Preisanstieg

Pappe und Papier werden immer teurer

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Für einige Werke werden die Leser bald wohl tiefer in die Tasche greifen müssen.

Steigende Energie- und Rohstoffkosten, hohe Nachfrage aus China und Digitalisierung.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Historische Romane, bergische Krimis oder auch eine Monografie über Pina Bausch - seit genau zehn Jahren versorgt der Bergische Verlag von Remscheid aus die Region mit Büchern mit jeder Menge Lokalkolorit. Doch für einige der Werke werden die Leser bald wohl tiefer in die Tasche greifen müssen. Hauptgrund dafür sind die zuletzt deutlich gestiegenen Papierpreise.
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„Zur Zeit planen wir gerade die Nachauflage von zwei gut gehenden historischen Romanen, deren Bestand zur Neige geht“, berichtete Pressesprecherin Christiane Rahrbach. „Mit Erscheinen der Nachauflage werden wir die Preise dann anheben.“ Ähnliche Schritte seien auch für andere Bücher im Programm geplant. Nicht die einzige Maßnahme des Verlags aufgrund hoher Papierpreise, sagt Rahrbach. So habe man die Auflage des Kundenmagazins reduziert. „Auch unsere eigenen Angebote für Auftragsproduktionen können wir zur Zeit nur für einen Zeitraum von zwei Wochen halten.“

Bücher, Kartons, Zeitungen: Die steigenden Papierpreise beeinflussen viele Lebensbereiche.

Mit dem Problem der hohen Papierpreise ist der Remscheider Buchverlag nicht allein. Weltweit ächzt die Branche. Mitte März warnte der Bundesverband Die Papierindustrie vor einer möglichen Versorgungskrise mit Hygienepapier, überall in Europa erhöhen die Zeitungen ihre Verkaufspreise und die Lieferzeiten bei Papierverpackungen haben sich teils vervielfacht.

Die Gründe sind oftmals schon bekannt: Rohstoff-, Transport- und Energiekosten steigen, wobei Energie etwa ein Fünftel der gesamten Produktionskosten ausmacht. Und Erdgas laut Experten als Energieträger beim Trocknen des Papierbreis kaum ersetzbar ist. Hinzu kommt aber noch die enorme Nachfrage aus China nach Zellstoff.

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Und die Digitalisierung. In deren Zuge haben viele Hersteller ihre Maschinen umgerüstet und produzieren nun statt grafischem Papier lieber Kartons. Auch und vor allem für den boomenden Online-Handel. Damit fallen nicht nur die Produktionskapazitäten weg, die dunklen Kartons taugen im Altpapier auch nicht als Rohstoff für weißes Papier.

Diese Entwicklung geht naturgemäß auch an den Zeitungsverlagen nicht spurlos vorüber. Um die Jahreswende herum sei es zeitweise fraglich gewesen, ob man überhaupt genug Papier für den Druck aller Zeitungen bekomme, berichtet Stefan M. Kob, Chefredakteur und Verlagsleiter bei der B. Boll Mediengruppe, Verlag von Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger. „Zeitungspapier ist zwar jetzt wieder verfügbar, aber eben zum doppelten Preis.“ Und auf den komme zusätzlich noch ein Energieaufschlag.

„Was da derzeit passiert, ist echt heftig.“

Fredy Maurer über Papierpreise

Laut Statistischem Bundesamt hat sich der durchschnittliche Preis für Zeitungsdruckpapier zwischen 2015 und Sommer 2021 nur moderat verändert, Anfang 2021 lag er kurz sogar leicht unter dem Wert von 2015, im August dann zehn Prozent drüber. Seither kennt der Preis nur noch eine Richtung: nach oben. Für März geben ihn die Statistiker mit 187,4 Prozent des Ausgangswertes an. Seitdem dürfte er vermutlich noch weiter gestiegen sein.

In ähnlichen Kategorien denken inzwischen auch die Hersteller von Papier-Verpackungen. Je nach Sorte gebe es beim Ausgangsmaterial Steigerungen zwischen 30 und 70 Prozent, sagt Fredy Maurer, Inhaber der Bergischen Kartonagenfabrik. Das Solinger Unternehmen stellt Falt- und Schiebeschachteln, Versandkarton und Ähnliches her. Ausgangsmaterial ist Pappe in verschiedenen Ausführungen, die direkt vom Produzenten eingekauft werden.

„Was da derzeit passiert, ist echt heftig“, sagt Maurer. Zudem hätten sich die Lieferzeiten deutlich verlängert, einige Pappe-Sorten seien erst wieder im Februar lieferbar. „Und bei manchen Spezialpapieren ist es gar nicht sicher, dass man sie überhaupt noch bekommt.“ Im Ergebnis bleibe ihm nichts anderes übrig, als die Preiserhöhung an seine Kunden weiterzugeben, sagt Maurer. „Ich tue es, weil ich es tun muss.“

Hintergrund

Die deutsche Papierindustrie beschäftigt knapp 40 000 Mitarbeiter und produziert jährlich etwa 23 Millionen Tonnen Papier und Pappe. Dafür verbraucht sie etwa 5,1 Millionen Tonnen Zellstoff und über 18 Millionen Tonnen Altpapier.

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