Handwerk

Oliver Trapp baut individuelle Holz-Arbeiten für Kindertageseinrichtungen

Oliver Trapp am „Steuer“ seiner Arche, die er für einen Kindergarten in Remscheid-Lüttringhausen angefertigt hat. Fotos: Michael Schütz/ Trapp
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Oliver Trapp am „Steuer“ seiner Arche, die er für einen Kindergarten in Remscheid-Lüttringhausen angefertigt hat. Für andere Kitas entwarf und baute er individuelle Spielhäuser, Garderoben oder auch eine Hochebene passend zum Namen der jeweiligen Gruppe.

Es muss nicht immer gerade sein. Wenn Oliver Trapp etwas baut, sind rechte Winkel eher die Ausnahme.

Von Sven Schlickowey

Für andere Kitas entwarf und baute Oliver Trapp individuelle Spielhäuser, Garderoben oder auch eine Hochebene passend zum Namen der jeweiligen Gruppe.

Remscheid. Was für viele Zimmerer und Schreiner undenkbar wäre, ist bei ihm gewollt. Denn der Remscheider entwirft und baut individuelle Spielgeräte und Kindermöbel aus Holz. Und die sehen so einfach besser aus. Trapps neueste Werk ist eine Spiel-Arche auf dem Außengelände eines Kindergartens in Remscheid-Lüttringhausen, mit Steuerrad und Rutsche. Individuell gestaltet, angepasst an die Geländeverhältnisse vor Ort, und kurz vor Fertigstellung wurden noch einige Änderungswünsche der Kita-Leitung berücksichtigt. „So etwas geht nur, wenn man individuell baut“, sagt Oliver Trapp nicht ohne Stolz.

Mit seinem Angebot ist der 49-Jährige in eine Marktlücke gestoßen. Die Auswahl an Kletterbuden, Spielhäuschen und Rutsch-Türmen fürs Kita-Außengelände auf dem Markt ist groß, doch die Außenmöbel „von der Stange“ sehen alle irgendwie ähnlich aus. Und brauchen in der Regel einen ebenen Untergrund zum Aufstellen. Trapp hingegen baut so, dass es passt und gefällt. Und das, wie er selber sagt, zu einem ähnlichen Preis wie die großen Anbieter.

Für andere Kitas entwarf und baute Oliver Trapp individuelle Spielhäuser, Garderoben oder auch eine Hochebene passend zum Namen der jeweiligen Gruppe.

Inzwischen stehen seine Bauwerke in Kindertagesstätten in Remscheid, Solingen, Wermelskirchen und Radevormwald, aber auch in Willich am Niederrhein und in Bayern. Geplant sei das so eigentlich gar nicht gewesen, gibt Trapp mit Blick auf einen ersten Auftrag vor rund sieben Jahr zu. Vorher hatte er für die Kinder einer Bekannten ein Baumhaus gebaut. Als die sich als Tagesmutter selbstständig machte, bestellte sie Spielgeräte. „Dann ging es los, alles durch Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Ein Kind, das die Tagesmutter besuchte, hatte ein älteres Geschwisterkind in der nahen Grundschule. Nachdem Trapp für die etwas gebaut hatte, meldete sich ein Kindergarten, der von jüngeren Geschwistern anderer Grundschüler besucht wurde. Und so weiter.

Dabei hat Oliver Trapps Ausbildung eher mit „Kies“ als mit Holz zu tun, der Sparkassenfachwirt ist als Kundenberater bei der Remscheider Sparkasse tätig. Inzwischen in Teilzeit, um sich mit einem Mitarbeiter seiner Firma Holztrapp widmen zu können. Die Sparkasse habe ihm das nicht nur ermöglicht, sondern ihn unterstützt, sagt Trapp: „Ein toller Arbeitgeber.“

Die Arbeit mit dem Holz hat er sich selber beigebracht. „Ich konnte mir auch viel bei meinem Vater abgucken“, erzählt er. Von dem habe er zudem „viele unzerstörbare Remscheider Werkzeuge“ geerbt. Trapp ist als Drechsler und Holzspielzeugmacher in die Handwerksrolle eintragen. Als der Beruf wieder unter die Meisterpflicht fiel, genoss er Bestandsschutz.

Für andere Kitas entwarf und baute Oliver Trapp individuelle Spielhäuser, Garderoben oder auch eine Hochebene passend zum Namen der jeweiligen Gruppe.

Ziel seiner Arbeit sei es immer, Design mit Funktionalität zu verbinden, sagt Trapp. „Wenn Kita-Gruppen Namen haben, greife ich gerne darauf zurück.“ So sieht die Hochebene in der Drachen-Gruppe wie eine mittelalterliche Burg aus, während die Wölfe eine Höhle für ihr Rudel bekommen. Aus einem Hühnerstall wird ein bergisches Fachwerkhaus. Und die Kita, für die Oliver Trapp derzeit eine Unterstellmöglichkeit für ihre Tretautos baut, darf sich auf eine Tankstelle freuen. „Natürlich mit einer Ladestation für E-Autos.“

Grenzen der Kreativität ergeben sich dabei allerdings aus dem Regelwerk für solche Spielgeräte. „Das teuerste Papier, das ich je gekauft habe“, wie Oliver Trapp sagt. Von der Mindesthöhe der Geländer bis hin zu vorgeschriebenen Spaltmaßen, damit Kinder nicht mit dem Kopf stecken bleiben können, die Vorschriften müssen eingehalten werden, damit das Spielgerät vom Prüfer abgenommen wird.

Dass die Spielgeräte aus dem Hause Holztrapp gerne mal ein wenig windschief daherkommen, rundet die Optik ab. Ist aber gar nicht so einfach, wie Oliver Trapp erklärt. Damit Schrägen und Rundungen harmonisch wirken, brauche es ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und ganz viel Erfahrung. „Manchmal klappt es auf Anhieb“, sagt 49-Jährige. „Aber manchmal muss ich die Latten auch wieder abreißen und neu machen, wenn mir es nicht gefällt.“

Hintergrund

Das Drechslerhandwerk gehört zu den ältesten Handwerken überhaupt, erste Spuren stammen aus dem frühen siebten Jahrhundert. Seit Februar 2020 gilt für das Handwerk wieder die Meisterpflicht, die Firma Holztrapp genießt allerdings Bestandsschutz. Auf seiner Internetseite zeigt Oliver Trapp verschiedene Arbeiten, darunter auch Dekorationsgegenstände und Gartenmöbel aus Holz.

www.holztrapp.de

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