Kooperation

Die Pläne gehen weit über die Corona-Krise hinaus

Ein Remscheider Team produziert Masken in Wuppertal (v. l.): Jörg Blaschke, Felix Blaschke, Christian Vorbau und Fabian Blaschke. Foto: Sentias
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Ein Remscheider Team produziert Masken in Wuppertal (v. l.): Jörg Blaschke, Felix Blaschke, Christian Vorbau und Fabian Blaschke.

Remscheider gründen Unternehmen, um in Wuppertal FFP2-Masken zu produzieren

Von Sven Schlickowey

Remscheid/ Wuppertal. Wer in Zeiten von Corona nicht nur sein Gegenüber, sondern auch sich selbst schützen will, greift statt zur Stoff- zur FFP-Maske. Wenn er denn kann. Denn die filternden Masken sind in der Krise zu einem raren Gut geworden. Ändern will das nun eine Remscheider-Wuppertaler Kooperation: Christian Vorbau und Felix Blaschke planen, noch in diesem Monat mit der Produktion von FFP2-Masken zu starten. Und zwar in Wuppertal-Cronenberg.

Dafür haben die beiden eigens die Sentias GmbH & Co. KG gegründet – und vor allem zusammen mit einem Unternehmen aus Osteuropa eine eigene Maschine entwickelt. „Die läuft nahezu vollautomatisch“, sagt Felix Blaschke. „An der einen Seite gehen die vorgeschnittenen Vlies-Stoffe rein, am anderen Ende kommt die Maske raus, fertig bedruckt.“ Bis zu 80 000 Masken könne man so am Tag herstellen.

Wir hätten es auch ganz lassen können. Aber dann hätten wir auch die Leute im Stich gelassen.“

Felix Blaschke über den Versuch, Masken aus China zu importieren

So sollen die Verpackung der Masken aus Wuppertal aussehen.

Die Rohstoffe dafür kämen alle aus Deutschland, sagt Christian Vorbau. „Alles außer dem Filtermaterial kaufen wir im Umkreis von 100 Kilometer ein.“ Das garantiere eine hohe Qualität sowie auch eine transparente Wertschöpfungskette. Und einen günstigen Preis, wie Felix Blaschke betont: „Wir sind konkurrenzfähiger als alle China-Importeure.“ Mit deutschen Zertifikaten. Und ganz ohne die üblichen Schwierigkeiten, die es bei Importen aus Asien geben kann, berichtet Blaschke.

Von solchen Schwierigkeiten könnten Vorbau und Blaschke nämlich ein Lied singen. Wochenlang versorgten sie die Städte Wuppertal, Essen und Leverkusen sowie andere Abnehmer mit aus China importierten Masken. Angefangen habe das mit einer Anfrage einer TV-Produktionsfirma, berichtet Christian Vorbau, im Hauptberuf Chef einer Veranstaltungs- und Werbeagentur. „Die brauchten dringend FFP-Masken für einen Dreh.“

Also rief er bei Felix Blaschke an, der seit einigen Jahren ein eigenes Büro Hongkong unterhält, unter anderem um Werbemittel aus China zu importieren. Eine Zeit lang sei es gut gelaufen, sagt Felix Blaschke. Einige hunderttausend Masken konnten sie so liefern. „Aber dann bekamen wir Probleme mit der Lieferkette.“ Vor allem als die USA anfing, Masken im großen Stil aufzukaufen. „Da haben sich unglaubliche Szenen abgespielt: Wenn um 10 Uhr Übergabe der Ware vor der Fabrik vereinbart war und man war um fünf vor nicht da, waren die Masken einfach weg.“

Statt aufzugeben, entwickelten Blascke und Vorbau einen Plan, eine „komplett deutsche Lösung“, wie es Blaschke ausdrückt. „Wir hätten es auch ganz lassen können“, sagt er. „Aber dann hätten wir auch die Leute im Stich gelassen.“ Schließlich hätten sich viele Abnehmer, zum Beispiel Wuppertals Kämmerer Johannes Slawik, auf sie verlassen.

Ihren Teil zu diesem Plan trugen auch Felix Baschkes Vater und sein Bruder bei. Während Vater Jörg als Physiker mit 20 Jahren Erfahrung in der Kunststoffentwicklung sein Material-Wissen beisteuerte, war Bruder Fabian als angehender Elektromeister an der Entwicklung der Maschine beteiligt. „Dieses Team greift wie Zahnräder ineinander“, sagt Christian Vorbau.

Nun warten alle zusammen auf die Maschine, währenddessen wird die angemietete Halle in Cronenberg für die Produktion vorbereitet. „Gerade wird eine Hygiene-Schleuse eingebaut“, berichtet Vorbau. Schließlich stelle man ein Medizinprodukt her. „Das wird quasi ein Reinraum.“ Wenn alles wie geplant klappt, könnte bereits am 28. Mai die erste FFP2-Maske „Made in Wuppertal“ vom Band laufen.

Und das soll nicht nur während der Corona-Krise so weitergehen. Die Planungen gingen weit über die derzeitige Krise hinaus, sagt Felix Blaschke. „Anders lässt sich unser Invest, vor allem in die Maschine, nicht vertreten.“ Ziel sei es, sich langfristig zu etablieren, sagt auch Christian Vorbau. „Wir reden bereits mit Abnehmern, die auch danach noch Masken brauchen.“ Unter anderem mit Lungenfachkliniken und Firmen aus dem Arbeitsschutz. Die Wuppertaler Masken seien hochwertig und dafür preisgünstig, so Vorbau: „Ich mache mir gar keine Sorgen, dass wir mit unserer Produktion nicht am Markt bleiben können.“

HINTERGRUND 

Während eine Mund-Nase-Maske, auch Community- oder Behelfsmasken genannt, vor allem sein Gegenüber schützt, indem er Aerosole zurückhält, filtern FFP-Masken die Luft beim Einatmen und schützen so auch den Träger. Dabei unterscheidet man zwischen drei Filterklassen von 1 bis 3. FFP2-Masken werden empfohlen beim Umgang mit atemswegsreizenden Stoffen, die langfristig Lungenschädigungen hervorrufen. FFP-Masken sind in der Regel Einweg-Produkte, die etwa zwei Stunde am Stück getragen werden sollen.

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