Rohstoffknappheit

Knappe Baustoffe strapazieren die Nerven – und den Geldbeutel

Arnd Krüger ist der Kreishandwerksmeister von Solingen und Wuppertal. Archivfoto: Michael Schütz
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Arnd Krüger ist der Kreishandwerksmeister von Solingen und Wuppertal.

Vereinzelt müssen Betriebe trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Corona-Krise hat das Handwerk verhältnismäßig gut überstanden. Die Rohstoffknappheit trifft viele Betriebe dagegen mit voller Wucht. Mehrkosten und lange Lieferzeiten durchkreuzen die Kalkulationen und Pläne für Bauprojekte. Überregional mehren sich die Berichte über Handwerker, die trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden müssen. Auch im Bergischen Land kommt es vereinzelt zu solchen Fällen.

Das erklärt die auch für Remscheid zuständige Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal auf Nachfrage dieser Zeitung. Wie viele Unternehmen betroffen sind, lasse sich nicht genau sagen, „da diese Angabe der Arbeitgeber bei der Anzeige nicht zwingend erforderlich ist“. Größere Auffälligkeiten seien derzeit jedoch nicht erkennbar. Im Mai sind demnach aus dem Baugewerbe 14 Anzeigen auf konjunkturelle Kurzarbeit eingegangen. Im Vorjahresmonat waren es 44.

„Die Betriebe kompensieren die Ausfälle mit Reparaturen oder Kleinsanierungen“, erklärt Wilhelm Mertens. Er ist Obermeister der Remscheider Dachdecker-Innung. Das Gewerk ist von der aktuellen Knappheit besonders betroffen. Stefan Bruchhaus, Mertens’ Solinger Pendant, macht das an einem Beispiel deutlich: „Ende 2020 habe ich für einen Meter Dachlatte 40 Cent bezahlt, inzwischen sind wir bei drei Euro angelangt – Tendenz steigend.“

Das Problem erschweren die ebenfalls explodierten Lieferzeiten. Dämmstoffe, die normalerweise innerhalb einer Woche verfügbar waren, kommen momentan nach zweieinhalb bis drei Monaten an. Auf OSB-Platten warte man bisweilen fünf Monate. „Manche Produzenten nehmen gar keine Aufträge mehr an“, berichtet Wilhelm Mertens.

Kreishandwerksmeister: Lage entspannt sich erst 2022

Problematisch werde das vor allem bei großen Neubauprojekten, bei denen jedes Gewerk ein festes Zeitfenster einhalten muss, um nicht mit den übrigen Arbeiten zu kollidieren. Hinzu kommt, dass die Unternehmen mit den meisten Kunden Verträge mit Festpreisen ausgehandelt haben. Die Folge: Die Preissteigerung bleibt bei älteren Aufträgen an den Betrieben hängen. „Momentan schreiben wir Angebote, die eine Preisgleitklausel beinhalten“, erklärt Mertens.

Ähnlich handhabt es Stefan Bruchhaus. Gleichzeitig stellt der Dachdecker fest, dass vermehrt Verbraucher geplante Vorhaben auf das kommende Jahr verschieben oder von Projekten zurücktreten. „Da würden sonst die Finanzierungspläne durcheinandergeraten.“ Dennoch sei die Nachfrage weiterhin recht hoch. „Diese Situation hat es auch noch nicht gegeben: Die Auftragsbücher sind voll, wir können sie aber nicht abarbeiten“, sagt Mertens. Seit 1900 existiert sein Betrieb, seit mehr als 35 Jahren ist er im Geschäft.

Die Dachdecker haben die Hoffnung, dass sich die Lage auf dem Markt nach den Sommerferien zumindest teilweise entspannt. Etwas anders schätzt Arnd Krüger die Situation ein. Der Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal rechnet vielmehr mit einem „heißen Herbst“. Erst wenn die Nachfrage als Reaktion auf den enormen Preisanstieg merklich zurückgehe, sei eine wirkliche Verbesserung zu erwarten – im Laufe des kommenden Jahres.

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