Interview

Rasspe und Omega stehen im Blickpunkt

Frank Balkenhol blickt zuversichtlich auf das Jahr 2017. Archivfoto: Uli Preuss
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Frank Balkenhol blickt zuversichtlich auf das Jahr 2017.

INTERVIEW Das ST sprach mit Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, über das vergangene Jahr und Ziele für 2017.

Von Thomas Kraft

Wie fällt die Bilanz der Wirtschaftsförderung für das Jahr 2016 aus?

Frank Balkenhol: Für ein konjunkturell erneut stabiles Jahr ist die Gesamtbilanz positiv. Die Reaktivierung von Brachflächen schreitet gut voran, insbesondere an den Standorten Rasspe, Omega, Hansastraße und Monhofer Straße. Es gab viele sichtbare Neubauprojekte, wie unter anderem die von Codecentric, Item, KTS, Nippes, Bauer Automotive oder Legewie. Die Gründungsinfrastruktur konnte im Gründer- und Technologiezentrum deutlich verbessert werden und wird erfreulich gut angenommen. Das 3D-Netzwerk haben wir zum stärksten Netzwerk dieser Art in Deutschland ausgebaut. Leider gehören die Entlassungen bei der Firma Edgewell im Jahr 2016 und das Aus bei Grossmann zu den Entwicklungen, die wir auch hinnehmen mussten.

Wie viele Unternehmen kamen neu nach Solingen, wie viele gingen?

Balkenhol: Hier nehmen wir Bezug auf die Eintragungen im Handelsregister und können 30 Sitzverlegungen nach Solingen und 19 Abgänge festhalten – wie in den vergangenen Jahren ein positiver Saldo.

Wie sehen die Zahlen bei den Neugründungen aus?

Balkenhol: Laut Rücksprache mit der Creditreform stehen den knapp 1400 Neuanmeldungen auch Abmeldungen in etwa ähnlicher Größenordnung gegenüber. Der Saldo ist leicht positiv, wie in den vergangenen beiden Jahren. Kürzlich haben wir den ersten „Berg-Pitch“ umgesetzt. Das ist ein direkter Wettbewerb von bergischen Gründern um ihre Produkte. Solingen soll für Gründer deutlich attraktiver werden. Hierin sehen wir ein großes Potenzial. Codecentric hat ja auch einmal bei uns im Gründerzentrum begonnen.

Wie ist aktuell die Nachfrage nach Gewerbeflächen?

Balkenhol: Die Nachfrage ist kontinuierlich da, sie weicht aber von Jahr zu Jahr auch immer mal wieder deutlich ab. Die Nachfrage nach Bestandsgebäuden für gewerbliche Nutzungen ist schon länger größer als das Angebot. Hier denken wir über neue Wege nach, im Sinne von Mietmodellen für gewerbliche Neubauten.

Haben eher Firmen Platzbedarf, die hierher kommen wollen oder die erweitern?

Balkenhol: Im NRW-Vergleich haben andere Städte bei Kriterien wie Gewerbesteuerhöhe, Nähe und Qualität zu und von Autobahnanschlüssen oder Flughafennähe deutlich die Nase vorne. Für Solingen können wir eher Firmen gewinnen, die Fachkräfte im produzierenden Bereich benötigen. Unsere Arbeit konzentriert sich im Wesentlichen auf die Bestandsfirmen, die gerade in den letzten Jahren häufiger Verlagerungs- und Zusammenführungsbedarf hatten. Solingen wächst traditionell eher organisch, aus sich selbst heraus.

Was haben Sie 2016 an Fläche verkauft und wie fällt der Vergleich zu 2015 aus?

Balkenhol: Während wir 2015 mit rund 35 000 m² überdurchschnittlich Flächen verkauft haben, war es im 2016 mit 12.000 m² unterdurchschnittlich. Entscheidend ist, dass wir jederzeit ausreichend Flächen für die Nachfrage der Unternehmen haben.

Welche Erwartungen haben Sie für 2017?

