Kronprinz sichert den Standort

Traditionsreicher Standort: An der Weyerstraße behalten nach Angaben der IG Metall 70 bis 80 Angehörige der Stamm-belegschaft und 20 Leiharbeitnehmer durch den Standortsicherungs-Vertrag ihre Arbeitsplätze. Foto: Christian Beier

VERTRAG Vierte Schicht bleibt erhalten: rund 100 von 523 Stellen durch Zugeständnisse vorerst bewahrt.

Von Fred Lothar Melchior

„Es wären bis zu 100 Kündigungen gewesen“, sagt Marko Röhrig, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Remscheid-Solingen. Vor Weihnachten hatte der Gewerkschafter erfahren, dass die Kronprinz-Geschäftsleitung die vierte Schicht streichen wollte. „Aus unserer Sicht wäre das langfristig der Tod für den Standort gewesen“, kommentiert Röhrig und erinnert daran, dass der Räderhersteller früher weit über 1000 Beschäftigte hatte.

KRONENBERG UND PRINZ LEGTEN DEN GRUNDSTEIN GESCHICHTE 1897 gründeten Rudolf Kronenberg und Carl Prinz die Kronprinz AG für Fahrradteile. Später war das Unternehmen Vorreiter bei der Produktion von Autorädern aus Stahl. 1938 übernahm Mannesmann die Aktienmehrheit; von 1997 bis 1999 gingen alle Anteile auf Michelin über. 2001 trennte man sich von der der Leichtmetall-Gussrad-Fertigung – die Borbet-Gruppe produzierte weiter auf dem alten Firmengelände, zunächst unter dem Namen Kronprinz Aluguss. Der Stahlrad-Bereich wurde Anfang 2005 von der mefro-wheels-Gruppe übernommen. UMSATZ Nach dem Einbruch auf 122 Millionen Euro im Jahr 2009 wurden 2011 wieder 231,8 Millionen Euro erreicht. 2013 lag der Umsatz bei 205,3 Millionen Euro. Dass es jetzt wohl mehr als 500 bleiben, hängt mit Zugeständnissen zusammen: In einem Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag wurde festgelegt, dass die Belegschaft in den nächsten zwei Jahren 37,5 statt 35 Stunden pro Woche arbeitet – ohne Lohnausgleich. Von künftigen Tariferhöhungen profitieren die Mitarbeiter erst mit einem halben Jahr Verzögerung.

IG-Metall-Mitglieder von Kündigungen ausgenommen

Für IG-Metall-Mitglieder gibt es eine Jobgarantie: Sie sind während der Laufzeit des Vertrags von betriebsbedingten Kündigungen ausgeschlossen. Außerdem wurde ein Mitgliederbonus von 165 Euro pro Jahr vereinbart („Erholungsbeihilfe“). Dem Organisationsgrad bei Kronprinz habe das gut getan, berichtet Röhrig. Seien bisher weniger als 70 Prozent der Mitarbeiter in der Gewerkschaft gewesen, gehe man jetzt auf 80 Prozent zu.

Dass Ohligs als Standort der mefro-wheels-Gruppe mit Hauptsitz in Rohrdorf eine Zukunft hat, schließt der 1. Bevollmächtigte auch aus der Anschaffung einer 1,6 Millionen Euro teuren Schweißanlage: „Eine derartige Investition macht man nicht, wenn man nicht an den Standort glaubt.“ Laut Röhrig sollen 200 000 zusätzliche Pkw- und Lkw-Räder an der Weyerstraße gefertigt werden. Eine Stellungnahme der Geschäftsleitung dazu gibt es nicht, und auch der Vorsitzende des Kronprinz-Betriebsrats, Armin Scharlau, wollte sich nicht äußern.

Bekannt ist aber, dass das Geschäft mit Stahlrädern momentan schwieriger ist als das mit Alu-Rädern. Die bereits 2001 verkaufte Sparte der Leichtmetall-Gussräder steht in einem besseren Licht da: Bei Borbet (siehe Kasten) zählt die Belegschaft inzwischen fast 600 Köpfe. Man habe eine große Abnehmerschaft, heißt es am Stammsitz der Gruppe im Hochsauerland. Allerdings habe man auch Konkurrenz aus Schwellenländern.

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