Internationalisierung als Schlüssel

Böker sucht Investor, um schneller zu wachsen

Carsten Felix-Dalichow hat ehrgeizige Pläne mit seinem Unternehmen.
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Carsten Felix-Dalichow hat ehrgeizige Pläne mit seinem Unternehmen.

Der traditionsreiche Messerhersteller möchte sein Potenzial entfalten.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Carsten Felix-Dalichow malt mit seinen Händen eine Treppe in die Luft. So sei die Heinr. Böker Baumwerk GmbH in den vergangenen Jahren gewachsen. Dann streckt er einen Arm steil nach oben. So soll sich das Traditionsunternehmen zukünftig entwickeln. Das könne nur mit zusätzlichen Ressourcen gelingen. Die soll ein „individualisierter Investorenprozess“ bringen, den Böker gestartet hat. „Wir versprechen uns davon eine deutlich schnellere Hebung unserer vorhandenen Potenziale“, sagt Felix-Dalichow.

2005 hat der 54-Jährige mit seiner Schwester Kirsten Schulz-Dalichow (51) die Verantwortung für die Gruppe übernommen. Seit 1869 steht der Name Böker für Messer aus der Klingenstadt. Das Produktportfolio bilden Klingen für den Outdoor-Bereich, Sammler, Rasur und die Küche. Am Hauptsitz, der Solinger Schützenstraße, arbeiten 90 Personen, 25 sind es im argentinischen Buenos Aires, 15 in Denver (USA). Über alle Standorte hinweg liegt der Jahresumsatz bei etwa 40 Millionen Euro.

Wichtig ist Carsten Felix-Dalichow: Die Suche nach einem Investor sei kein Indikator dafür, dass sich die Firma in Schieflage befindet. Im Gegenteil: „Wir wachsen richtig stark.“ Das führt der 54-Jährige darauf zurück, dass sich Böker auf seine Kernkompetenzen fokussiere und ein eigenes Profil am Markt herausgearbeitet habe. Dieses besteht aus drei Säulen: Tradition, Leidenschaft und Manufaktur.

Der positiven Entwicklung tat auch Corona keinen Abbruch. Vielmehr verschaffte die Pandemie dem Absatz einen Schub. Weil die Kunden nicht in den Urlaub fahren konnten, hatten sie mehr Geld für andere Dinge zur Verfügung – etwa Messer für die Küche und den Outdoor-Bereich.

„Ich werde wahnsinnig, wenn ich sehe, was wir an Potenzial liegenlassen.“

Carsten Felix-Dalichow, geschäftsführender Gesellschafter

Felix-Dalichow rechtet nicht damit, dass Inflation und Energiekrise den umgekehrten Effekt haben. Im niedrigpreisigen Bereich könnten sie sich zwar bemerkbar machen. Diesen bedient Böker mit der Marke Magnum, deren Produkte in China gefertigt werden. Die Mittelklasse deckt Böker Plus ab – die Ideen dafür stammen aus Solingen, die Fertigung erfolgt in Europa, den USA und Asien. Die Flaggschiffe des Unternehmens sind die Marken Böker Solingen und Arbolito. Die Klingen stammen aus Manufakturen in Solingen und Buenos Aires, sind größtenteils hochpreisiger. In diesem Segment geht Carsten Felix-Dalichow nicht von Konsumzurückhaltung aus.

Dass die größtenteils technisch interessierten, vorwiegend männlichen Kunden bereit sind, mehrere Hundert Euro für ein Messer auszugeben, überrascht den 54-Jährigen nicht. „Wir bedienen nicht nur Funktion, sondern Leidenschaft“, sagt er. Und zieht einen Vergleich zu Luxusuhren: „Da geht es auch um mehr als die Zeit.“ Dieses Bedürfnis bedienen die Solinger unter anderem mit Sondereditionen wie Klingen aus Panzerstahl.

Böker vertreibt seine Produkte nicht nur über den Fachhandel, sondern auch direkt an Privatkunden. Alles in allem scheint das Unternehmen gut aufgestellt. Warum suchen Kirsten Schulz-Dalichow und Carsten Felix-Dalichow dann nach einem Investor? „Ich werde wahnsinnig, wenn ich sehe, was wir an Potenzial liegenlassen“, erklärt der 54-Jährige. Luft nach oben sieht er in den Bereichen Produktportfolio, bei den Absatzkanälen, vor allem im Online-Geschäft, sowie in der Internationalisierung. Derzeit sei Nordamerika „der mit Abstand wichtigste Markt“. In den USA und Kanada habe „Boker“ – wie es dort heißt – „richtig Wucht“. Von 2019 bis Anfang 2022 war Carsten Felix-Dalichow vor Ort. Reichlich Potenzial sei Übersee noch vorhanden. Gleiches gelte für Europa und Asien.

Aktuell nicht auf schnelles Wachstum zu setzen, wäre aus Sicht des geschäftsführenden Gesellschafters fahrlässig. Man könne aus einer Position der Stärke verhandeln.

Ein, maximal zwei Partner wünschen sich die Geschwister, eher strategischer Natur als Finanzinvestoren. Ansonsten sei man für vieles offen. Die Suche begleiten externe Experten und der Beirat des Unternehmens. Wichtig sei, dass die Interessenten die Böker-DNA verstehen, mittragen und weiterentwickeln möchten. „Wir steuern den Prozess selbst“, betont Carsten Felix-Dalichow. Und stellt klar: „Der Standort Solingen bleibt erhalten. Böker soll hier wachsen.“

Geschichte

Heinrich Böker war es, der 1869 mit dem Schneidwarenfachmann Hermann Heuser in Solingen den Grundstein für die heutige Unternehmensgruppe legte. Der Gründer entstammt der Remscheider Industriellenfamilie Böker, war der Cousin von Hermann und Robert Böker. Bis heute dient der Kastanienbaum, der im 17. Jahrhundert die Remscheider Handwerkzeug-Fabrik der Familie überschattete, als Firmenlogo des Schneidwarenherstellers.

www.boker.de

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