Balkenhol: Gemäß Wirtschaftsplan gehen wir von einem durchschnittlichen Verkauf aus.

„Mehr Gewerbesteuer ohne neue Gewerbegebiete?“, fragte das ST neulich. Wie ist es um den Vorrat bestellt?

Balkenhol: Im Ittertal zeigt sich wieder, wie schwer es ist. Mit unserer Richtungsentscheidung, dass Rasspe-Gelände selbst zu entwickeln, hat sich unsere Strategie erweitert. Rasspe, Omega, Monhofer Straße und auch die Hansastraße zeigen, wie wir künftig parallel zu den möglichen Neuausweisungen das Angebot an Gewerbeflächen sicherstellen wollen. Klar ist, die Revitalisierung von Brachen ist zunächst aufwendiger, komplexer, teurer und nicht rentierlich im Sinne des Grundstücksgeschäftes – aber eben nachhaltiger. Es gilt aber auch: Nur ein ausreichendes Angebot an Flächen ermöglicht Optionen für die Zukunft.

Wann sind erste Ansiedlungen auf dem Rasspe-Areal zu erwarten?

Balkenhol: Das ist davon abhängig, welche Erfordernisse die laufenden Altlastenuntersuchungen aufzeigen und welche Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Wir gehen davon aus, dass ab 2019 mit ersten Ansiedlungen gerechnet werden kann.

Die Wirtschaftsförderung gilt für die Stadt als Verlustbringer. Wie hoch ist das Minus 2016?

Balkenhol: Das Wort „Verlustbringer“ verzerrt irgendwie den Sinn und Zweck, oder? Unsere Wirtschaftsförderung ist eine gewollte Investition der Stadt Solingen – für Unternehmer und Arbeitnehmer in Solingen. Es ist richtig, dass wir im Schnitt seit dem Bestehen der Gesellschaft jährlich etwa 785.000 Euro Zuschuss benötigen. Der größte Teil davon entspricht etwa der Summe, die ohnehin für Personal vorzuhalten wäre, das diese Aufgaben in der Stadt erfüllt. Die Angebote einer Wirtschaftsförderung sind freiwillige Dienstleistungen. Es geht nicht darum, kurzfristig möglichst viel Gewinn zu generieren. Wir können unseren Wert auch nicht allein in Grundstücksverkäufen messen. Unser Verlust für 2016 wird wie geplant bei knapp einer Million Euro liegen.

Was bereitet Ihnen am Wirtschaftsstandort Solingen derzeit am meisten Sorge?

Balkenhol: Dass sich viele Unternehmer noch intensiver mit den Anforderungen des aktuellen Wandels auseinandersetzen müssten. Es ist aber sicher auch nicht einfach, stets für sich und seine Branche zu erkennen, was relevant ist und was nicht. Hier helfen wir.

Was wird 2017 wichtig für die Wirtschaftsförderung?

Balkenhol: Mit Blick auf das Omega-Gelände wünschen wir uns zusammen mit der Familie Evertz und der Stadt gute Fortschritte genauso wie wir uns für das Rasspe-Gelände wünschen, dass wir konkretere Aussagen zur zeitlichen Entwicklung des Geländes bekommen. 

ERSCHLIESSUNG VON GEWERBEGEBIETEN

RASSPE-GELÄNDE Der Aufwand für die Entwicklung der Brache beträgt laut Balkenhol 5 bis 6 Millionen Euro. Dafür gibt es auch umfangreiche Zuschüsse des Landes. Trotzdem werde dieses Projekt die Wirtschaftsförderung zunächst mehr kosten als es ihr einbringe, sagt Balkenhol. Der Erfolg lasse sich nur langfristig messen, wenn Firmen kommen, die Steuern zahlen und Jobs schaffen. Zudem müsse dafür keine Freifläche verbraucht werden.

ANDERE GEBIETE Flächen wie den inzwischen fast vollständig veräußerten Piepersberg hat die Wirtschaftsförderung ganz auf eigene Rechnung entwickelt. An der Hansastraße und an der Monhofer Straße ist das auch so.

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