Sie sind die Schnittstelle zwischen Künstler und Musik

Christian Clausen ist Geschäftsführer der Kluge Klaviaturen GmbH. Seit 2007 produziert das Unternehmen in Remscheid. Foto: Michael Schütz
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Christian Clausen ist Geschäftsführer der Kluge Klaviaturen GmbH. Seit 2007 produziert das Unternehmen in Remscheid. Foto: Michael Schütz

Remscheider Firma Kluge ist einer von zwei Klaviatur-Herstellern in Deutschland

Von Peter Klohs

Remscheid Martha Argerich, Lang Lang oder Billy Joel gehören in die erste Reihe der weltweit tätigen Pianisten. Die großen Stars der Branche haben zumeist Exklusivverträge mit den namhaftesten Klavierherstellern: Steinway, Bösendorfer, Bechstein und andere. Ein Piano wäre nichts ohne die Tasten, die Klaviatur. Einer von zwei in Deutschland ansässigen Herstellern von Klaviaturen hat seinen Sitz in Remscheid: die Kluge Klaviaturen GmbH an der Straße Alten Pulvermühle.

Das Unternehmen wurde 1876 von Hermann Kluge in Wuppertal-Barmen gegründet und entwickelte sich rasch zu einem der renommiertesten Klaviaturenherstellern. Die Kluge GmbH ist das älteste und traditionsreichste Unternehmen in der Branche. Geschäftsführer Christian Clausen fügt dem gerne hinzu: „Wir sind traditionsreich, wollen jedoch nicht traditionell sein. Der neueste Stand der Technik ist für uns mehr als wichtig.“

„Wir sind traditionsreich, wollen jedoch nicht traditionell sein.“

Christian Clausen, Geschäftsführer der Kluge Klaviaturen GmbH

Bis 2007 verblieb das Unternehmen in Wuppertal, zog dann nach Remscheid. „Die Stadtentwicklung in Wuppertal kam uns nicht entgegen“, berichtet Clausen, „aber wir wollten in der Nähe bleiben.“

Ende der 1990er Jahre führte Hans-Georg Narath erfolgreich das Unternehmen, fand jedoch keinen Nachfolger und bot Steinway & Sons (| Kasten) das Werk zum Kauf an. Der 1853 in New York gegründete Pianohersteller akzeptierte und ist seitdem der Mutterkonzern von Kluge Klaviaturen. Nach wie vor wird das Unternehmen als eigenständige GmbH geführt, die verschiedene Hersteller von Klavieren und Flügeln beliefern, die allesamt in der vordersten Reihe ihrer Zunft platziert sind.

Kluge Klaviaturen beschäftigt 35 Mitarbeiter im Remscheider Werk und 16 weitere in einer kleineren Werkstätte in Polen. Die Herstellung einer erstklassigen Klaviatur ist ein komplexer Vorgang. Die Wahl des Holzes für den Tastenkörper spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Halbtonvarianten und die Stifte und Piloten. Christian Clausen erklärt: „Wir nehmen ein spezielles Holz für den Tastenkörper, das die richtigen Schwingungseigenschaften mitbringt. Der Pianist muss die Vibrationen spüren können. Wir verarbeiten ein besonderes Fichtenholz.“ Die Halbtontasten, die schwarzen, hochstehenden Tasten auf der Klaviatur, könne man aus verschiedenen Materialien herstellen: aus hochwertigen Kunststoffen oder aus Ebenholz. Piloten nennt man die Verbindungsstücke zwischen Taste und der darüberliegenden Mechanik, die aus Messing gefertigt werden. „Die Mechanik sieht kompliziert aus. Im Prinzip ist es aber einfach: Eine Taste funktioniert wie eine Wippe“, sagt Clausen.

Eine Klaviatur mit den 88 Tasten eines Klavieres kann auf Wunsch von Kluge auch einbaufertig geliefert werden. CNC-Fräsmaschinen der neusten Generation warten nur auf Arbeit. „Auf Wunsch ist fast alles machbar“, verspricht der Geschäftsführer. Beim Rundgang durch die Fertigungshalle zeigt sich die Komplexität der Arbeit. Hier werden die Rahmen getrennt, dort liegen schon beinahe fertige Klaviaturen, manche noch unbearbeitet, andere bereits in Schwarz und Weiß.

Die ruhige Sachlichkeit der Mitarbeiter fällt auf. Allerhöchstes Qualitätsniveau erfordert Konzentration. Wenn die Klaviatur eines Herstellers bekannt ist, geht Kluge von einer Lieferzeit von drei bis vier Wochen aus. Sollte man die Herstellung von der Anfrage eines Pianoherstellers bis zu Auslieferung benennten, geht Clausen von drei Monaten aus.

Er und seine Mitarbeiter sind stolz auf ihre Arbeit und den erstklassigen Ruf, den sie in der Branche genießen. „Wir stellen die Schnittstelle zwischen Künstler und Musik her“, sagt Geschäftsführer Clausen. „Wir sorgen für das haptische Gefühl der Pianisten. Und ein Teil von so etwas Schönem zu sein, ist ein tolles Gefühl.“

Steinway & Sons

Die Firma Steinway & Sons hat ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert. 1797 kam Heinrich Engelhard Steinweg in Wolfshagen im Harz zur Welt. Laut Angaben des Unternehmens baute er im Alter von 20 seine ersten Saiteninstrumente. 1825 gründete er in Seesen eine Werkstatt. Da dort nur die Reparatur von Instrumenten gestattet war, fertigte er im Jahre 1836 seinen ersten Flügel heimlich in der Küche seines Wohnhauses an. Seit 1999 ist die Kluge Klaviaturen GmbH Teil der Steinway-Gruppe.

www.kluge-klaviaturen.de

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