Solinger Unternehmen erlebt Boom

Saunabauer gehören zu den Gewinnern der Krise

Tanja Metzger steht für die zweite Generation der Herbes Holz GmbH. Ihr Vater Uwe Herbes ist seit 1973 Saunabauer. Der Sitz des Familienunternehmens ist an der Mangenberger Straße in Solingen. Dort ist neben der Werkstatt ein kleiner Showroom zu finden. Foto: Christian Beier
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Tanja Metzger steht für die zweite Generation der Herbes Holz GmbH. Ihr Vater Uwe Herbes ist seit 1973 Saunabauer. Der Sitz des Familienunternehmens ist an der Mangenberger Straße in Solingen. Dort ist neben der Werkstatt ein kleiner Showroom zu finden.

Rund 20 000 Saunas der Herbes Holz GmbH sind deutschlandweit im Einsatz.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Ein Luxusgut verkaufen, das so teuer wie ein Kleinwagen ist? Inmitten einer Pandemie mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen? Tanja Metzger machte sich im Frühjahr des vergangenen Jahres keine Illusionen. „Ich dachte, wir fallen in ein ganz tiefes Loch“, sagt sie mit Blick auf die Firma Saunabau Bergisch Land. Tatsächlich machte es zunächst den Anschein, als sollten sich ihre Befürchtungen bewahrheiten: Einige Kunden sprangen zu Beginn der Corona-Krise ab. Doch das entpuppte sich lediglich als kurzfristiger Trend. Das Solinger Familienunternehmen blickt auf eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre seiner Geschichte zurück. Und die Nachfrage reißt nicht ab.

„Wir haben ein Umsatzplus von 30 Prozent“, erzählt Uwe Herbes. Der Schreiner hatte 1973 die Idee, in der Klingenstadt einen Saunabaubetrieb zu gründen. Was aus einer Laune heraus in einer Garage begann, hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Rund 20 000 Saunas der Herbes Holz GmbH sind deutschlandweit schätzungsweise in Betrieb, der Großteil davon im Bergischen.

„Eine Sauna gehört nicht in den Keller.“

Tanja Metzger, Saunabau Bergisch Land

In jeder stecken rund 50 Arbeitsstunden. Und jede ist eine Einzelanfertigung. Das ist Tanja Metzger wichtig: „Wir bauen von Grund auf jedes Detail so, wie es sich der Kunde wünscht.“ Deshalb ist am Firmensitz an der Mangenberger Straße neben einem Büro und einer kleinen Ausstellung auch eine Produktion zu finden. Fünf gelernte Schreiner sorgen dort Schritt für Schritt dafür, dass aus Massivholz-Blockbohlen Saunas werden.

Schlecht lief das Geschäft in den vergangenen 48 Jahren selten. Seit dem Frühjahr 2020 boomt es aber regelrecht. „Die Leute können nicht in die öffentliche Sauna, nicht in den Urlaub. Da investieren sie ihr Geld lieber ins Eigenheim“, sagt Metzger. Die Warteliste reicht inzwischen bis August.

Im Trend liegen insbesondere Gartensaunas. Die sind eine gute Alternative, wenn im Haus nicht ausreichend Platz zur Verfügung steht. Oder im Außenbereich bereits ein Pool vorhanden ist.

Bei vielen Neubauten sind heutzutage dagegen bereits in den Plänen Saunas vorgesehen – im Badezimmer. Bis vor zehn Jahren war das noch anders, erinnert sich Uwe Herbes. Seinerzeit sahen noch viele den Keller als richtigen Standort an. „Da gehört eine Sauna aber eigentlich nicht hin“, sagt Tanja Metzger. Es brauche die Nähe zum Nassbereich.

Den Luxus in den eigenen vier Wänden lassen sich die Kunden des Solinger Unternehmens etwas kosten. Der Grundpreis liegt bei rund 7000 Euro. Er kann bis auf eine mittlere fünfstellige Summe ansteigen, je nach Zubehör. „Wie beim Auto“, sagt Metzger schmunzelnd. Die Innen- und Außenverkleidung, Verglasung, eine integrierte Musikanlage, besondere Beleuchtung – der Fantasie sind bei den Extras kaum Grenzen gesetzt. Der neueste Trend sei Zirbenholz, dem eine beruhigende Wirkung attestiert wird.

Die Firma Saunabau Bergisch Land gehört zu den wirtschaftlichen Gewinnern der Corona-Krise. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Firma nicht auf gewerbliche Kunden, die derzeit nicht öffnen dürfen, angewiesen ist. Früher arbeitete sie unter anderem mit dem Remscheider H2O, dem inzwischen geschlossenen Letho Bad in Solingen und der Düsseldorfer Bädergesellschaft zusammen. „Für solche Aufträge sind wir heute zu klein“, sagt Tanja Metzger. Das kommt dem Unternehmen nun zugute.

Senior-Chef Uwe Herbes sieht den Betrieb für die Zukunft gut gerüstet. Zwar ist mit Tochter Tanja Metzger bereits die zweite Generation ins Geschäft eingetreten. Dennoch mischt der 78-Jährige noch mit. Das Geheimnis seiner Fitness? Wie könnte es anders sein: „Ich gehe oft in die Sauna.“

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