Dermanostic

Dieser Hautarzt stellt seine Diagnose per App

Drei Fotos der auffälligen Hautstelle müssen Patienten per App übermitteln. Screenshot: Dermanostic
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Die Solingerin Dr. Estefanía Lang und ihr Mann Patrick haben Dermanostic mit einem befreundeten Ehepaar gegründet.

Solinger Ehepaar gründet eine digitale Dermatologen-Plattform.

Von Moritz Berger

Solingen/Düsseldorf. Irgendetwas ist ja immer. Ein Mückenstich, der nicht gleich wieder abschwillt, oder ein Ausschlag, der nicht aufhört zu jucken. Häufig landen diese Fälle früher oder später beim Hautarzt – meistens später. Immerhin muss man durchschnittlich 38 Tage auf einen Termin beim Dermatologen warten. „Gerade wenn man ein Problem hat, ist das viel, weil man es selbst nicht einschätzen kann“, erklärt Dr. Estefanía Lang.

Drei Fotos der auffälligen Hautstelle müssen Patienten per App übermitteln.

Die Hautärztin bekam deshalb immer wieder Bilder von Freunden geschickt, verbunden mit der Bitte, sich das Problem auf der Haut einmal anzuschauen. Dabei wurde die Hilfe per WhatsApp mehr und mehr gefragt. „Dann ging es los mit: Die Freundin von meiner Freundin hat ein Problem.“ Schließlich habe sie die ganzen Anfragen nicht mehr händeln können, erzählt Lang. Zugleich ist daraus die Idee entstanden, mehr Menschen mit Hauterkrankungen auf rein digitalem Weg zu behandeln. Mit der Gründung von Dermanostic (Eigenschreibweise: dermanostic) im Oktober 2019 nahm die Idee die Gestalt eines Unternehmens an.

Heute ist es wichtig, Probleme direkt zu lösen.

Dr. Estefanía Lang, Hautärztin

Der Slogan „Hautarzt per App“ umreißt dabei das Konzept, das Estefanía Lang mit ihrem Mann Patrick und dem befreundeten Ehepaar Dr. Alice und Dr. Ole Martin entwickelt hat. „Es bietet sich an, die Digitalisierung zu nutzen, weil gerade die Dermatologie ein hochvisuelles Fach ist“, erläutert Estefanía Lang. Deshalb habe man für Dermanostic vor allem eine datenschutzsichere Übertragung sicherstellen und ein Bezahlsystem einrichten müssen.

Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf verspricht eine Diagnose des Hautproblems mit einer Therapieempfehlung in maximal 24 Stunden. So soll es möglich sein, jederzeit und von überall einen Dermatologen zu kontaktieren. Dafür müssen die Patienten mittels der App drei Fotos der betroffenen Hautstelle und einen ausgefüllten Fragebogen an Dermanostic schicken. Im Anschluss untersucht ein Facharzt den Fall, stellt eine Diagnose und kann zudem ein Rezept ausstellen. Letzteres müsse der Patient nur noch digital abrufen oder in der Apotheke vor Ort abholen, erläutert Lang. Für Rückfragen gebe es noch einen Patientensupport, „der auch hilft, wenn noch etwas unklar geblieben ist“.

Im April 2020 – mitten in der ersten Corona-Welle – ist Dermanostic an den Start gegangen. So habe die Pandemie ihrem Unternehmen zu einem guten Start verholfen, berichtet Estefanía Lang, „denn Digitales wurde dadurch einfach besser angenommen“.

Die Hautärztin beschäftigt sich schon länger mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen, zuvor jedoch im Hinblick auf die Lehre. Ein erstes Unternehmen nimmt vor allem die Ärzte in den Blick und stellt komprimiertes Wissen in digitalen Workshops zur Verfügung. Doch auch Patienten profitieren vom digitalen Wandel und dem vermehrten Einsatz von Telemedizin.

Das soll Fehldiagnosen vermeiden

„Heute ist es wichtig, Probleme direkt zu lösen und Informationen schnell verfügbar zu haben“ – dies werde mit Dermanostic erreicht. Gleichzeitig entstehen mit dem Einsatz digitaler Lösungen wie dem „Hautarzt per App“ auch neue Risiken. So könnten wichtige Aspekte für die Diagnose im Digitalen leicht übersehen werden, die weder im Foto zu erkennen sind, noch im Fragebogen Erwähnung finden. Dieser Gefahren ist sich Estefanía Lang bewusst und verweist deshalb auf die Möglichkeit des behandelnden Dermatologen, dem Patienten bei Unklarheiten eine Rückfrage zu stellen. „Erst wenn diese beantwortet ist, stellt der Arzt die Diagnose.“

Zwar könnten manche Fehler bei einer digitalen Behandlung schneller passieren, dennoch seien sie durch ein gut trainiertes Team vermeidbar. Aus diesem Grund „sind unsere Fachärzte darin geschult, genau diese Gefahren zu entdecken“, erläutert Lang. Dabei werden die Patienten ausschließlich von Hautärzten „mit ganz viel Expertise“ behandelt – echten Menschen. „Es gibt keine künstliche Intelligenz, die bei uns Diagnosen stellt“, betont die Solingerin. Zudem würden Patienten vom behandelnden Arzt bei Unsicherheiten an einen niedergelassenen Hautarzt verwiesen.

Vor diesem Hintergrund müsse der Patientennutzen die Risiken stets überwiegen, insbesondere bei telemedizinischen Anwendungen, heißt es dazu von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, kurz DDG. Grundsätzlich seien diese Entwicklungen zu begrüßen und hätten gerade „im Rahmen des Lockdowns ein Instrument zur Reduzierung persönlicher Begegnungen“ dargestellt, um weiter eine hautärztliche Versorgung zu sichern.

Gegenüber dieser Zeitung erklärt die DDG, dass sich bereits früh eine „Dermatologie aus der Ferne“ anbot, da es sich um ein „sehr stark bildorientiertes Fach“ handele. Auch Estefanía Lang versichert, dass „Telemedizin für uns viel einfacher ist als für andere Ärzte“. Deshalb wolle man mit Dermanostic den einfachen Zugang zum Dermatologen möglich machen. Dabei könne auch nicht alles digital geklärt werden. „Aus diesem Grund wollen wir den Hautarzt nicht ersetzen.“

Auszeichnung

Seit April 2020 ist Dermanostic verfügbar und bietet eine hautärztliche Versorgung per App an. Innerhalb von 24 Stunden erfolgt die Diagnose mit Therapieempfehlung durch Fachärzte. Gegründet wurde das telemedizinische Angebot im Oktober 2019 von dem Solinger Ehepaar Dr. Estefanía und Patrick Lang, gemeinsam mit Dr. Alice und Dr. Ole Martin. Für ihr Unternehmen wurden sie im November des vergangenen Jahres mit dem Gründerpreis NRW ausgezeichnet und belegten den 2. Platz. Weitere Informationen gibt es hier:
www.dermanostic.com

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