheid wird aus der derzeit noch recht kleinen Gründerschmiede in den nächsten Jahren ein ganzes Gründerquartier.

Sven Wagner zeigt die bisher eher spärlich möblierte dritte Etage.

All diese Angebote bieten einen Arbeitsplatz auf Zeit, inklusive der notwendigen Infrastruktur von der Kaffeemaschine bis zum Wlan, Kontakte und Austausch, Unterstützung und neue Ideen – und im besten Fall etwas, das man vielleicht als Gründergeist beschreiben könnte. Genutzt werden die Spaces von Start-ups, aber auch von Freiberuflern und Angestellten ohne festes Büro. „Coworking ist das ideale Homeoffice“, sagt Sven Wagner.

Während also Außendienstmitarbeiter früher Schnellrestaurants ansteuerten, um Kaffee, Klo und Internet zur Verfügung zu haben, sitzen sie heute zeitweise in Coworking-Spaces. Oder Firmen lagern Meetings oder andere Veranstaltungen dorthin aus. Entweder aus Platzmangel. Oder um den Mitarbeitern eine neue und anregende Umgebung zu bieten.

Das Solinger Coworkit sieht seine Aufgabe darüber hinaus, wie auch die Remscheider Gründerschmiede und andere Spaces in der Region, darin, innovativen Geschäftsideen ein Zuhause zu geben. Zumindest eine Zeitlang. Nicht umsonst ist das Coworkit Teil des Gründer- und Technologiezentrums (GuT) – und damit im Verantwortungsbereich der Wirtschaftsförderung.

Im ersten Jahr zogen 25 Nutzer im Coworkit ein

In Remscheid wollen Nicole Haas und Christoph Imber aus der Gründerschmiede ein Gründerquartier machen.

Schon seit den 1990er Jahren steht das GuT in einer ehemaligen Schneidwarenfabrik an der Grünewalder Straße Firmengründern zur Verfügung und mit Rat und Tat zur Seite. „Und die normale Gründerberatung lief hier auch super“, erinnert sich Sven Wagner. Wirkliche innovative Geschäftsideen, also Start-ups, habe man aber kaum dort gesehen. „Die gingen eher nach Köln oder Düsseldorf.“

Also rüstete man in den Jahren 2014 bis 2016 auf, stellte das Beratungsangebot teilweise um – und begann „zu trommeln“, wie Wagner es nennt. Im ersten Jahr waren bereits 25 Nutzer regelmäßig im Coworkit zu Gast. Darunter das Start-up StriveCDN, das nach einem dicken Invest inzwischen nach Hilden weitergezogen ist. Und die App-Entwickler von readfy, die sogar aus Düsseldorf nach Solingen zogen.

Um zu sagen, ob sich der Aufwand für die Stadt rechnet, dafür sei es noch zu früh, sagt Sven Wagner. Derweil erfreue man sich noch an eher kleinen Erfolgen – wie die beiden Freiberufler, die im Coworkit gelegentlich zusammenarbeiteten, bis sie dort einen dritten Mitstreiter trafen und gemeinsam eine Agentur gründeten, die heute insgesamt zwölf Leute beschäftigt.

Wie es im besten Fall laufen kann, zeigt aber ein anderes Solinger Beispiel: Die Software-Schmiede Codecentric wurde 2005 im GuT gegründet. Heute hat das Vorzeigeunternehmen fast 500 Mitarbeiter an 16 Standorten überall in Europa. „Für uns geht es darum, das nächste Codecentric nicht zu verpassen und auch in Solingen zu halten“, sagt Sven Wagner. Das Original bleibt ihm ohnehin erhalten. Weil der schicke Neubau der Firma in der Nähe des Ohligser Bahnhofs jetzt schon wieder aus allen Nähten platzt, arbeiten Codecentric-Mitarbeiter auch schon mal außerhalb. Natürlich auch im Coworkit.

COWORKING-ANGEBOTE

REMSCHEID Neben der Gründeschmiede (gruenderschmiede.org) gibt es das coWorld (coworld.de) in Lennep.

SOLINGEN Die Klingenstadt hat das Coworkit (coworkit.de); das Ebbtron (ebbtron.de) und neu das Coworking-Gräfrath (coworking-graefrath.de) zu bieten.

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