Unfallnavi

Start-up möchte Unfall-Geschädigten helfen

Vier der derzeit 15 Köpfe hinter dem Start-up Unfallnavi (v. l.): Fatih Dogan, Pierantonio Tassone, Hanno Jamroszczyk und Hyuntaek Anton Ohu.
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Vier der derzeit 15 Köpfe hinter dem Start-up Unfallnavi (v. l.): Fatih Dogan, Pierantonio Tassone, Hanno Jamroszczyk und Hyuntaek Anton Ohu.

Rechtsdienstleister Unfallnavi verspricht kostenlose Unterstützung.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Auf den Schock folgt die Unsicherheit. Was gilt es, als Geschädigter eines Autounfalls zu beachten? „Die Unwissenheit ist groß“, sagt Hanno Jamroszczyk. Diesen Umstand, zeigt sich der Jurist überzeugt, nutzt die Versicherung des Unfallgegners systematisch aus. Er berichtet von Kürzungsstrategien und Schadenssteuerungspotenzialen. Die Folge für Betroffene: Sie erhalten nicht die Summe, die ihnen zustünde. Das möchte Jamroszczyk ändern. Deshalb hat er 2020 mit Dr. Pujan Ziaie und Pierantonio Tassone in Solingen Unfallnavi (Eigenschreibweise: UNFALLNAVI) gegründet.

Die Vision des Rechtsdienstleisters: „Wir sorgen dafür, dass Geschädigte gerecht behandelt werden.“ Gelingen soll das mit der Kombination juristischer Expertise und Technologie. Dreh- und Angelpunkt ist ein Online-Portal. Dieses ermöglicht laut Unternehmensangaben, die Ansprüche der Kunden durchzusetzen – zu hohem Grad automatisiert.

Diese haben die Option auf eine kostenlose Erstberatung. Das Unfallnavi-Team gibt an, die gesamte Organisation rund um den Fall zu übernehmen. Digital ist es möglich, die nötigen Vollmachten zu erteilen und den Status des Prozesses zu verfolgen. Zudem arbeitet das Start-up mit 25 Partnern in Nordrhein-Westfalen zusammen, die auf der Plattform aufgeführt werden. Dazu zählen Gutachter, Werkstätten und Mietwagen-Anbieter.

Die Unterstützung bei der Schadensregulierung bietet Unfallnavi kostenfrei an. Die Dienstleistung zahle nicht das Unfallopfer, sondern die gegnerische Versicherung. Dazu sei sie rechtlich verpflichtet, führt Hanno Jamroszczyk aus. Er bekräftigt das Versprechen, mit dem das Start-up auf seiner Internetseite wirbt: „Wir kümmern uns selbst um das Geld, für unsere Kunden entstehen keine Kosten.“ Diese Zusage gelte, auch wenn sich die Versicherung querstellt.

Dass die Geschädigten erhalten, was ihnen zusteht, sei eines der Ziele der Gründer, erklärt Pierantonio Tassone. Er ist bei Unfallnavi für die Bereiche Marketing und Strategie zuständig, während Hanno Jamroszczyk das juristische Wissen mitbringt und Pujan Ziaie die nötigen IT-Kenntnisse. Der zweite wichtige Aspekt sei Aufklärung. Für Tassone wird das Problem an einem Beispiel deutlich: „Viele Geschädigte rufen nach einem Unfall ihre eigene Versicherung an, obwohl die gar nichts mit der Sache zu tun hat.“ Diese Unwissenheit werde ausgenutzt.

Die Idee für Unfallnavi kam Hanno Jamroszczyk während seines Jura-Studiums an der Universität zu Köln. Seinerzeit half er in auf Versicherungs- und Verkehrsrecht spezialisierten Kanzleien aus. Dort machte der 34-Jährige zwei Beobachtungen. Zum waren viele zur Schadensregulierung nötigen Aufgaben repetitiv. Zum anderen stellte er fest, „dass Versicherungen die Leistungen für Anspruchsinhaber systematisch kürzen“.

Wir sorgen dafür, dass Geschädigte gerecht behandelt werden.

Hanno Jamroszczyk, Gründer

Aus diesen Erkenntnissen entstand der Plan für Unfallnavi, den ein Freund Jamroszczyks in seiner Master-Arbeit ausformulierte. Im Keller seines Elternhauses gründete der Solinger das Start-up 2020, im Januar 2021 wurde der erste Fall abgewickelt.

Seitdem legt das Unternehmen ein durchaus bemerkenswertes Wachstum hin. Inzwischen zählt es 15 Mitarbeiter im Solinger Co-Working-Space Coworkit. Das Team wickelt mehr als 100 Fälle pro Monat ab. Das genüge, damit sich der Betrieb selber tragen kann. Doch die Gründer wollen mehr. In der Vergangenheit wurden sie von den Unis in Wuppertal und Köln, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem EXIST-Förderprogramm des Bundes gefördert. Mit zusätzlichen externen Mitteln ist geplant, Marketing und das Partner-Netzwerk auszubauen sowie die digitalen Abläufe zu verbessern. Dafür konnte das Unfallnavi-Team prominente Unterstützung gewinnen: Mirko Novakovic, Gründer der erfolgreichen IT-Unternehmen Codecentric und Instana, investiert in das Start-up.

Hanno Jamroszczyk hat beide Staatsexamina abgelegt, ist Inhaber einer Rechtsanwaltskanzlei in Gräfrath. Warum entscheidet sich jemand aus dieser Position heraus, ein Legal-Tech-Unternehmen zu gründen? „Ich sehe die Chancen“, sagt der 34-Jährige. Sein Vater, ein ITler, vermittelte ihm einen Eindruck, welche Potenziale die Digitalisierung für Juristen bietet. Doch aus Sicht des Solingers stehen klassische Kanzleien vor einem Problem: Ihnen fehlen häufig das Know-how sowie die finanziellen Mittel, die Technologien zu nutzen. Das sei vor allem gegenüber Versicherungen, die datengetrieben mit komplexen IT-Systemen arbeiten, ein Nachteil. Deshalb sagt er: „Ich sehe einen riesigen Markt für Rechtsdienstleister.“ Zumal diesen Jamroszczyk zufolge juristisch immer mehr Spielraum eingeräumt wird. Vor der Gründung von Unfallnavi habe er sich die Legalität des Angebots von Prof. Martin Henssler bestätigen lassen. Er ist Direktor des Kölner Instituts für Anwaltsrecht.

Unfallnavi möchte expandieren, sein Team aufstocken – in Solingen. „Hier ist unsere Heimat“, betont Hanno Jamroszczyk. Der Geschäftsführer gesteht ein, dass noch ein weiterer Grund für das Bergische Land spricht: seine strategisch günstige Lage im Ballungsraum zwischen Rheinland und Ruhrgebiet. In keinem anderen Teil Deutschlands gibt es so viele Einwohner auf so engem Raum. Und wo viele Menschen leben, passieren viele Unfälle.

Team

15 Mitarbeiter zählt Unfallnavi derzeit. Das Team besteht unter anderem aus Juristen, Programmierern, Betriebswirten und Marketing-Spezialisten. Mit vielen von ihnen war Hanno Jamroszczyk bereits vor der Gründung befreundet. „Das erleichtert die Zusammenarbeit“, sagt der Geschäftsführer.

www.unfall-navi.de

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