Unternehmen des Jahres

Lutz Blades möchte weiter wachsen

Alexander Lutz in der Empfangshalle von Lutz Blades am Piepersberg – in der Produktionshalle dürfen keine Fotos gemacht werden.
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Alexander Lutz in der Empfangshalle von Lutz Blades am Piepersberg – in der Produktionshalle dürfen keine Fotos gemacht werden.

Das „Unternehmen des Jahres“ beim Bergischen Zukunftspreis besteht seit 100 Jahren.

Von Björn Boch

Solingen. Wer die Produktionshalle von Lutz Blades am Piepersberg betritt, könnte meinen, dass es sich um das begehbare Modell einer Firma handelt. Ja, ein bisschen laut ist es. Aber sehr hell und freundlich. Hohes Dach, viel Tageslicht, Platz zwischen den Produktionsstraßen. Und sauber. Ohne die betriebsamen Geräusche, die beim Stanzen, Schleifen und Härten von Klingen entstehen, könnte man meinen, das alles sei nicht echt.

Etwa 1500 Standard- und rund 500 Spezialklingen stellt Lutz Blades her. Hier zu sehen sind Entgrateklingen.

In dieser Halle, das wird bei der Führung sofort klar, wurde nichts dem Zufall überlassen. „Wir haben das bis ins Detail mit einem Fabrikplaner entworfen“, berichtet Firmenchef Alexander Lutz. Produktionsstraßen, die miteinander arbeiten oder aufeinander folgen, liegen in unmittelbarer Nähe. Die Mitarbeiter, die bei Problemen helfen und defekte Maschinen reparieren, sind um die Ecke. Nebenan, nur durch eine Tür getrennt, sitzen Ingenieure, die neue Maschinen entwickeln.

Das Lager grenzt direkt an. „In diesen Zeiten bin ich besonders froh, dass wir es ausreichend groß geplant haben“, sagt Alexander Lutz. Ausbleibende Lieferketten sind ein Problem, wenn auch kein so großes wie in manch anderem Industriezweig. Was mit daran liegt, dass sich Lutz Blades breit aufgestellt hat. Automobil- und Textilindustrie, Medizintechnik, Verpackungs- und Lebensmittelfirmen sind nur einige Beispiele, bei denen die Klingen von Lutz Blades aus unterschiedlichen Materialien im Einsatz sind.

Die Firma ist bislang gut durch die Krisen der jüngsten Zeit gekommen. Und hat im 100. Jahr ihres Bestehens – rund zwei Jahre nach dem Umzug von der Wuppertaler Straße an den Piepersberg – den Bergischen Zukunftspreis erhalten. Lutz Blades möchte dort weiter wachsen – und wird das auch können. Zum Grundstück gehört eine Erweiterungsfläche. „Am vorherigen Firmensitz waren die Hallen zu klein, die Maschinen hatten keinen Platz mehr. Das hier war eine Sprunginvestition, das hat Ketten gesprengt“, sagt Alexander Lutz.

„Das hier war eine Sprunginvestition, das hat Ketten gesprengt.“

Alexander Lutz über den Umzug an den Piepersberg

Schon seine Großeltern haben vor 100 Jahren Klingen geschliffen, als Lohnschleifer. Die Liewerfrau brachte unfertige Klingen und holte fertige ab. Eine typische Solinger Firmengeschichte. Seine Eltern, erzählt Lutz, hätten Klingen als junges Ehepaar nach dem Krieg in allen Facetten hergestellt. Zigaretten und Rasierklingen waren die Zahlungsmittel damals. Der Vater hatte bald 140 Konkurrenten, die „irgendwas mit Klingen“ gemacht haben. „Es folgte ein ruinöser Preiskampf, am Ende blieb nichts mehr hängen.“ In den 50er Jahren feierte die Firma Erfolge mit einem Maniküreset, in den 70er Jahren kamen die Baumärkte und mit ihnen neue Produkte.

Es gebe eine Grundfunktion, sagt Lutz: Alles müsse vom Großen zum Kleinen – seien es Stoffe, Papierbahnen oder Verpackungen. Deshalb die vielen verschiedenen Einsatzgebiete. Lutz verkauft vor allem an Firmen, die wiederum Produkte herstellen, „b2b“ also, „business to business“. Mit Lutz-Produkten kommen Endverbraucher nur selten direkt in Berührung.

Dennoch merken sie auch am Piepersberg, dass die Menschen das Geld zusammenhalten. Im Frühjahr sei hoffentlich das Schlimmste überstanden, aber es gebe eine Zurückhaltung bei Investitionen. Aktuell überlege auch Alexander Lutz, welche gerade sein müssten – und welche verschoben werden können. Nicht zuletzt, um die Jobs von 180 Mitarbeitern am Solinger Standort und weiteren an einem Sitz in Nysa in Polen nicht zu gefährden. „Damit gehe ich offen um. Zuerst profitiert der Kunde davon, dann die Standorte selbst. Aber der Hauptsitz und Motor der Entwicklung ist hier in Solingen.“

Einer der Standortvorteile in Deutschland sei die Verfügbarkeit von Expertise. Die Hochschulen sind in der Nähe, die Kunden und die Infrastruktur. „Das sind Vorteile, die müssen wir erhalten.“ Alexander Lutz legt viel Wert auf einen guten Umgang mit den Mitarbeitern, die das Kapital der Firma seien. Ihm ist wichtig, dass der Besucher versteht, „wie wir ticken“. Was für eine Verpflichtung es ist, Klingen als Werkzeug herzustellen, die im Verborgenen arbeiten, aber lange halten müssen. „Und zwar jedes einzelne Teil.“ Damit andere Maschinen funktionieren.

Lutz will jungen Menschen Ausbildungen ermöglichen, damit sie dieselbe Chance erhalten, wie er sie erhalten hat. Auch da will er neue Wege gehen. Er plädiert: „Wir sollten uns untereinander austauschen und Auszubildende und Experten gegenseitig in andere Firmen schicken. Davon profitieren alle.“

Hintergrund

Firma: 370 Mitarbeiter beschäftigt Lutz Blades, davon knapp die Hälfte am Solinger Sitz. Rund 1500 unterschiedliche Standardklingen stellt das Unternehmen her, hinzu kommen rund 500 Spezialklingen nach Kundenanforderungen.

Preis: Die Bergische IHK, die Handwerkskammern Wuppertal-Solingen und Remscheid, die Volksbank im Bergischen Land sowie Westdeutsche Zeitung, Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger vergaben 2022 erstmals den Bergischen Zukunftspreis in drei Kategorien. Lutz Blades wurde „Unternehmen des Jahres“. Den „Preis für das Lebenswerk“ erhielt der frühere Rektor der Bergischen Universität, Prof. Dr. Lambert T. Koch. Das Remscheider Start-up Coachingspace ist die „Gründung des Jahres 2022“.

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