25 Jahre

Automobilzulieferer feiert Jubiläum in schwierigen Zeiten

Im Solinger Gewerbegebiet Scheuren ist BIA in den vergangenen 25 Jahren sukzessive gewachsen.
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Im Solinger Gewerbegebiet Scheuren ist BIA in den vergangenen 25 Jahren sukzessive gewachsen.

Trotz Krise blickt der Automobilzulieferer BIA optimistisch in die Zukunft.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Es begann mit einer Insolvenz. Nachdem die Solinger Firma Hammesfahr in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht war, hielt zunächst Happich den Betrieb aufrecht. Doch bald suchte die Wuppertaler Gruppe einen neuen Eigentümer für die Unternehmensbereiche Thermoplasten und Galvanik. „Das haben wir in der Nachbarschaft mitbekommen“, erinnert sich Jörg Püttbach. Wenige hundert Meter entfernt arbeitete er Mitte der 1990er Jahre als technischer Leiter bei Biacchessi, der 1964 eröffneten Firma seines Vaters. Mit Andreas Fiedler gründete er eine Gesellschaft und schloss den Deal ab. Genau 25 Jahre ist das her. 60 Mitarbeiter zählte der Betrieb seinerzeit. Heute ist BIA einer der größten Arbeitgeber Solingens, weltweit hat die Gruppe rund 1800 Mitarbeiter.

1996 gründeten Jörg Püttbach (Foto) und Andreas Fiedler den Automobilzulieferer, der heute einer der größten Arbeitgeber Solingens ist.

Vorbestimmt war dieser Weg nicht unbedingt. Denn Biacchessi war auf die Oberflächenbeschichtung von Metallelementen spezialisiert. Bei BIA ging es auch um Kunststoffspritzguss, also das Herstellen der zu veredelnden Teile. Hinzu kam ein großer Investitionsstau – Ersatz für die beiden maroden Galvanikanlagen musste her. „Die ersten Jahre waren wirklich schwierig“, bekennt Jörg Püttbach.

Bis heute ist der 56-jährige Galvanotechniker und -meister geschäftsführender Gesellschafter der Gruppe, die derzeit sieben Standorte unterhält. Neben Solingen sitzt BIA in Forst und Steinach. In Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wurden zudem Werke in der Slowakei und China aufgebaut. Eine neue Produktionsstätte in Mexiko nimmt derzeit den Betrieb auf.

Wie war diese Entwicklung für ein vor der Übernahme unprofitables Unternehmen möglich? „Wir haben den Mitarbeitern gezeigt, dass wir gekommen sind, um zu bleiben. Das hat die Motivation gesteigert und Identität geschaffen“, sagt Püttbach. Heute stehe BIA für Verbundenheit und Teamgeist, die Atmosphäre im Betrieb sei familiär.

Wir glauben an die Zukunft des Unternehmens.

Jörg Püttbach, geschäftsführender Gesellschafter der BIA-Gruppe

Doch im Jubiläumsjahr könnte die Stimmung im Gewerbegebiet Scheuren besser sein. Die Corona-Pandemie hat dem Automobilzulieferer zugesetzt. Nun sorgen Lieferketten-Probleme dafür, dass für die Belegschaft an einem Wochentag Kurzarbeit angesagt ist. „Die Halbleiter-Krise ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Püttbach. Die Kosten für Löhne und Material und die zunehmende Regulatorik zu managen, seien zentrale Herausforderungen. Designtrends erschweren die Situation zusätzlich: Bei einigen Kfz-Marken sind Chrom-Bauteile, auf die BIA spezialisiert ist, momentan weniger gefragt als vor einigen Jahren.

18 Millionen Euro hat BIA vor wenigen Jahren in ein neues Logistikzentrum und ein modernes Verwaltungsgebäude investiert.

Durchaus gebe es deshalb Bestrebungen, den Betrieb unabhängiger von der Automobilindustrie zu machen. Doch das sei leichter gesagt als getan: Die Anforderungen der Autobauer an ihre Zulieferer seien so hoch, dass BIA andere Branchen kaum zu dort gängigen Preisen beliefern kann. Nichtsdestotrotz gebe es immer wieder entsprechende Versuche, etwa im Bereich Haushaltswaren.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigt sich Jörg Püttbach optimistisch: „Wir glauben an die Zukunft des Unternehmens.“ Diese Aussage unterstreicht er mit dem Hinweis auf große Investitionen in „Zukunfts- und Umweltthemen“ in der jüngeren Vergangenheit. Vor wenigen Jahren hat die Gruppe rund 18 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum sowie ein modernes Verwaltungsgebäude am Standort Solingen investiert. Für eine ähnliche Summe entsteht derzeit eine neue Galvanikanlage, die ohne problematische Stoffe wie Chrom-VI auskommt. Vorgesehen ist, dass sie im ersten Quartal des kommenden Jahres den Betrieb aufnimmt.

Voraussichtlich im ersten Quartal 2022 nimmt eine neue Galvanikanlage den Betrieb auf. Sie kommt ohne problematische Stoffe wie Chrom-VI aus.

Bewährt sich die Technologie, sollen auch die drei übrigen Galvaniklinien in Solingen überarbeitet werden. „In neue Maschinen, Automatisierung und Digitalisierung investieren wir ohnehin laufend“, erklärt Jörg Püttbach. Darüber hinaus hat sich sein Unternehmen das Ziel gesetzt, bis 2025 klimaneutral zu arbeiten.

„Es ist wichtig, in schwierigen Zeiten mutig zu handeln“, ist Püttbach überzeugt. Mit dieser Devise möchte sich BIA von der Konkurrenz absetzen, um von der Marktkonsolidierung, die der 56-Jährige in den kommenden Jahren erwartet, profitieren zu können.

Hintergrund

Die BIA-Gruppe zählt rund 1800 Mitarbeiter in sieben Niederlassungen. Größter Standort ist mit rund 850 Beschäftigten der Stammsitz Solingen. Das Unternehmen ist auf die Herstellung galvanisierter Kunststoffteile für die europäische und internationale Automobilindustrie spezialisiert. Neben den Gründern Jörg Püttbach und Andreas Fiedler bilden Dr. Markus Dahlhaus und Danny Kelm die Geschäftsführung. Püttbachs ältester Sohn Jonas (27) ist als Produktionsbereichsleiter bei BIA tätig.

www.bia-group.com

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