Heizgeräte

Vaillant hat seine Hausaufgaben gemacht

Die Testphase im Remscheider Forschungszentrum haben die Wasserstoff-Geräte verlassen, inzwischen laufen Feldversuche in England, Frankreich, den Niederlanden und auch Süd-Deutschland.
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Die Testphase im Remscheider Forschungszentrum haben die Wasserstoff-Geräte verlassen, inzwischen laufen Feldversuche in England, Frankreich, den Niederlanden und auch Süd-Deutschland.

Remscheider Unternehmen entwickelt Heizgeräte, die teilweise oder ganz mit Wasserstoff betrieben werden können.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Als Bundeskanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck Ende August zum Staatsbesuch in Kanada waren, schaute man auch in Remscheid ganz genau hin. Vor allem im Südbezirk, am Stammsitz des Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik-Spezialisten Vaillant. Die Reise, wahlweise „Energiepartnerschaft für die Zukunft“ (Habeck) oder „Einkaufstour“ (Manager Magazin) betitelt, drehte sich nicht zuletzt ums Thema Wasserstoff. Ein Bereich, in dem auch Vaillant bereits seit Jahren aktiv ist.

Schon im Bericht für das Geschäftsjahr 2020 konnte das Unternehmen vermelden, dass Brennwert-Heizgeräte, die ausschließlich mit Wasserstoff laufen, serienreif seien. Inzwischen befände sich ein solches in Remscheid entwickeltes Gerät in einem Feldversuch in England, berichtet Alexander Schuh, der die Wasserstoffaktivitäten von Vaillant auf dem deutschen Markt koordiniert. Weitere groß angelegte Versuchen gebe es in den Niederlanden und in Frankreich. Und auch in Süddeutschland in Kooperation mit einem großen Energieversorger.

Vaillant mache in diesem Bereich seine Hausaufgaben, sagt Dr. Jens Wichtermann: „Wenn Nachfrage nach solchen Geräten entsteht, werden wir sie liefern können“, betont der Vaillant-Pressesprecher. „Das ist auch unser Anspruch als weltweit größter Hersteller von Brennwert-Heizgeräten.“ Sogar noch einen Schritt weiter sei man bei einer anderen möglichen Nutzung von Wasserstoff zum Heizen: Viele der aktuellen Produkte könnten bereits heute Erdgas mit bis zu 20 Prozent Wasserstoff-Beimischung verarbeiten.

Aktuell liege der Fokus beim Einsatz von Wasserstoff insbesondere auf energieintensiven Industriezweigen und dem Schwerlastverkehr, sagt Alexander Schuh. Doch die Vorzüge des am häufigsten in den Natur vorkommenden Elements kämen auch beim Heinzen zur Geltung. Handelt es sich um sogenannten grünen, also mit regenerativer Energie erzeugten, Wasserstoff, ist er nahezu CO2-neutral, als Verbrennungsrückstand bleibt nur reines Wasser. Zudem ist das Gas gut geeignet, um Energie zu speichern.

Und das bereits vorhandene Leitungsnetz sei weiter nutzbar, erklärt Schuh: „Das sind zusammen rund 500 000 Kilometer Leitungen, 50 Prozent der deutschen Gebäude sind an das Erdgas-Netz angeschlossen.“ Infrastruktur im Wert von vielen Milliarden Euro, die die Energieversorger gerne weiterhin verwenden würden.

Trotzdem liege das Hauptaugenmerk bei Vaillant weiter auf Wärmepumpen, betont Pressesprecher Wichtermann. Vor allem kombiniert mit einer Photovoltaik-Anlage seien die in vielen Fällen die derzeit beste Lösung, klimafreundlich zu heizen. „Aber Wärmepumpen sind nicht überall möglich, zum Beispiel in dicht besiedelten Innenstadtlagen oder in besonders altem Baubestand.“ Und dann komme unter Umständen Wasserstoff oder auch Biogas in Frage.

Denkbar seien Insel- oder Quartierslösungen für begrenzte Bereiche, sagt Alexander Schuh. „Im besten Fall mit vor Ort produziertem Wasserstoff.“ Auch als Hybridlösung, bei der in den Wintermonaten eine kleine Gas-Heizung der Wärmepumpe unter die Arme greift. „Für 2045 rechnen wir mit einem Marktanteil der Wärmepumpen von 50 Prozent“, sagt Schuh. Mit Gasen, darunter auch Wasserstoff, würden dann voraussichtlich nur noch „maximal 30 Prozent“ der Gebäude beheizt.

Wie genau sich das Thema entwickle, hänge auch von politischen Entscheidungen ab, sagt Dr. Jens Wichtermann. Vor allem aber davon, dass die Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff massiv ausgebaut würden, so wie es Kanada mit Windkraft in Neufundland machen will. „Sonst macht das keinen Sinn.“

Hintergrund

Wasserstoff ist Bestandteil sämtlicher organischer Verbindungen, kommt in der Natur aber quasi nie „pur“ vor. Er kann unter anderem durch Elektrolyse gewonnen werden, bei der Wasser in Sauer- und Wasserstoff gespalten wird. Geschieht das mit regenerativer Energie, spricht man von grünem Wasserstoff.

Vaillant geht auf einen 1874 in Remscheid gegründeten Installationsbetrieb zurück. Heute hat das Unternehmen, das sich nach wie vor in Familienbesitz befindet, weltweit etwa 16 000 Mitarbeiter, rund 3100 davon in Remscheid. Zuletzt erzielte man einen Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Euro.

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