Energiekrise und Inflation

Industrie stehen schwierige Zeiten bevor

Seit der vergangenen Woche steht Ralf Zimmermann an der Spitze des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren.
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Seit der vergangenen Woche steht Ralf Zimmermann an der Spitze des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren.

Ralf Zimmermann führt den Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren an. Er fordert Unterstützung für die Branche.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Ralf Zimmermann hat das Ruder in komplizierten Zeiten übernommen. Seit vergangener Woche ist er Vorsitzender des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren (IVSH). Die für die Klingenstadt wichtige Branche bekommt die Auswirkungen der Energiekrise und Inflation deutlich zu spüren – die Nachfrage geht zurück, die Kosten steigen. „Wir brauchen unbürokratische Unterstützung und Planbarkeit“, betont der 59-Jährige. Dafür möchte er sich bei den politischen Entscheidungsträgern einsetzen.

Bei der IVSH-Versammlung in Lübeck fiel die Wahl auf Ralf Zimmermann. 50 der rund 90 Mitglieder waren in der Hansestadt vertreten. In Solingen ist Zimmermann unter anderem als Chef der Gesenkschmiede Otto Röhrig bekannt. Seit 2017 ist er Teil des IVSH-Vorstands, nun steht er an der Spitze des Verbandes. Er tritt die Nachfolge von Hartmut Gehring an, der das Amt nach fünf Jahren zur Verfügung gestellt hatte. Normalerweise stehen alle drei Jahre Vorstandswahlen an. „Es gibt viele neue Themen, weshalb der Wechsel nun sinnvoll erschien“, erklärt Ralf Zimmermann.

„Wenn wir keine Hoffnung hätten, wären wir schlechte Unternehmer.“

Ralf Zimmermann, IVSH-Vorsitzender

Gleichzeitig lobt er die Arbeit seines Vorgängers. Der 59-Jährige möchte daran anknüpfen. Das gilt zum einen für die Zusammenarbeit mit Förderern und Partnern wie dem Tüv Rheinland, der Remscheider Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe sowie dem europäischen Verband der Kochgeschirr- und Besteckhersteller.

Als weitere Aufgaben gibt Zimmermann an, neue IVSH-Mitglieder an die Arbeit im Vorstand heranzuführen. Zudem möchte er die Stärke des Verbandes in der Kommunikation mit der Politik ausspielen. „Wir finden Gehör bei Entscheidungen, die unsere Mitglieder betreffen“, betont Jens-Heinrich Beckmann. Der IVSH-Geschäftsführer zeigt sich zufrieden mit der Wahl Zimmermanns. Dass nun ein Zulieferer die Vereinigung führe – ein Novum – unterstreiche dessen Selbstverständnis als Industrieverband. Zimmermann ist gut vernetzt – er gilt als einer der wichtigsten Rohwarenlieferanten der Schneidwaren- sowie chirurgischen Industrie.

Die Branche kämpft derzeit an mehreren Fronten. Preissteigerungen seien für die Unternehmen kein grundsätzlich neues Thema, stellt Ralf Zimmermann klar. Ungewöhnlich an der aktuellen Situation sei vielmehr die Ballung: „Nichts bleibt gleich im Preis, nichts wird billiger.“ Stahl, Ersatzteile und Zubehör, Logistik, Energie – als Kosten entwickeln sich zulasten der Firmen, teils erheblich.

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Vor allem mit Blick auf die Energieversorgung kritisiert Zimmermann die politischen Entscheidungsträger. Weltweit gebe es nur eine Nation mit Gasumlage: Deutschland. Die hohen Energiekosten seien ein Standortnachteil: „Das leistet der Verlagerung von Produktion in ferne Länder Vorschub.“ Auch bei der versprochenen Entlastung für die Wirtschaft stellt Zimmermann „eine Fülle handwerklicher Fehler“ fest: „Alles, was in Deutschland geschieht, ist ein bürokratisches Monster.“

Nicht nur auf der Kostenseite haben die Betriebe zu kämpfen, auch in Sachen Nachfrage. Die Geschäftslage habe sich „in fast allen Bereichen deutlich verschlechtert“, berichtet der IVSH. Das Jahr 2021 war noch erfolgreich, mit mehrheitlich zweistelligen Zuwächsen. Der Gesamtumsatz lag bei rund 2,5 Milliarden Euro.

2022 startete für die Schneidwaren- und Besteckunternehmen gut, wohingegen sich im Bereich Haushalts-, Küchen- und Tafelgeräte früh ein Minus abzeichnete. Dieser Trend habe inzwischen auch die Solinger Traditionsbranchen erreicht, erklärt der IVSH. Gründe dafür seien unter anderem schlechte Abverkäufe im Fachhandel. Zudem sei „eine regelrechte Flaute“ im Online-Geschäft festzustellen.

In der Konsequenz steht die Industrie vor schwierigen Zeiten. Jens-Heinrich Beckmann berichtet von Betrieben, für die Kurzarbeit wieder ein Thema sei, Aufträge würden storniert. Trotzdem betont Ralf Zimmermann, die Branche werde den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wenn wir keine Hoffnung hätten, wären wir schlechte Unternehmer.“ Positiv stimmt ihn, dass die IVSH-Mitglieder „Produkte anbieten, die gebraucht werden, super Marken und einen hohen Bekanntheitsgrad“ haben. Das werde sich auszahlen, wenn sich die wirtschaftliche Situation normalisiert.

Zur Person

Ralf Zimmermann ist geschäftsführender Gesellschafter der Otto Röhrig Gesenkschmiede. Zudem hat er die Edelstahlschmiede Hugo Herkenrath und jüngst die Solinger Firma Otto Rüttgers übernommen. Darüber hinaus ist der 59-Jährige Zimmermann an weiteren Unternehmen beteiligt und Gesellschafter des Handball-Bundesligisten Bergischer HC.

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