Produktpiraterie

Plagiatsjagd mit Röntgen und 3-D-Messungen

Plagiarius Klostermann Röntgenbild einer Kaffeekann, Fälschung
+
Plagiarius Klostermann Röntgenbild einer Kaffeekann, Fälschung

Kooperation zwischen der Remscheider Firma Klostermann und der Aktion Plagiarius.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Von außen betrachtet, kann man kaum einen Unterschied zwischen den beiden Thermoskannen ausmachen. Farbe, Form, das ganze Design, alles nahezu identisch. Ein Röntgenbild allerdings macht deutlich: Eine der beiden Kannen ist nicht nur eine plumpe Fälschung, sondern dazu noch von minderer Qualität. Miese Verarbeitung, schlechte Isolierleistung und wenn man Pech hat, bricht unter Belastung der Griff ab.

Seit vielen Jahren schon macht die Aktion Plagiarius auf das Problem von Produktpiraterie aufmerksam. Auf den Schaden für die Original-Hersteller. Aber auch auf den Schaden für die Verbraucher, die statt eines hochwertigen Markenprodukts eine billige Imitation bekommen. Seit kurzem hat der gemeinnützige Verein dabei einen weiteren Pfeil im Köcher. Und der kommt aus Remscheid-Lennep.

Plagiarius Klostermann Röntgenbild einer Kaffeekanne Original

Die Firma Klostermann, Händler und Dienstleister im Bereich Messtechnik, hilft den Plagiatsjägern mit ihrer Kompetenz – und das innen wie außen. Mit 3-D-Messtechnik unterfüttert Klostermann den Eindruck, dass ein Design abgekupfert wurde, mit belastbaren Daten. Und mit Röntgen- und CT-Ergebnissen zeigt man die Qualitätsunterschiede auf, die sonst verborgen blieben.

„Wir haben diese tollen Spielzeuge und wollten sie sinnvoll einsetzen“, erklärt Geschäftsführer Christian Klostermann das Engagement seiner Firma. Hinzu komme eine „Faszination für Qualität“, wie er sagt. „Und ein bisschen bin ich ja auch Spielkind.“ So sei die Kooperation mit dem Verein entstanden.

Und die biete den betroffenen Unternehmen ganz neue Möglichkeiten, erklärt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius. Denn bisher hätten die Firmen oft nur die Möglichkeit gehabt, das Plagiat aufzuschneiden, um reinzuschauen. Teils sei aber nur eine Fälschung vorhanden, so Lacroix: „Und es kann sinnvoll sein, die aufzubewahren, zum Beispiel für einen Prozess.“

Auch ein Kandidat für eine Röntgenaufnahme: Christine Lacroix zeigt Christian Klostermann Original und Fälschung einer Alu-Felge im Solinger Museum. Das Plagiat wies nach kurzer Zeit Risse auf. Foto: wey

Für gerichtlichen Auseinandersetzungen könnten die Unternehmen nun die Daten von Klostermann nutzen: „Wenn es wegen einer Fälschung zu einem Unfall kommt, kann der Hersteller des Originals so beweisen, dass es nicht sein Produkt war.“ Aber auch bei der internen wie externen Kommunikation könnten die Ergebnisse aus Lennep helfen: „Zum Beispiel als Argument, warum das Original mehr kostet.“

Wie das gehen kann, zeigt Christian Klostermann anhand der Röntgenaufnahmen eines Kühlschlauchs aus einzelnen Kunststoffgliedern. Biegt man daraus eine Kurve, behält der Schlauch diese bei, bei Original wie Fälschung. Erst der Blick ins Innere offenbart aber, dass bei dem einen die Kühlflüssigkeit auch bei einer 90-Grad-Kurve nahezu ungehindert weiterfließt. Während sich der Durchfluss beim Plagiat um rund 50 Prozent reduziert. „Die Aufnahmen haben die Vertriebler der Firma in ihren Unterlagen“, berichtet Christian Klostermann.

Die Arbeit der Aktion Plagiarius habe sich seit der Gründung 1977 verändert, sagt Lacroix: „Es werden auch immer mehr technische Produkte gefälscht.“ Viele davon seien sicherheitsrelevant, die Fälschung also unter Umständen gefährlich. „Da können die Bilder von Klostermann helfen, den Otto-Normal-Verbraucher zu erreichen.“ Dessen Gleichgültigkeit und Unkenntnis trage dazu bei, dass Fälschungen ein Milliardengeschäft seien, sagt Christine Lacroix. Umso mehr lohnt sich ein Blick unter die Oberfläche, zum Beispiel bei zwei optisch nahezu identischen Thermoskannen.

Hintergrund

Die Aktion Plagiarius, 1977 vom Designer Rido Busse ins Leben gerufen, seit 1986 ein eingetragener Verein, „ehrt“ jährlich besonders dreiste Produktfälschungen und stellt diese in ihrem Solinger Museum aus: plagiarius.com

Das Röntgenbild zeigt die Unterschiede zwischen dem Original (l.) und der Fälschung, Fachleute erkennen: Die nachgemachte Kanne isoliert nicht so gut und ist schlechter verarbeitet.Fotos: Klostermann

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Einkaufen in Hilden – eine andere Welt
Einkaufen in Hilden – eine andere Welt
Einkaufen in Hilden – eine andere Welt
Trickreiche Geräte erleichtern Alltag
Trickreiche Geräte erleichtern Alltag
Trickreiche Geräte erleichtern Alltag
Insolvenz: Chinesen steigen bei Pfeilring ein
Insolvenz: Chinesen steigen bei Pfeilring ein
Insolvenz: Chinesen steigen bei Pfeilring ein
IT-Unternehmer Novakovic: Zwischen Solingen und Silicon Valley
IT-Unternehmer Novakovic: Zwischen Solingen und Silicon Valley
IT-Unternehmer Novakovic: Zwischen Solingen und Silicon Valley