Industrie 4.0

Die Säge meldet sich, bevor sie kaputt geht

Die Blecher-Sägeblätter sind teils größer als sie selbst, aber Farangis Rezaei sorgt mit Digitalisierung dafür, dass sie zukünftig seltener kaputt gehen. Foto: Blecher
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Die Blecher-Sägeblätter sind teils größer als sie selbst, aber Farangis Rezaei sorgt mit Digitalisierung dafür, dass sie zukünftig seltener kaputt gehen.

Ingenieurin Farangis Rezaei von der FGW bringt die Industrie 4.0 ins Bergische, mal im großen, mal im kleineren Maßstab.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. An einer Säge gibt es eigentlich nicht viel zu digitalisieren. Glaubt man der griechischen Mythologie, hat Perdix, der Neffe des bekannten Baumeisters Daidalos, die Säge einst erfunden – deren Prinzip sich seither kaum verändert hat. Farangis Rezaei hat trotzdem einen Ansatz gefunden. Die Ingenieurin der Remscheider Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe (FGW) arbeitet zusammen mit dem Sägeblatthersteller Blecher und anderen Instituten am Forschungsprojekt „SmartCut“. Und bringt so die Industrie 4.0 ins Bergische.

Farangis Rezaeis Aufgabe ist es, teils schon überstrapazierte Begriffe wie Digitalisierung oder eben auch Industrie 4.0 mit Leben zu füllen. Und sie so für die heimische Wirtschaft nutzbar zu machen. Die 32-Jährige hat einen Master in Luft- und Raumfahrttechnik. Doch statt Raketen zu bauen, heuerte sie bei der FGW an.

Dort beschäftige man sich schon länger mit digitaler Transformation, berichtet sie. „Das ist ein wirkliches spannendes Thema.“ Und eines, das die bergische Industrie nach vorne bringen kann: „Wir digitalisieren ja nicht, um zu digitalisieren, sondern um Abläufe zu verbessern und effizienter zu gestalten.“

Wie bei „SmartCut“, in dessen Zentrum die Kreissägeblätter der Firma Blecher stehen. Mit den zum Teil über zwei Meter großen Ungetümen werden zum Beispiel Metallrohlinge geschnitten, wobei sie sich natürlich abnutzen. „Gehen die Sägeblätter kaputt und bleiben die Maschinen stehen, bedeutet das große Verluste fürs Unternehmen“, erklärt Farangis Rezaei. Will man dem vorbeugen, muss man die Maschinen regelmäßig zur Wartung stilllegen.

Maschine und Sägeblatt sollen „intelligent“ werden

Oder man macht Maschine und Sägeblatt „intelligent“, wie es Farangis Rezaei ausdrückt. Ziel sei es, dass sich die Maschine frühzeitig meldet. „Dann kann man die Zähne nachschärfen, das ist billiger und verringert Standzeiten.“ Um das zu erreichen, greift das Forschungsteam auf verschiedene Daten zurück. Steige zum Beispiel der Stromverbrauch des Antriebs, könnte das ein Anzeichen für Abnutzung sein, so Farangis Rezaei. Zudem würden Sensoren Vibrationen im Sägeblatt messen.

Und nicht zuletzt nutzt man auch die Erfahrung langjähriger Blecher-Mitarbeiter. „Die können hören, wenn eine Maschine kurz davor ist, kaputt zu gehen“, so die Ingenieurin. Gelingt es, das akustische Profil zu identifizieren, könnte man auch dies nutzen.

Gefördert wird „SmartCut“ von der EU, das Projekt kostet rund 2,5 Millionen Euro und ist auf drei Jahre angelegt. Doch es geht auch einige Nummern kleiner, wie ein anderes von Farangis Rezaeis Projekten zeigt, das sie mit dem Remscheider Bohrmaschinenhersteller Arnz Flott realisiert hat.

Dort findet die Endmontage weitgehend von Hand statt, vor allem wegen der vielen verschiedenen Produktvarianten. Möglichkeiten, Abläufe zu digitalisieren, gebe es aber trotzdem genug, ist Rezaei überzeugt. „Wir haben am Anfang kleine Schritte gemacht“, berichtet sie. Auch, um die Mitarbeiter nicht zu schocken.

Bisher gebe es zu jedem Auftrag mehrere Seiten Papier, die mit dem Werkstück durch die Montage wandern, so Farangis Rezaei. So müsse sich jeder Mitarbeiter immer erst die für ihn maßgeblichen Informationen raussuchen. „Außerdem wird das Papier auch schon mal schmutzig und wenn es nach Abschluss des Auftrags archiviert wird, braucht es viel Platz.“

Deswegen sollen die Aufträge zukünftig digital vorliegen. Jeder Mitarbeiter erhält mit seinem Zugang immer nur die für ihn wichtigen Daten, während die Betriebsleitung alles im Blick halten kann. Zudem sinke die Fehleranfälligkeit, so Rezaei. Und flexibler werde man auch: „Einige Aufträge ändern sich noch während der Produktion.“ Statt wie bisher in einem solchen Fall die Mappe zu suchen und darin einige Blätter auszutauschen, genügt bald ein Knopfdruck.

Die Ergebnisse sollen auch anderen Firmen nutzen

Erkenntnisse aus solchen und ähnlichen Projekten sollen möglichst der ganzen Industrie im Bergischen nutzen, betont Farangis Rezaei. „Wir sammeln Erfahrungen und tauschen uns ständig aus“, beschreibt sie die Arbeitsweise der FGW. In jedes neue Projekt würden die Ergebnisse bisheriger Arbeiten einfließen. Für die Unternehmen übrigens meist kostenneutral. Es gebe zahlreiche Fördermöglichkeiten, sagt die FGW-Mitarbeiterin. Das Projekt bei Arnz Flott habe zum Beispiel das Land NRW finanziert.

Und zu tun gibt es für Farangis Rezaei und ihre Kollegen noch genug auf dem Weg zur Industrie 4.0 im Städtedreieck. Firmen, die Interesse an Digitalisierung haben, seien jederzeit willkommen, sagt die Ingenieurin. „Dass wir Projekte ablehnen, weil wir ausgelastet sind, das gibt es bei uns nicht“, sagt sie. „Dafür haben wir immer Kapazitäten frei.“

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