Werkzeughersteller

Corona: Gedore sieht sich zurück in der Spur

100 Jahre alt wurde Gedore 2019, bereits seit 1926 befindet sich das Stammwerk des Werkzeugherstellers im Remscheider Stadtteil Lüttringhausen. Geführt wird das Familienunternehmen von einer Doppelspitze, der seit Oktober auch Rainer Bröcher (kl. Foto) angehört. Fotos: Michael Sieber (Archiv)/Gedore
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100 Jahre alt wurde Gedore 2019, bereits seit 1926 befindet sich das Stammwerk des Werkzeugherstellers im Remscheider Stadtteil Lüttringhausen. Geführt wird das Familienunternehmen von einer Doppelspitze, der seit Oktober auch Rainer Bröcher (Foto unten) angehört.

Remscheider Werkzeughersteller hat in diesem Monat die Kurzarbeit beendet

Von Sven Schlickowey

Rainer Bröcher

Remscheid. Schwächelnde Absatzmärkte, Probleme mit den Lieferketten, die ausgefallene Internationale Eisenwarenmesse in Köln – Corona ging auch an Gedore nicht spurlos vorüber. Inzwischen sei der traditionsreiche Remscheider Werkzeughersteller aber wieder in der Spur, sagt Rainer Bröcher, der seit Anfang Oktober zusammen mit Suzanne Wahab die Geschäftsführung der Holding bildet. Die leichte wirtschaftliche Erholung, die sich seit dem Herbst abzeichne, setze sich fort. Und so befänden sich seit diesem Monat auch keine Mitarbeiter mehr in Kurzarbeit.

Dabei geholfen hat sicherlich auch, dass Gedore so breit aufgestellt ist. Man liefere nahezu in alle Branchen, sagt Rainer Bröcher: „Das stärkste Branchensegment ist die Industrie, die bisher – zumindest in Deutschland – verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen ist.“ Probleme habe hingegen unter anderem der Handel, darunter auch die Baumärkte, bereitet: „Durch die verschiedenen Lockdown-Maßnahmen, die im Grunde weltweit, wenn auch zeitversetzt stattgefunden haben, ist der Bereich Retail negativ betroffen gewesen.“ Hier gebe es inzwischen aber einen „Umlenkungseffekte Richtung Online-Business“.

Nicht die einzige Veränderung, die Corona bei Gedore verursacht hat. Man habe, nicht zuletzt wegen der ausgefallenen Eisenwarenmesse, schnell gelernt wie man dank digitaler Medien mit Kunden und Partnern im Kontakt bleibe, so Bröcher. So sei es zwar schwierig die Folgen der Messe-Absage zu beziffern. „Das Coronajahr 2020 hat das Wirtschaftsleben so durcheinandergewirbelt, dass wir einzelne Effekte nicht ermitteln können.“ Doch ein Zurück „zu dem alten Normal“ werde es vermutlich nicht geben: „Wir gehen davon aus, dass diese Erfahrungen auch zu nachhaltigen Effekten in einer Postcorona-Zeit führen werden.“

Was quer durch die Republik oder auch über den Atlantik hilft, trotz Pandemie mit Kunden im Gespräch zu bleiben, sorge innerhalb der Firma allerdings für eine „sterileren“ Arbeitsatmosphäre, räumt Rainer Bröcher ein: „Wir haben wo immer möglich, Besprechungen, Workshops wie auch Schulungen in Form von Video-Konferenzen durchgeführt um zumindest eine visuelle Nähe zu ermöglichen“, berichtet er. Ein Ersatz für echten Kontakt sei das aber nicht: „Für uns als Familienunternehmen ist der kontinuierliche Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Dialog untereinander sehr wichtig.“ Trotzdem, ist Bröcher überzeugt, werde man auch nach der Pandemie weiterhin Arbeit im Homeoffice ermöglichen.

Mit Sorge betrachtet Gedore, ähnlich wie nahezu die gesamte Industrie, nach wie vor die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten. Einige Kernindustrien, darunter auch die Stahlhersteller, hätten wegen Corona frühzeitig die Produktion reduziert, berichtet Rainer Bröcher: „Dies führt bei einem Anziehen der Nachfrage jedoch leider zu Versorgungsengpässen.“ Verstärkt worden sei dieser Effekt noch durch den Stau im Suezkanal, der überdies im Nachgang noch für deutliche Preiserhöhungen bei Containertransporten sorgte.

„Wir sehen uns einem Wettbewerb konfrontiert, der teilweise bis zu 100 Prozent seiner Produkte aus Fernost bezieht.“

Rainer Bröcher, Gedore

„Wir sehen uns einem Wettbewerb konfrontiert, der teilweise bis zu 100 Prozent seiner Produkte aus Fernost bezieht“, sagt Bröcher. „Dem Preisdruck, der hieraus resultiert können wir nur mit einer Premium Qualität begegnen, die wir so produktiv wie möglich fertigen.“ Und dafür benötige man qualifizierte wie motivierte Mitarbeiter.

Dem Remscheider Stammwerk komme da eine besondere Bedeutung zu, sagt der Geschäftsführer, nicht nur aus historischen Gründen: Hier sei einst der Grundstein für den internationalen Erfolg von Gedore gelegt worden, deswegen fühle man sich den Menschen im Bergischen gegenüber verpflichtet. „Gleichzeitig ist das Werk Remscheid der größte Produktionsstandort innerhalb der Gruppe und hat einen enormen Einfluss auf unsere Wettbewerbsfähigkeit.“

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