Handwerk

Meister statt Master: Von der Uni in die Werkstatt

David Leo tauschte Hörsaal gegen Lackierkabine – und ist glücklich damit. Der Remscheider wurde von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als Jahrgangsbester Fahrzeuglackierermeister ausgezeichnet. Foto:
+
David Leo tauschte Hörsaal gegen Lackierkabine – und ist glücklich damit. Der Remscheider wurde von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als Jahrgangsbester Fahrzeuglackierermeister ausgezeichnet.

David Leo ist bester Fahrzeuglackierermeister seines Jahrgangs, dabei hatte er eigentlich Mathematik studiert.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Wäre es „normal“ gelaufen, hätte David Leo inzwischen vermutlich seinen Master in der Tasche. 2015, direkt nach dem Abi, begann er ein Studium der Wirtschaftsmathematik an der Uni Wuppertal. Doch dann kam alles anders. Und statt Master ist der 23-Jährige nun Meister, genauer gesagt Fahrzeuglackierermeister. Und dann auch noch der beste seines Jahrgangs.

Anfang März wurde der Remscheider von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als bester seines Gewerks im ganzen Bundesland geehrt, coronabedingt nicht wie sonst üblich bei einem großen Empfang, sondern per Post. Für David Leo ist dies noch lange nicht das Ende der Reise. „Ich möchte mich gerne immer weiterbilden“, sagt er. Und vielleicht auch irgendwann einen eigenen Betrieb übernehmen.

Dabei lief bei ihm erst einmal alles „normal“ – und damit in eine völlig andere Richtung. Am Lenneper Röntgen-Gymnasium baute David Leo sein Abitur, mit Englisch und Mathematik als Leistungskurse. Sich danach an einer Uni einzuschreiben, sei einfach selbstverständlich gewesen, erinnert er sich. „Meine Freunde gingen ja auch alle studieren.“ Eine Ausbildung, erst recht im Handwerk, habe während seiner Oberstufenzeit nicht zur Diskussion gestanden.

Doch das änderte sich nach den ersten Semestern mit Stochastik und Ökonometrie. „Mir hat der Realitätsbezug gefehlt“, sagt er heute. „Das war einfach nicht meine Welt.“ Also schmiss David Leo das Studium und suchte sich stattdessen lieber einen Ausbildungsplatz. Über einen kleinen Umweg landete er bei Autolackierung Schaaf in Lüttringhausen. Er verkürzte die Ausbildung, erhielt im August 2019 seinen Gesellenbrief und startete gleich im Monat darauf die Meisterschule.

Ein Werdegang, den David Leo trotz einiger Umwege nicht bereut. Selbst die fast zwei Jahre an der Hochschule sieht er im Rückblick nicht als verschenkte Zeit. Währendessen sei er älter geworden und „klarer im Kopf“, wie er selber sagt. „Als Orientierung war das nicht schlecht.“ Auch dass er seine Ausbildung in einem verhältnismäßig kleinen Betrieb absolviert hat, habe für ihn Vorteile, sagt David Leo: „Ich habe hier von Anfang an viel Verantwortung übernommen, konnte ganz viel links und rechts mitnehmen.“ Das habe ihm auch auf der Meisterschule weitergeholfen. Zudem fühle er sich bei seinem derzeitigen Arbeitgeber einfach wohl.

Geholfen habe ihm auch die Handwerkskammer, sagt der Remscheider. Dort habe man ihn ausgesprochen gut beraten: „Die haben ein richtig gutes Programm.“ Dank dessen er zum Beispiel auf das Meister-Aufstiegs-BAföG aufmerksam wurde, mit dessen Hilfe er die Zeit auf der Meisterschule finanzierte.

Dass David Leo zufrieden mit sich und seinem Job ist, merkt man auch, wenn er über seine Arbeit redet. Von der „Faszination des Instandsetzens“ spricht er dann zum Beispiel. Und davon, dass es den Kunden ja auch glücklich mache, das reparierte Auto zurück zu erhalten. „Ich mag auch den Umgang mit Farben und Formen.“

Wie ihm gehe es einigen, ist er überzeugt. Viele Freunde seien im Studium nicht glücklich gewesen. Manche hätten abgebrochen und sich eine Ausbildung gesucht: „Einer ist zum Beispiel Optiker geworden.“ Das hat natürlich auch die Handwerkerkammer längst mitbekommen – und wirbt mit einer Kampagne um Studienabbrecher als Azubis für ihre Mitgliedsbetriebe.

Nicht nur deswegen würde sich David Leo wünschen, dass Ausbildungsberufe wie seiner eine größere Rolle auch in der gymnasialen Oberstufe spielen würden. „Ich habe lange gesucht, was meins ist. Aber im Studium habe ich das einfach nicht gefunden.“

Hintergrund

Rund 130 verschiedene Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk, vom Änderungsschneider bis zum Zweiradmechatroniker. Der Deutsche Handwerkskammertag hat ein Beratungsangebot für Studierende, die aus dem Studium in eine handwerkliche Ausbildung wechseln wollen, ins Leben gerufen:

handwerk.de/studienaussteiger

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Petra Hoffmann will mit Concept-Store Freude machen
Petra Hoffmann will mit Concept-Store Freude machen
Petra Hoffmann will mit Concept-Store Freude machen
Solinger Firmen zeigen Artikel für die Werbeartikel-Branche
Solinger Firmen zeigen Artikel für die Werbeartikel-Branche
Solinger Firmen zeigen Artikel für die Werbeartikel-Branche
„Die Nachfrage ist derzeit fast gleich null“
„Die Nachfrage ist derzeit fast gleich null“
„Die Nachfrage ist derzeit fast gleich null“

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare