Automobil-Zulieferer

Mehr Komfort im Auto sorgt für mehr Umsatz

Edscha produziert an 24 Standorten Scharniersysteme für nahezu alle Autohersteller. Geschäftsführer Torsten Greiner (o.l.) blickt optimistisch in die Zukunft. Personalleiter Peter Laerberg (u.r.) berichtet von den Herausforderungen durch Corona. Fotos: Edscha/Doro Siewert/Arndt Gockisch
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Edscha produziert an 24 Standorten Scharniersysteme für nahezu alle Autohersteller.

Remscheider Automobilzulieferer Edscha sieht in der Transformation der Branche Chancen

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Remscheider Automobil-Zulieferer Edscha hat die Corona-Krise genutzt, um sich neu aufzustellen. Und blickt nun durchaus positiv gestimmt in die Zukunft. „Wir sind Optimisten“, sagt Geschäftsführer Torsten Greiner. In der Transformation der Auto-Branche lägen für Edscha zahlreiche Chancen, ist er überzeugt. Rückblickend auf die frühe Phase der Corona-Pandemie muss er aber auch zugeben: „Da ging es um die nackte Existenz.“

Der Produktionsstopp in nahezu allen Autowerken weltweit im zweiten Quartal 2020 habe das Unternehmen mit „einer Brutalität, die ich nicht kannte“ getroffen, erinnert sich Greiner. „Da ging es nur noch ums Cash-Management, wir haben alle Register gezogen.“ Dabei habe sich vor allem das Kurzarbeitergeld als wichtiges Instrument erwiesen.

Nicht nur deswegen sagt Personalleiter Peter Laerberg: „Da hat die Politik einen guten Job gemacht.“ Was er so aber auch für die eigene Firma in Anspruch nimmt. „Wir sind kreativ und innovativ durch die Krise gekommen“, fasst er die zurückliegenden Monate zusammen.

Geschäftsführer Torsten Greiner blickt optimistisch in die Zukunft.

Dazu habe vor allem gehört, frühzeitig zu reagieren. So habe Edscha schon am 28. Januar, also nur einen Tag nach Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle in Deutschland, ein Reiseverbot nach China ausgesprochen. Und selbst für den zeitweisen Mangel an Desinfektionsmitteln fand meine Lösung, das wurde einfach selber hergestellt – und „Edscha Sept flüssig“ getauft. „Wenn die Firma in 150 Jahren das 300-Jährige feiert, wird man die Flaschen aus dem Archiv holen und sich darüber wundern, warum die das damals gemacht haben“, prophezeit Laerberg.

Im zweiten Halbjahr 2020 habe sich die Situation verbessert, sagt Geschäftsführer Greiner, über den Jahreswechsel sogar noch mehr: „Der April 2021 war ein richtig guter Monat.“ Die Nachfrage nach Autos sei deutlich angezogen, „was auch ungebrochen so ist“. Doch inzwischen kämpfe Edscha, wie die ganze Branche, mit dem Rohstoffmangel. „Wir erleben bei Stahl und Kunststoff eine extreme Verteuerung“, sagt Greiner. Und durch den Mangel an Halbleitern würden insgesamt weniger Autos gebaut. Und deswegen auch weniger Edscha-Teile benötigt. Im laufenden Jahr liege der Umsatz bei Edscha zwar 30 Prozent über dem Vorjahr, erklärt Torsten Greiner. „Aber auch acht Prozent unter 2019.“

Personalleiter Peter Laerberg berichtet von den Herausforderungen durch Corona.

2022 werde man diese Probleme in den Griff bekommen und weltweit wieder mehr Autos verkaufen, sagt Greiner voraus. Um dafür bereit zu sein, habe man die Zeit genutzt, um Strukturen zu überdenken und sich neu aufzustellen. Inklusive eines Personalabbaus, „ohne betriebsbedingte Kündigungen mit freiwilligen Lösungen“, wie Personalleiter Laerberg betont.

Die Transformation der Branche bietet aus Sicht der Geschäftsleitung mehr Chancen als Risiken für das Remscheider Traditionsunternehmen. Die meisten Edscha-Produkte, vom Türaufsteller bis zur Feststellbremse, benötige ein Auto unabhängig vom Antriebskonzept, sagt Torsten Greiner. Andere Veränderungen ergäben hingegen ganz neue Möglichkeiten.

Weil Elektromotoren nicht mehr wie Verbrenner den ganzen Motorraum einnehmen, würden einige Hersteller inzwischen mit einem Frunk planen. Ein Kofferwort aus Front und Trunk, dem englischen Begriff für Kofferraum. Diesen neu gewonnenen Stauraum wolle man natürlich nicht wie eine Motorhaube öffnen, sagt Greiner. Edscha, führend bei automatischen Systemen für Kofferräume, arbeite bereits an Lösungen.

Auch die vielen neuen Hersteller auf dem E-Fahrzeugmarkt sieht Torsten Greiner positiv: Gerade neue Player würden erfahrene Partner wie Edscha bevorzugen. Und schließlich bleibe noch, auch das unabhängig vom Antrieb, der Wunsch nach immer mehr Komfort im Auto. Edschas neuester Wurf, frisch mit dem Automotive-Innovations-Award ausgezeichnet, ist ein System, das Seitentüren automatisch öffnet. Zur Sicherheit gekoppelt mit der Umfeldüberwachung des Fahrzeugs. Eines der ersten Einsatzgebiete war der neue Rolls-Royce. Doch dass solche Konzepte ihren Weg auch in die Mittelklasse finden, ist in der Regel nur eine Frage der Zeit.

Hintergrund

Edscha, 1870 in Remscheid gegründet und nach Gründer Eduard Scharwächter benannt, gilt als weltgrößter Lieferant für Scharniersysteme in der Automobilindustrie. Vor allem bei Betätigungssystemen (Pedalwerke und Feststellbremsen) und Antrieben zum automatischen Öffnen von Heckklappen gilt das Unternehmen als führend. An 24 Standorten arbeiten rund 5700 Mitarbeiter für Edscha, 2020 erwirtschafteten sie einen Umsatz von etwa 827 Millionen Euro.

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