Wirtschaft

Lokale Gutscheine binden Kaufkraft im Ort

In Ohligs haben Karten und Scanner die klassischen Papiergutscheine abgelöst. Und das mit Erfolg. Foto: Christian Beier
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In Ohligs haben Karten und Scanner die klassischen Papiergutscheine abgelöst. Und das mit Erfolg.

In Solingen-Ohligs setzen einige Einzelhändler inzwischen auf ein digitales System.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Vier Tage bis Weihnachten und noch kein Geschenk? Wer jetzt Socken, Schlips oder Pralinen vermeiden will, für den sind Gutscheine eine mögliche Lösung. Und die gibt es natürlich längst auch lokal.

Mehrere Einzelhändlervereinigungen im Bergischen Land geben eigene Gutscheine heraus. Müsste man sich – und damit auch den Beschenkten – sonst entweder auf einen Anbieter vor Ort festlegen oder das Geld zu einem der großen Online-Shops tragen, verbinden diese lokalen Lösungen Auswahl mit regionaler Kaufkraftbindung.

„Das ist quasi die Fortsetzung unserer Aktion Heimatshoppen“, sagt Ralf Engel von der Wuppertaler Geschäftsstelle des Handelsverbandes. Denn habe man sich einmal für einen lokalen Gutschein entschieden, bleibe das Geld sicher in der jeweiligen Region. „Wir wollen so viele Kunden wie möglich vor Ort halten“, sagt Engel. Und das erreiche ein solcher Gutschein.

Dabei sind verschiedene Systeme verfügbar. Gerade in Kleinstädten, zum Beispiel bei der Werbegemeinschaft Hückeswagen, setzt man auf klassische Papiergutscheine. Wuppertal, wo einige Händler über das geförderte Programm „Online City Wuppertal“ mit dem Münchener Anbieter Atalanda kooperieren, bietet einen Gutschein an, der auch online eingelöst werden kann. Und in Solingen-Ohligs ist die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) im Sommer auf ein digitales System umgestiegen.

Seit der Umstellung steigt die Nachfrage nach den Gutscheinen

Wie über 15 andere Kommunen, von Attendorn bis Gevelsberg, setzten die Ohligser auf ein System namens „Stadtguthaben“, das ein Unternehmen aus Düsseldorf anbietet. „Das ist wirklich super einfach für alle Beteiligten“, sagt die OWG-Vorsitzende Brigitte Kiekenap. Und für die Kunden offensichtlich sehr attraktiv: „Seit wir umgestellt haben, ist die Nachfrage sehr hoch.“

Vor über zwei Jahren hatte die OWG ein eigenes Gutscheinsystem eingeführt, damals noch auf Papier. „In anderen Solinger Stadtteilen gibt es so etwas nicht“, sagt Kiekenap. „Da haben wir eine Vorreiterrolle.“ Ziel sei es gewesen, das Geld im Stadtteil zu halten. „Gutscheine sind gerade als Geschenke sehr beliebt.“ Doch wer bisher Gutscheine mit einer großen Auswahl haben wollte, sei häufig bei Anbietern wie Amazon gelandet. „Und da konnten wir ja gerade bei der Klimakonferenz hören, was wir davon haben.“

Nachdem sich der Ohligs-Gutschein etabliert hatte, suchten die Macher nach einem Weg, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren – und kamen so auf die Düsseldorfer Stadtguthaben GmbH. Drei Geschäfte, darunter die Buchhandlung von Brigitte Kiekenap geben die Gutscheine aus, die, dann in etwa 35 Geschäften und Restaurants in Ohligs eingelöst werden können.

RECHTLICHES

GÜLTIGKEIT Auch wenn auf einem Gutschein keine Befristung vermerkt ist, kann er nicht unbegrenzt lange eingelöst werden. Darauf weist die Verbraucherzentrale hin. Allgemein gelte eine Verjährungsfrist von drei Jahren. „Die Frist beginnt jedoch immer erst am Schluss des Jahres, in dem der Gutschein erworben wurde.“ Ausnahmen gelten für Gutscheinen für Konzert oder Theater, hier sind die angegebenen Einlösedaten zu beachten.

Der eigentliche Gutschein sehe aus wie eine Scheckkarte, berichtet Brigitte Kiekenap. Darauf zu finden sei ein QR-Code, den man mit einem Scanner aber auch einem Smartphone oder Tablet scannen kann. „Dahinter steckt eine Web-Anwendung, in der gespeichert ist, wie hoch der Wert des Gutscheins ist.“ Größer Vorteil: Mit dem neuen System kann der Kunde den Gutscheinwert zwischen mehreren Anbietern splitten, so die OWG-Vorsitzende: „Wer einen 50-Euro-Gutschein hat, bei mir aber nur ein Taschenbuch kaufen möchte, kann sich danach noch ein Duftwässerchen bei der Parfümerie Flohr holen.“ Zudem sei der Gutschein auch wieder aufladbar. Das sei für viele Kunden praktisch.

Eine „sichere und schöne Sache“, wie Brigitte Kiekenap meint. Und eine, die sich auch auf die anderen Solinger Stadtteile übertragen ließe. „Ich fände das nicht ganz unattraktiv, wenn es einen solchen Gutschein für die ganze Stadt geben würde“, sagt Brigitte Kiekenap. Technisch sei das Stadtguthaben-System der OWG darauf vorbereitet.

Und auch Ralf Engel vom Handelsverband meint, eine stadtweite Lösung sei sogar noch sinnvoller: „Im Prinzip fände ich das gut, wenn es einen Gutschein für Solingen oder einen für ganz Remscheid gäbe.“ Oder auch einen gemeinsamen fürs ganze Städtedreieck. „Aber Einzelhändler heißen ja auch Einzelhändler, weil jeder einzeln handelt.“

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