Schwierigkeiten

Neue Arbeitsverträge: Über 40 Prozent sind befristet

Viele im Bergischen abgeschlossenen Arbeitsverträge enthalten eine Befristung, berichtet die NGG.
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Viele im Bergischen abgeschlossenen Arbeitsverträge enthalten eine Befristung, berichtet die NGG.

Gewerkschaft kritisiert „Jobs mit Verfallsdatum“ als „Karrierefalle“.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Mehr als 40 Prozent aller im zweiten Quartal 2021 neu abgeschlossenen Arbeitsverträge in Solingen und Remscheid waren befristet. Das vermeldet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und beruft sich dabei auf Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach hatten 1211 der 2808 neu abgeschlossenen Verträge in Remscheid und 1534 von insgesamt 3577 in Solingen ein Ablaufdatum, was jeweils eine Quote von etwa 43 Prozent entspricht.

Damit liegen die beiden bergischen Großstädte knapp über dem Bundesschnitt, den die gewerkschaftsnahe Stiftung mit 39 Prozent angibt. Überdurchschnittlich häufig sind demnach junge Arbeitnehmer unter 25 Jahren (51 Prozent) und solche mit ausländischer Staatsangehörigkeit (44 Prozent) betroffen. Bezogen auf die Qualifikation trifft es am häufigsten Menschen ohne Ausbildungsabschluss (52 Prozent) und Hochschulabsolventen (45 Prozent).

Gerade für junge Arbeitnehmer sei ein befristeter Vertrag eine „Karrierefalle“, kritisiert Zayde Torun, die fürs Bergische zuständige NGG-Geschäftsführerin: „Die Betroffenen haben größere Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden oder einen Kredit zu bekommen.“ Teils müsse wegen unklarer Job-Aussichten sogar ein Kinderwunsch hinten angestellt werden.

Das oft von Arbeitgebern vorgebrachte Argument, man wolle bei Neueinstellungen „auf Nummer sicher“ gehen, sei „vorgeschoben“, sagt Torun. Schließlich habe nahezu jeder Arbeitsvertrag eine Probezeit, diese reiche in der Regel, um sich ein Bild vom Beschäftigten zu machen.

Stiftung wie Gewerkschaft zeigen sich zudem verwundert, dass die Praxis der Befristungen auch in Zeiten des Fachkräftemangels weiterhin Bestand hat. „Befristungen sorgen dafür, dass bewährte Fachleute zu anderen Firmen wechseln“, betont Zayde Torun mit Verweis auf entsprechende Statistiken.

Bereits 2013 hatte eine Studie der Ökonomen Adrian Chadi (Uni Trier) und Clemens Hetschko (FU Berlin) nachgewiesen, dass Befristungen unzufrieden machen. Zwar gebe es einen sogenannten „Honeymoon-Effekt“, der nach einem Jobwechsel oder eine Vertragsverlängerung kurzfristig die Zufriedenheit steigere, rechne man dies aber heraus, zeige sich, dass das Wohlbefinden von Arbeitnehmern durch Befristung erheblich beeinträchtigt werde. Als Grund nennen die Forscher die fehlende Arbeitsplatzsicherheit.

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