Wirtschaft

„Ohne politische Lösung droht hoher Beschäftigungsverlust“

Stephan A. Vogelskamp ist Chef der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
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Stephan A. Vogelskamp ist Chef der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Im Bergischen hängen viele Arbeitsplätze an der Automobilindustrie, doch viele Betriebe stecken in der Krise.

Von Nina Mützelburg​

BERGISCHES LAND Rund 800 Zulieferer der Automobilbranche sitzen in NRW, gut 250 von ihnen im bergischen Städtedreieck. Viele von ihnen sind alteingesessene Unternehmen mit einem hohen Exportanteil. Vor allem aber bilden sie mit ihren Arbeitsplätzen und ihrem Know-how eine wichtige Säule der hiesigen Wirtschaft. Doch momentan sehen sich die Unternehmen schier unlösbaren Problemen gegenüber. Denn zur noch längst nicht überstandenen Coronakrise und der damit einhergehenden Lieferkrise gesellt sich jetzt die Energiekrise. Viele sind von der Insolvenz bedroht. Und mit ihnen Tausende Angestellte.

„Die Energiekrise könnte für viele Unternehmen der Knock-out sein, der nicht mehr zu verkraften ist. Durch Corona wurden bereits viele Rücklagen verbraucht“, sagt Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Gesellschaft und des Branchenverbands Automotiveland NRW. Das Problem sei, dass jetzt schon viele Unternehmen vor einer unsicheren Auftragslage stünden. Schuld ist die Lieferkrise, die sich nach Vogelskamps Ansicht noch weiter zuspitzen wird. Selbst wenn ein Unternehmen an sich keine Produktionsschwierigkeiten hat, leidet es mit, wenn ein anderer Produzent nicht liefern kann. Denn sind nicht alle Bauteile verfügbar, produziert ein Hersteller eher gar nicht, bevor er Autos vom Band laufen lässt, die dann monatelang auf dem Hof stehen, weil vielleicht ein Teil fehlt. Entsprechend hängen alle Zulieferer mit am Fliegenfänger, deren Ware kurzfristig nicht abgenommen wird. Neben der instabilen Auftragslage kommt hinzu, dass die Betriebe in nächster Zeit die Preisanpassungen von den Energieversorgern bekommen. Spätestens in den nächsten sechs bis zwölf Wochen muss die Politik eine Lösung finden, sagt Vogelskamp, „sonst droht ein massiver Beschäftigungsverlust“. Neben der Politik, die Lösungen für die Unternehmen finden muss, wünscht er sich mehr partnerschaftliches Miteinander zwischen Herstellern und Zulieferern. Denn erstere stehen Gesprächen über gestiegene Preise selten offen gegenüber.

Aufgeben ist für die Unternehmen keine Option

„Dabei darf nicht vergessen werden, dass Unternehmen auch Menschen sind“, ruft Vogelskamp in Erinnerung. Menschen, die seit zwei Jahren nur noch Krisenmanager sind. Denen ihre Mitarbeiter am Herzen liegen und die sich um diese und ihre Familien ernsthaft Sorgen würden. „Das ist eine belastende Situation, die bereits Anfang 2020 begonnen hat. Viele können einfach nicht mehr“, sagt er.

Auch er selbst hat sicher schon einmal besser geschlafen. „Ich habe noch nie erlebt, dass durch eine Krise so viele Unternehmen gefährdet sind wie momentan. Und die Zeit drängt. Sollte sich keine Lösung finden lassen, wird die ganze Region großen Schaden nehmen. Denn Unternehmen, die einmal weg sind, kommen nicht so leicht zurück“, sagt er. Also führt er weiter Gespräche mit der Politik und wird nicht müde, auf die Situation der Autozulieferer aufmerksam zu machen. Auf die Frage, ob er noch zuversichtlich ist, antwortet er im Sinne der Unternehmen: „Ich würde eher sagen, dass Aufgeben einfach keine Option ist.“

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