Energiekrise gemeinsam angehen

Hersteller für Panzerketten regt Austausch innerhalb der bergischen Wirtschaft an

Auf DST-Ketten fahren bis zu 70 Tonnen schwere Fahrzeuge mit bis zu 90 Stundenkilometern durchs Gelände. Die Herstellung ist naturgemäß sehr energieintensiv. Geschäftsführer Musbah Al-Mansour möchte sich dazu mit anderen Firmen austauschen.
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Die Herstellung der Ketten ist naturgemäß sehr energieintensiv.

Musbah Al-Mansour geht es wie vielen Firmenlenkern im Bergischen aktuell, er sorgt sich um die Energieversorgung seines Unternehmens.

Von Sven Schlickowey

Auf DST-Ketten fahren bis zu 70 Tonnen schwere Fahrzeuge mit bis zu 90 Stundenkilometern durchs Gelände.

Remscheid. Seine Defence Service Tracks GmbH (DST) verbraucht nicht nur - wie die meisten metallverarbeitende Betriebe in der Region - Gas und Strom in großen Mengen, an den beiden Standorten in den Stadtteilen Vieringhausen und Lüttringhausen entstehen auch Produkte, die spätestens seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine enorm an Bedeutung gewonnen haben: DST ist der größte europäische Hersteller von Panzerketten.

Gemessen an den Gesamtkosten eines Panzers sei die Kette ein vergleichsweise günstiges Teil, sagt Al-Mansour. „Aber ohne die Kette steht der Panzer still.“ Und ohne DST gibt es keine neuen Ketten. Denn obwohl die Bauteile aus Stahl und Gummi für allerhöchste Belastungen ausgelegt seien, müssten sie regelmäßig getauscht werden, erklärt der Geschäftsführer. Bei einem Leopard 2, mit mehr als 300 Fahrzeugen das Rückgrat der gepanzerten Streitkräfte der Bundeswehr und in elf weiteren Ländern im Einsatz, halte die Kette etwa 4000 bis 6000 Kilometer. Entsprechend häufig brauchen die Armeen also Nachschub.

„Es muss ja nicht jeder für sich nach Auswegen suchen.“

Musbah Al-Mansour, DST

„In meinen Augen sind wir systemrelevant“, sagt Musbah Al-Mansour, der zusammen mit Andreas Bellscheidt ein Geschäftsführer-Duo bei DST bildet, deswegen. Doch Anfragen beim Bundesverteidigungsministerium und der Bundesnetzagentur hätten ergeben, dass das Unternehmen genauso behandelt wird wie weite Teile der Industrie: Kommt zu wenig Gas an, soll, wer kann, auf andere Energieträger umstellen. Reicht das nicht aus, müssen Anlagen abgeschaltet werden.

Geschäftsführer Musbah Al-Mansour

Man arbeite daran, für einen solchen Notfall eine Art Sonderstatus zu bekommen, berichtet Al-Mansour. DST, 1940 als Backhaus KG in Remscheid gegründet und bis 2015 unter dem Namen Diehl bekannt, gehört seit einigen Jahren zum Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann. Nun suche man das Gespräch mit der Politik vor Ort, sagt der Geschäftsführer: Ingo Schäfer, SPD-Abgeordneter für Remscheid und Solingen im Bundestag, war schon zu Besuch in der Firmenzentrale, ebenso dessen CDU-Kollege Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion, und der Remscheider CDU-Landtagsabgeordnete Jens Nettekoven, selber Bundeswehr-Offizier.

Doch DST will mehr tun. Man suche auch direkt nach praktischen Lösungen, sagt Al–Mansour - und regt deswegen einen Austausch unter den Remscheider Unternehmen an, die ähnliche Probleme haben. Gerne unter Vermittlung des Oberbürgermeisters und unter Teilnahme von IHK, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. „Es muss ja nicht jeder für sich nach Auswegen suchen“, sagt er. „Vielleicht hat jemand eine Idee, von der wir auch profitieren können. Oder ich habe einen guten Vorschlag für andere.“

Denkbar sei vieles, sagt der Diplom-Kaufmann. Zum Beispiel, indem man die Landwirtschaft vor Ort einbinde. Ein Mitarbeiter habe die Idee entwickelt, dass betroffene Unternehmen zusammen mit den Remscheider Stadtwerken und Bauern aus der Region eine Biogasanlage bauen, berichtet Musbah Al-Mansour. So könne man unabhängiger von Energieimporten werden.

Denn der Energiebedarf einer Industriestadt wie Remscheid bleibe wohl auch in Zukunft hoch, meint Al-Mansour. Bei DST zum Beispiel werde der Bedarf eher noch größer: „Wir wachsen ordentlich.“ Der Umsatz steige. Und auch die Zahl der Beschäftigen. War die nach Ende des Kalten Kriegs von über 1000 auf weit unter 200 gefallen, beschäftige DST inzwischen wieder etwa 300 Mitarbeiter.

Ein Grund: Es wird wieder mehr in Rüstung investiert. Und das inzwischen auch mit der Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung, wie Al-Mansour feststellt. Die Ankündigung der Bundesregierung, 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr zu stecken, habe bei vielen Menschen zu einem Umdenken geführt: „In der öffentlichen Wahrnehmung kommt die Rüstungsindustrie langsam raus aus der Schmuddelecke.“

Hintergrund

Die 1940 gegründete Firma Backhaus arbeitete nach dem Krieg in der Instandhaltung alliierter Panzerfahrzeuge, nach der Übernahme durch das Nürnberger Unternehmen Diehl 1959 begann man, eigene Ketten zu entwickeln. 2015 wurde der Geschäftsbereich an Krauss-Maffei Wegmann verkauft.

Auf DST-Ketten fahren bis zu 70 Tonnen schwere Fahrzeuge mit bis zu 90 Stundenkilometern durchs Gelände. Die Herstellung ist naturgemäß sehr energieintensiv. Geschäftsführer Musbah Al-Mansour möchte sich dazu mit anderen Firmen austauschen.

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