Verbraucherzentrale

In der Krise gibt es großen Beratungsbedarf

Dagmar Blum leitet den Solinger Standort der Verbraucherzentrale. Foto: Tim Oelbermann
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Dagmar Blum leitet den Solinger Standort der Verbraucherzentrale.

Verbraucherzentralen beantworten viele Fragen zu den Themen Reisen, Veranstaltungen und digitales Einkaufen.

Von Stephanie Licciardi

Solingen/Remscheid. Die Nachfrage ist groß, weiß Dagmar Blum. Als Leiterin der Beratungsstelle ist sie in der Verbraucherzentrale Solingen für unterschiedliche Verbraucheranliegen zuständig. „Vor allem während der Corona-Krise sind viele Fragen rund um das Thema Reisen sowie die Rücknahme von Tickets für Kulturveranstaltungen aufgekommen.“ Trotz Aufhebung der EU-Reisewarnung und offener Grenzen sind Urlauber oft verunsichert, ob sie die lange geplante Reise antreten möchten. „Die Risiken muss jeder für sich abwägen, ob der Urlaub auch zu einer erholsamen Zeit wird und wie hoch die Gefahren in den jeweiligen Ländern sind“, sagt Blum.

„Der skurrilste Fall war ein Socken-Abo.“

Lydia Schwertner über ihre Arbeit für die Verbraucherzentrale

Doch wie erhalten Verbraucher ihr Geld beim Reiseveranstalter wieder zurück und was ist zu tun, wenn der Veranstalter trotz Aufforderung nicht zahlt? „Hier ist jeder Fall individuell zu bewerten.“ Probleme treten häufig bei Pauschalreiseveranstalter auf. Rückzahlungen verzögern sich, statt Bargeld werden häufig Gutscheine angeboten und das zulasten des Reisenden. Leiterin Blum: „Die häufigsten Fragen sind, warum Rückmeldungen so lange dauern, welche Rechte generell gelten und ob Umbuchungen möglich sind.“

Auch Fragen zum Umtausch von Theater- und Konzertkarten richten sich an Blum. „Es gibt Veranstalter, die nehmen Tickets und Karten umstandslos zurück oder geben Gutscheine aus. Natürlich sind auch Veranstalter darunter, die das Geld nicht zurückerstatten oder Alternativen anbieten.“

Neben dem Thema Reisen berät Blum über Telefon- und Handyverträge, vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. „Viele Verbraucher überschätzen sich mit dem Tarif und den monatlichen Kosten.“ Das Solinger Team rät, bei Neuverträgen oder Verlängerungen auch das Kleingedruckte im Vertrag zu lesen und sich nicht zu scheuen, im Zweifel beim Vertragshändler nachzuhaken. „Bei Telefonaten gilt: Lassen Sie sich alles schriftlich bestätigen.“

Flattert ein Inkassoschreiben infolge zu hoher Vertragskosten und damit verbundenen Zahlungsrückständen ins Haus, ist das häufig ein Schock für die Betroffenen. Nicht nur junge Menschen sind von zu hohen Vertragskosten betroffen, auch ältere Menschen oder Ausländer, die die Sprache nicht beherrschen, sind vor Abzocken nicht gefeit.

Das Wort „Abzocke“ ist auch Kollegin Lydia Schwertner in der Verbraucherzentrale Remscheid nicht fremd. Abofallen oder Interneteinkäufe sind am Remscheider Standort häufige Themen. „Der skurrilste Fall war ein Socken-Abo“, erzählt Schwertner mit leichtem Schmunzeln.

Seit 1991 befasst sich die Beraterin mit unterschiedlichen Verbraucherthemen. Ihr Steckenpferd ist das Internet. „Der Internetboom ging um das Jahr 2000 mit vermeintlich kostenfreien Antivirenprogrammen los“, erinnert sich Schwertner. „Vor der Button-Lösung bei Einkäufen im Internet war das eines der meistgefragtesten Themen, wenn plötzlich Einkäufe zustande kamen, die der Verbraucher gar nicht tätigen wollte.“ Doch auch die Button-Lösung, die das verhindern soll, halte nicht vor Einkaufspleiten bei Billiganbietern aus Asien ab.

Nachdenklich stimmt die Leiterin der Remscheider Beratungsstelle, wenn Kunden mit hohen Inkassoforderungen zu ihr kommen. So der Fall einer alleinerziehenden Mutter. „Sie wollte für ihre drei Kinder vorsorgen und zahlte in eine viel zu hoch angerechnete Lebensversicherung ein, die sie mit ihrem Auskommen gar nicht bestreiten konnte.“ Das Ergebnis: Eine Schadenersatzforderung der Versicherung flatterte ins Haus. „Die Versicherung für die Kinder wäre bis 2060 gelaufen, zu utopischen Kosten, das war völliger Unsinn“, sagt Schwertner rückblickend.

Um den Schutz der Verbraucher geht es beiden Verbraucherzentralen in Remscheid und Solingen. „Das ist unser vorliegendes Anliegen“, betont Lydia Schwertner.

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