Spezialisten

Tatortreinigung: Sie kommen, wenn andere aufgegeben haben

Kevin Fromm (l.) und Dennis Marker haben eine Firma für Tatortreinigung gegründet, die allerdings voraussichtlich nur selten zu echten Tatorten gerufen wird.
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Kevin Fromm (l.) und Dennis Marker haben eine Firma für Tatortreinigung gegründet, die allerdings voraussichtlich nur selten zu echten Tatorten gerufen wird.

Crime Scene Cleaning aus Remscheid hat sich auf Tatortreinigung spezialisiert. Sie rücken nicht nur nach Gewaltverbrechen an – und das bietet Potential, finden die Gründer Kevin Fromm und Dennis Marker.

Remscheid. Wenn Bestatter und Gebäudereiniger aufgeben, ruft man Tatortreiniger. Die Branche ist in Deutschland noch vergleichsweise jung, wächst aber kontinuierlich. Was allerdings nicht, wie es der Name vermuten ließe, an der Zunahme von Gewaltverbrechen liegt, sondern eher an einer gesellschaftlichen Entwicklung. Seit kurzem gibt es eine der immer noch recht seltenen Firmen auch in Remscheid. Im Oktober hat sich die Crime Scene Cleaning UG gegründet.

Hinter dem jungen Unternehmen stecken Dennis Marker und Kevin Fromm. Marker war bereits in diesem Bereich tätig, bringt Know-how und Kontakte mit. Fromm war sein Steuerberater – und erkannte das Potenzial. „Ich glaube schon, dass das Erfolg haben wird“, sagt Kevin Fromm. Der Bedarf sei ja da. Und die Konkurrenzsituation selbst im hiesigen Ballungsraum eher überschaubar.

Also legten die beiden einfach los, schafften ein Fahrzeug und die notwendigen Spezialreiniger und -geräte an. „Die kann man inzwischen ganz normal im Internet kaufen“, berichtet Fromm. Derzeit sei man vor allem dabei, das Angebot in der Region bekannt zu machen und weitere Kontakte zum Beispiel zu Bestattern und Ordnungsämtern zu knüpfen. „Das ist alles noch im Aufbau.“ Selbst das Briefpapier und die Visitenkarten seien erst vor einigen Tagen geliefert worden. „Ein paar kleinere Aufträge haben wir aber schon erledigt.“

Der Beruf kam aus den USA nach Deutschland – und gestaltet sich hier auch etwas anders

Der Beruf des Tatortreinigers fand etwa zur Jahrtausendwende den Weg über den großen Teich nach Deutschland. Allerdings zeigte sich bald ein entscheidender Unterschied: Während die Firmen in den USA tatsächlich häufig zu den Schauplätzen von Verbrechen gerufen werden, um diese zu reinigen, was der Branche ihren Namen gab, sind ihre deutschen Kollegen deutlich häufiger bei unbemerkt Verstorbenen, Messi-Wohnungen und ähnlichem im Einsatz. Die Reinigungstechniken und -mittel, die in beiden Fällen zum Einsatz kommen, sind vergleichbar. So blieb der Name auch im Deutschen erhalten.

Dieses Haupt-Einsatzgebiet erklärt zudem auch, warum dieser Bereich hierzulande erst vor kurzem aufkam, seither aber recht erfolgreich ist. Dass Menschen nach ihrem Tod unbemerkt in ihrer Wohnung liegen, ist ein eher junges Phänomen, das mit Veränderungen in der Gesellschaft zusammenhängt. Familien leben über verschiedene Städte verstreut, persönliche Bindungen nehmen ab, Nachbarschaften werden anonymer – da kommt es schon mal vor, dass das Ableben des Nachbarn erst auffällt, wenn es aus dessen Wohnung streng riecht. Und wenn es schon so weit ist, können eben nur noch Spezialisten helfen.

Der Markt für einen Tatortreiningungsdienst ist da

Man sei ohne allzu große Erwartungen gestartet, sagt Kevin Fromm, der Crime Scene Cleaning als weiteres Standbein neben seiner eigenen Steuerberatungskanzlei betreibt. „Mir ist ja klar, dass wir nicht nächstes Jahr 50 Mitarbeiter haben.“ Aber das Investitionsrisiko sei gering. „Und wenn sich die Firma erstmal von alleine trägt, ist das doch auch okay.“

Die Entscheidung, in die Branche einzusteigen, sei in erster Linie eine sachliche gewesen, sagt Fromm. Für die Dienstleistung sei einfach ein Markt da. Ein bisschen spiele aber auch sein persönliches Interesse eine Rolle, gibt er zu: „Ich finde das Thema wirklich spannend.“ Eine Leiche habe er bisher noch nicht gesehen, sagt er. „Ich weiß auch nicht, wie ich darauf regieren würde.“

Doch geplant sei ohnehin, dass er den administrativen Bereich übernehme, während sich Dennis Marker mit seiner Frau Nadine um den operativen Teil kümmern. Später dann mit weiteren Angestellten. Dass die Branche auch in Zukunft noch wachsen wird, darüber sind sich Experten einig. Auch ganz ohne Gewaltverbrechen.
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