„Bergische Macher“

Podcast: Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz und Hochwasserschutz

Dr. Andreas Groß ist in der neuen Episode des Podcasts „Bergische Macher“ zu Gast.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Dr. Andreas Groß’ Promotion liegt mehr als 25 Jahre zurück. Doch bereits Anfang der 1990er Jahre beschäftigte er sich an der Bergischen Universität Wuppertal mit der Analyse von Messdaten mittels Künstlicher Intelligenz und neuronaler Prozessoren. Seitdem hat sich viel getan. Die heutige Technologie erlaubt schnelle Datenübertragung, bietet große Speichermöglichkeiten und Rechenleistungen zu einem verhältnismäßig geringen Preis. Dieser Wandel habe die Möglichkeit geschaffen, die Vision von einer Industrie 4.0 Wirklichkeit werden zu lassen. Mit seiner Heinz Berger Maschinenfabrik GmbH & Co. KG macht Groß genau das.

Der 55-Jährige ist in der neuen Folge des Podcasts „Bergische Macher“ zu Gast. In dem Format von Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger kommen erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region zu Wort.
Alle Podcast-Folgen gibt es hier.

Immer wieder ging es in den bisherigen Episoden um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Andreas Groß beschäftigt sich mit dieser Frage tagtäglich. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn von Industrie 4.0 die Rede ist? Darunter, erläutert der Experte, seien intelligente Agenten zu verstehen, beispielsweise Maschinen. Diese werden mit Informationen versorgt, etwa mittels Sensoren. Auf Grundlage dieser Daten trifft der Agent eigenständig Entscheidungen. Untereinander sind die Bestandteile der Anlage vernetzt.

Heinz Berger Maschinenfabrik GmbH & Co. KG entwickelt Projekt mit 33 Robotern

Der Unternehmer berichtet von einem Projekt, das die Berger-Gruppe mit Sitz in der Kohlfurth für WMF umgesetzt hat. 33 Roboter sind dort an der Fertigung von Töpfen und Pfannen beteiligt. Automatisch erkennt das System, welches Werkstück als Nächstes poliert werden muss – und rüstet die Maschine eigenständig innerhalb weniger Minuten um. Zwei Mitarbeiter betreuen die Anlage von der Größe eines Handballfelds. Für diese Innovation erhielt Berger 2018 den renommierten Robotics Award.

Nicht immer stößt es auf Gegenliebe, wenn Andreas Groß von Automatisierungsprojekten berichtet. Dabei gehe es nicht darum, Mitarbeiter aus Fleisch und Blut aus der Produktion zu verdrängen. „Um unsere wirtschaftliche Grundlage zu erhalten, ist es notwendig, intelligente Konzepte für die Zukunft zu entwickeln“, sagt der Vizepräsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Angesichts des Fachkräftemangels und der Konkurrenz durch Niedriglohnländer sei Automatisierung dafür ein Schlüssel. Groß ist überzeugt: „Wenn wir das nicht tun, wird es überhaupt keine einfachen Arbeiten mehr geben, weil wir die Produktion hier nicht halten können.“

Trotz Automatisierung und Künstlicher Intelligenz geht Groß nicht davon aus, dass Menschen aus den Produktionshallen verschwinden. Die Fabrik der Zukunft bestehe aus vielen Zellen miteinander vernetzter Agenten. Verbunden werden diese von fahrerlosen Transportsystemen. Weiterhin seien aber Fachkräfte nötig, etwa Ingenieure und Informatiker, die die Vorgänge im Blick behalten und weiterentwickeln. „Nicht immer ist sinnvoll, was technisch möglich ist“, betont er. Und ergänzt: „Auch einfache Tätigkeiten werden nicht aussterben.“

Von der Kohlfurth aus beliefert die Berger-Gruppe Kunden auf der ganzen Welt

Der Firmensitz befindet sich an der Wupper in unmittelbarer Nähe zur Solinger Stadtgrenze. Im Juli 2021 ist dem Betrieb seine idyllische Lage zum Verhängnis geworden. Beim Hochwasser standen die Fluten in der Produktion bis zu 30 Zentimeter hoch. Groß und sein Geschäftsführer-Kollege Marco Chiesura mussten mit ansehen, wie die Hallen volliefen. Eindrücklich berichtet der 55-Jährige von den Geschehnissen dieser Stunden: „Das werde ich nie vergessen.“ Die Schäden waren erheblich. Auf mehr als 2,8 Millionen Euro beziffert der Geschäftsführer sie. Versichern konnte sich die Berger-Gruppe dagegen nicht.

Andreas Groß möchte seinen Beitrag dazu leisten, dass ein solches Ereignis die Region nicht ein zweites Mal unvermittelt trifft. Deshalb entschied er noch in der Flutnacht: „Wir bauen ein Hochwasserwarnsystem.“ Inzwischen seien 40 Sensoren installiert. Sie sammeln Daten, anhand derer eine KI zukünftig vorhersagen soll, wie hoch die Pegel steigen. An der Entwicklung sind neben der Berger-Gruppe unter anderem der Wupperverband, die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie die Bergische Universität beteiligt.

Andreas Groß ist überzeugt, dass das System funktionieren wird, ähnliche Technologie komme seit Jahren in den Berger-Maschinen zum Einsatz. „Wenn es Künstliche Intelligenz nicht gäbe, hätte man sie für das Hochwasserwarnsystem erfinden müssen.“

Der Podcast

Dr. Andreas Groß ist in der 13. Folge des Formats „Bergische Macher“, dem gemeinsamen Wirtschaftspodcast von Remscheider General-Anzeiger und Solinger Tageblatt, zu Gast. Das etwa einstündige Gespräch und alle vorherigen Folgen sind jederzeit auf den gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes, Deezer und Youtube abrufbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Grillen  mit Solinger Pinzette wie Drei-Sterne-Köche
Grillen mit Solinger Pinzette wie Drei-Sterne-Köche
Grillen mit Solinger Pinzette wie Drei-Sterne-Köche
Assmann Lüdenscheid bringt Talare in die Welt
Assmann Lüdenscheid bringt Talare in die Welt
Assmann Lüdenscheid bringt Talare in die Welt
Umgebauter Panzer rettet Menschenleben
Umgebauter Panzer rettet Menschenleben
Umgebauter Panzer rettet Menschenleben
Auszubildende üben für ihre Koch-Prüfung
Auszubildende üben für ihre Koch-Prüfung
Auszubildende üben für ihre Koch-Prüfung

Kommentare