E-Mobilität

Akku-Produktion: Großer Erfolg mit besonders dünnen Metallfolien

Ralf (l.) und Noel Schnöring zeigen eine der Maschinen, mit der die extrem empfindlichen Folien transportiert und geschnitten werden. Die Remscheider Firma profitiert von den Anstrengungen der europäischen Automobilindustrie, eigene Akku-Produktionskapazitäten aufzubauen. Foto: Roland Keusch
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Ralf (l.) und Noel Schnöring zeigen eine der Maschinen, mit der die extrem empfindlichen Folien transportiert und geschnitten werden. Die Remscheider Firma profitiert von den Anstrengungen der europäischen Automobilindustrie, eigene Akku-Produktionskapazitäten aufzubauen.

Robust aus Remscheid liefert Maschinen für die Produktion von Akkus für die E-Mobilität.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. In der Theorie ist der Aufbau eines Akkus recht einfach: Zwischen der positiven Anode und der negativen Kathode fließen Elektronen, ein dazwischen verbauter Separator verhindert den Kurzschluss. Doch wie so oft ist das in der Praxis deutlich komplexer. Auch weil diese beiden Elektroden in modernen Stromspeichern aus extrem dünnen Metallfolien bestehen, die nur schwer zu verarbeiten sind. Genau das Richtige für den Remscheider Sondermaschinenbauer Robust.

Das bald 100 Jahre alte Unternehmen, einst gestartet in einer Garage im Stadtteil Lüttringhausen, baut heute vor allem Maschinen, die Folien auf- und abwickeln und dabei auch gleich schneiden. Meist als Sonderanfertigungen für die besonders komplizierten Fälle. „Der Entwicklungsaufwand ist gigantisch“, sagt Geschäftsführer Ralf Schnöring.

Dank dieses Know-how profitieren die Remscheider inzwischen vom E-Auto-Boom, vor allem von Plänen, in Europa große Akku-Produktionen aufzubauen. Man habe zuletzt mehrere Bestellungen aus diesem Bereich erhalten, berichtet Noel Schnöring. bei Robust im Vertrieb tätig.

Aufgabe dieser Maschinen ist es, der Akku-Produktion die dünnen Metallfolien und den ebenso dünnen Separator zu zuführen und zu schneiden. „Die sind gerade mal sechs My dick“, sagt Noel Schnöring. „Die muss man nur angucken, dann reißen die.“ Zum Vergleich: Selbst ein menschliches Haar ist bis zu 100 Mal dicker.

Und auch der Zuschnitt birgt seine Tücken: Bleibt nach dem Schnitt der Metallfolien nur ein mikroskopisch kleiner Grat stehen, kann der die Separatorfolie zwischen den Elektroden beschädigen. Und so einen Kurzschluss auslösen. Gelöst hat Robust das Problem mit besonderen Schnittgeometrien und speziellen Maschinenmesser. „Da arbeiten wir mit Sondermessern, die wir zum Teil selber herstellen“, erklärt Noel Schnöring.

Neben Folien für Batterien wickeln und schneiden Maschinen aus dem Hause Robust auch Fußbodenmaterial und Anti-Rutsch-Matten, Kunstleder für die Autoindustrie oder Dämmstoffe. Je nach Anforderung auch verschiedene Materialien nacheinander auf einer Maschine, von einer wenige Millimeter dünnen Folie bis zu einem mehrere Zentimeter dicken Isolierschaum. Über die Jahre habe sich die Firma einen guten Ruf erworben, sagt Noel Schnöring. So kämen immer wieder Kunden mit ganz neuen Projekten auf sie zu. „Sonst wäre ja auch langweilig.“

Das laufende Jahr sei eines der besten in der Firmengeschichte, sagt der Vertriebler. Die Auftragsbücher seien voll. Die Belegschaft wurde zuletzt deutlich aufgestockt, auf jetzt 65 Mitarbeiter. Zudem steht ein Anbau der Produktionshalle an. Auch dank des Vorhabens der Autoindustrie, eigene Akkus zu bauen.

Dafür benötigte die Firma allerdings einen langen Atem. Die erste Maschine für die Akku-Produktion habe man bereits vor 13 Jahren ausgeliefert, erinnert sich Geschäftsführer Ralf Schnöring. Damals habe die Bundesregierung das Thema mit enormen Subventionen angeschoben. Trotzdem entwickelte sich der Bereich anfangs nur langsam. „Erst die letzten vier, fünf Jahre ist da wieder Bewegung reingekommen.“

Eine Maschine für eine koreanische Uni gebaut

Und sollte die von den Autoherstellern angekündigte Massenproduktion von Akkus kommen, ist Robust vermutlich auch wieder raus aus dem Thema. Als Sondermaschinenbauer liefern die Remscheider in erster Linie Test- und Versuchsanlagen. Für die Serienproduktion in dem notwendigen Umfang sei man einfach zu klein, sagt Ralf Schnöring.

Dafür ergeben sich an anderer Stelle immer wieder neue Ansätze. Manchmal auch da, wo man sie nicht vermuten würde. Vor über einem Jahr zum Beispiel entwickelte und baute Robust eine Maschine für eine koreanische Uni, die eine Folie für hochrealistische 3-D-Hologramme verarbeiten kann. Was für die Hochschule eher eine Spielerei in der Forschung ist, führte für Robust zu einem Auftrag für einen schottischen Automobilzulieferer. Der will die Augmented Reality, also die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, ins Auto-Cockpit bringen. Und die Folien dafür laufen durch Maschinen aus Remscheid.

Hintergrund

Der Markt für E-Fahrzeuge boomt – auch dank einer entsprechenden Förderung. Nachdem die Zulassungsstatistik zwischen 2003 und 2008 jeweils nur im zweistelligen Bereich lag, übersprang der Wert 2011 zum ersten Mal die 2000er-Grenze, 2017 waren es schon mehr als 25 000 Fahrzeuge und 2020 fast 200 000. Für 2021 vermeldet die Statistik 355 961 Zulassungen.

Die Industrie reagiert auf diesen Boom: Ford hat zum Beispiel angekündigt, eine Milliarde Euro am Standort Köln zu investieren. VW will nach eigenem Bekunden bis 2030 sechs große Fabriken in Europa errichten, um dort Batteriezellen zu produzieren. Zwei Standorte stehen demnach schon fest: Skellefteå in Schweden und Salzgitter im Südosten Niedersachsens.

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