Hindenburgstraße

Remscheider ist der Ölpapst: „Wenn die Leute probieren, haben wir meist schon gewonnen“

Tobias und Jochen Wilcke in ihrem Geschäft an der Hindenburgstraße. Hier können Kunden die Produkte verkosten. Archivfoto: Roland Keusch
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Tobias und Jochen Wilcke in ihrem Geschäft an der Hindenburgstraße. Hier können Kunden die Produkte verkosten.

Jochen Wilcke aus Remscheid ist der Ölpapst. Hauptkunden sind Spitzenköche in halb Europa.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Wer Jochen Wilckes Ladenlokal an der Remscheider Hindenburgstraße betritt, findet dort ein eher überschaubares Bild vor: Links ein Regal, rechts noch eins, dann sind da noch zwei Tische und ein paar Stühle – viel mehr Einrichtung gibt es nicht. Für Wilckes Zwecke reicht das aber allemal aus. Er will mit der Qualität seiner Produkte überzeugen, dafür benötigt er nicht mehr Möbel. „Ich lege großen Wert darauf, dass meine Kunden kosten können“, sagt Wilcke. Das reiche als Verkaufsgespräch meist schon aus. „Wenn die Leute probieren, haben wir meist schon gewonnen.“

Wilcke hat in etwas mehr als 15 Jahren von Remscheid aus einen schwunghaften Handel mit Ölen und Essigen höchster Qualität aufgebaut. In erster Linie beliefert er Spitzenköche, von denen einer ihm auch seinen Spitznamen verpasste, den Wilcke dann zu seiner Marke ausbaute: „Als ich die Küche betrat, rief er: Da kommt der Ölpapst“, erinnert sich der heute 71-Jährige. „Das passte wie die Faust aufs Auge, fand ich.“

Beim Ölpapst gibt es rund 25 Sorten, aber keine Speiseöle

Seit Jahren schon agiert Jochen Wilcke nicht nur unter diesem Namen, auch seine Produkte tragen ihn als Marke. Rund 25 verschiedene hat er im Sortiment, Fruchtessige mit relativ wenig Säuren vor allem und unterschiedliche Öle. „Viel ist das nicht“, gibt er gerne zu. Grundsätzlich gebe es auch noch Speiseöle, die er nicht anbiete, die ins Sortiment aufzunehmen, ergebe aber für ihn keinen Sinn, sagt Wilcke – und nennt Avocadoöl als Beispiel: „Alles, was ich da bisher probiert habe, schmeckt nach nichts.“ Und habe deswegen keinen Mehrwert für seine Köche. „Es muss schmecken, sonst brauche ich es nicht.“

Bis heute sind Sterne- und andere Spitzenköche die Hauptkundschaft des Ölpapst, seine Produkte bietet Jochen Wilcke aber auch längst über einen Online-Shop und seit fast vier Jahren vor Ort in Remscheid an. „Ich mag die Konfrontation mit dem Endkunden“, sagt er selber. Gleichwohl gebe es zwischen Profis und Hobby-Köchen gewisse Unterschiede. „Wenn ein Spitzenkoch meine Essige probiert, hat er sofort viele Ideen, wie er den Geschmack in seine Menüs einbauen kann.“ Amateure bräuchten da schon ein paar Anregungen mehr.

Aus Himbeeressig wird ein sommerliches Dressing, Kürbiskernöl passt zu Rucola

Zum Beispiel, wie man aus dem Himbeeressig mit nur 3,5 Prozent Säure ein sommerliches Dressing zaubern kann. Oder dass das Kürbiskernöl perfekt zu Rucola passt, ganz ohne Essig übrigens. Oder auch dass das Limonenöl, für das bei der letzte Pressung von Oliven ganze Limonen zugegeben werden, ein toller Begleiter zum Fisch ist. Wilcke: „Da braucht man dann keine Zitrone mehr.“

Inzwischen ist Wilckes Sohn Tobias ins Geschäft eingestiegen, zusammen wollen sie unter anderem das Endkunden-Geschäft ausbauen. Regelmäßig sind die beiden auf Koch-Events zu Gast, wollen zukünftig auch eigene veranstalten. Das Geschäft mit der Sterne-Gastronomie läuft zudem weiter. Wer einmal bei ihm bestelle, komme fast sicher wieder sagt Wilcke. Und bleibe auch bei eventuellen Wechseln treu. Als Holger Jackisch zum Beispiel nach drei Jahren als Chefkoch im Londoner Savoy-Hotel Anfang des Jahres ins schweizerische Waldhaus Flims wechselte, nahm er die Essige und Öle aus Remscheid einfach mit. „Inzwischen hat sie auch die Geschäftsleitung probiert“, sagt Jochen Wilcke. „Und man ist begeistert.“

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