Familienbetrieb

Die Produktpalette umfasst 5800 Modelle

Seit 1993 ist Petra Krämer Chefin der Krämer GmbH. Ihr Unternehmen beliefert mehr als 600 Kunden mit PVC-Schutzhüllen. Foto: Michael Schütz
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Seit 1993 ist Petra Krämer Chefin der Krämer GmbH. Ihr Unternehmen beliefert mehr als 600 Kunden mit PVC-Schutzhüllen.

Seit 50 Jahren fertigt die Solinger Krämer GmbH Schutzhüllen für Messer, Scheren und Zangen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Eigentlich hatte Petra Krämer andere Pläne. Ihrem Traumberuf Kindergärtnerin konnte ihr Vater aber nur wenig abgewinnen. Stattdessen organisierte er ihr einen Praktikumsplatz bei der Solinger Scherenfabrik K.-R. Witte. Mit gerade einmal 15 Jahren begann sie dort im Anschluss eine Ausbildung zur Industriekauffrau. „Mein Vater war ein Mann alter Schule. Da habe ich nichts geschenkt bekommen“, blickt die 59-Jährige zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Firma der Familie bekam sie nicht etwa übergeben, wie man vermuten könnte: „Er hat sie mir zu einem Preis verkauft, den auch ein Außenstehender hätte bezahlen müssen.“ Geschadet hat das Petra Krämers Unternehmergeist offensichtlich nicht. Der Familienbetrieb besteht in diesem Januar seit 50 Jahren.

„Mein Vater hat mir die Firma zu einem Preis verkauft, den auch ein Außenstehender hätte bezahlen müssen.“ 

Petra Krämer, Firmenchefin

Die Krämer GmbH ist eine der vielen kleinen Firmen, die eng mit der typisch bergischen – insbesondere Solinger – Industrie verbunden sind. An der Katternberger Straße fertigen Krämer, ihre vier Mitarbeiter und eine Aushilfe aus Weich-PVC Schutzhüllen im Flachformat für Scheren, Pinzetten, Zangen, Feilen, chirurgische Instrumente und Messer. Benutzt werden die Hüllen teilweise als Transportschutz. Manche Unternehmen setzen sie ein, damit die Klingen zwischen Produktionsschritten nicht beschädigt werden. Andere geben ihre Produkte damit in den Verkauf.

Die Krämer GmbH hat rund 5800 verschiedene Modelle im Angebot. Die kleinsten sind gerade einmal 2,5 Zentimeter lang, die größten 38. Der Ausgangspunkt ist immer identisch: fabrikneues PVC, das auf 1,4 Meter breiten Rollen in unterschiedlichen Farben angeliefert wird. Bei der Herstellung kommen Hochfrequenz-Schweißmaschinen zum Einsatz. Händisch werden die Verpackungen aus den Schweißbahnen gelöst. Auf Wunsch erhalten sie individuelle Beschriftungen, Prägungen oder Löcher zum Aufhängen.

Die fertigen Hüllen sind Cent-Artikel, weiß Petra Krämer. Über einen Preiskampf macht sie ihr Geschäft nicht. Stattdessen setzt sie auf andere Tugenden: „Am wichtigsten ist, anständige Ware pünktlich und zuverlässig zu liefern.“

Mehr als 600 Kunden schätzen die Arbeit der Krämer GmbH. Darunter befinden sich viele namhafte Solinger Schneidwarenhersteller. In der Klingenstadt macht das Unternehmen den meisten Umsatz. Abnehmer für die Schutzhüllen gibt es mit Remscheid aber auch in der unmittelbaren Nachbarschaft, deutschland- und sogar weltweit. Firmen in den USA, Russland, Lettland und Estland werden etwa beliefert.

Um die Akquise kümmert sich die Chefin selbst – wie um so viele Arbeitsschritte. Petra Krämers Tag, in der Regel ist sie von 5.30 bis 17 Uhr in der Firma, beschränkt sich nicht nur auf kaufmännische Tätigkeiten. Die 59-Jährige sitzt auch selbst an den Maschinen, repariert sie wenn nötig. „Learning by doing“ sei das Motto. Unterstützung bekommt sie immer wieder von ihrem Mann, der als Betriebselektriker bei einem Schneidwarenhersteller arbeitet.

In der Corona-Pandemie hat auch die Krämer GmbH zu kämpfen. Denn wenn Friseure und Gastronomen kein neues Equipment brauchen, sind auch weniger Schutzhüllen nötig. „Wir haben zwar 30 Prozent Umsatzverlust, konnten bisher aber auf Kurzarbeit verzichten“, sagt die Chefin. Sie hofft auf eine steigende Nachfrage, wenn die Krise sich dem Ende neigt. Und peilt für ihr Unternehmen dann wieder ein „gesundes Wachstum“ an.

Zehn Jahre wird sie den Betrieb sicherlich noch fortführen, schätzt die 59-Jährige. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Zwar hat Petra Krämer eine Tochter – die hat aber andere Interessen. „Und das ist auch vollkommen in Ordnung.“

Geschichte

Petra Krämers Tante und Onkel gründeten den Familienbetrieb an der Kronprinzenstraße in Solingen. Als die beiden tödlich verunglückten, übernahm Krämers Vater Dieter den Betrieb. Zum 1. Januar 1993 verkaufte er ihn an seine Tochter.

www.plastik-kraemer.de

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