Bergische Marktführer

Sie kennzeichnen Rinder auf der ganzen Welt

Bernd Neutsch und Ismael Akman (r.) führen die neue Zwei-Komponenten-Spritzmaschine vor.
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Bernd Neutsch und Ismael Akman (r.) führen die neue Zwei-Komponenten-Spritzmaschine vor.

Das Unternehmen Hauptner & Herberholz produziert 21 Millionen Ohrmarken im Jahr.

Von Jennifer Preuß

Selbst Rinder in der Karibik und Kamele in Dubai tragen sie: die Ohrmarken der Solinger Firma Hauptner & Herberholz. „Der Kennzeichnungsmarkt wächst“, sagt Geschäftsführer Bernd Neutsch. 21 Millionen Ohrmarken werden pro Jahr im Werk an der Kullerstraße aus Kunststoff gespritzt. Auch im Zeitalter der elektronischen Kennzeichnung, die das Solinger Unternehmen auch anbietet, ist die klassische Ohrmarke immer noch gefragt wie eh und je.

Sechs Millionen Ohrmarken für Rinder schafft die neue Maschine des Unternehmens im Jahr.

Hauptner & Herberholz liefert in über 130 Ländern und macht so einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro im Jahr. Um die Produktion der Ohrmarken noch effizienter zu machen, hat die Geschäftsführung eine neue Zwei-Komponenten-Spritzmaschine angeschafft. Eine Million Euro hat das Unternehmen investiert. Sechs Millionen Ohrmarken für Rinder schafft die neue Maschine im Jahr. Und das vollautomatisch. „Wir haben dadurch Zeit- und Kostenvorteile. Die Maschine senkt die Herstellungskosten um 30 Prozent“, erklärt Betriebsleiter Ismael Akman. „Außerdem haben wir weniger Ausfälle.“

Zwei Arten von Kunststoff fügt die Maschine zusammen. Die Marke an sich muss weich und flexibel sein, damit sie sich den Bewegungen des Tieres anpasst. Der Verschluss dagegen muss härter sein. Ist die Marke einmal angebracht, kann man sie ohne Weiteres nicht wieder lösen. „Eine Zugkraft von 40 Kilo wäre notwendig, um die Marken wieder abzubekommen“, erklärt Bernd Neutsch. Das hat einen Grund: Ohrmarken müssen fälschungssicher sein. Sie dienen in erster Linie der Seuchenbekämpfung und der Nahrungsmittelsicherheit.

„Eine Zugkraft von 40 Kilo wäre notwendig, um die Marken abzubekommen.“

Bernd Neutsch

Nach einer bestimmten Nomenklatur werden die Ohrmarken mit einem Laser beschriftet. „Ohrmarken sind wie Kfz-Kennzeichen. Jede Nummer kommt nur einmal vor“, sagt Neutsch. Das Fleisch lässt sich mit Hilfe der Kennzeichnung bis zum Zuchtbetrieb zurückverfolgen. Jedes Rind bekommt eine eigene Nummer. Schweine werden nur mit der Kennnummer des Zuchtbetriebs markiert. Das hat mit dem Marktpreis zu tun. „Rindfleisch ist teurer als Schweinefleisch“, so Bernd Neutsch.

Schon anhand der Farbe der Ohrmarke lässt sich viel über die Herkunft aussagen. In Europa sind die Ohrmarken in Gelb und Weiß gehalten. Außerhalb der Europäischen Union wird es bunter. „Wir können alles, nur nicht gepunktet und gestreift“, sagt Bernd Neutsch. „Auf die speziellen Kundenwünsche gehen wir ein.“ Das betrifft nicht nur Ohrmarken für Rinder, Schweine und Schafe. Rund 4000 Artikel hat das Unternehmen Hauptner & Herberholz im Sortiment.

Alles fing im Jahr 1857 mit Veterinärinstrumenten an. Gründer Hans Hauptner fertigte in seiner Kellerwerkstatt, damals noch in Berlin, Skalpelle, Spritzen und Kastrierzangen. 1916 zog das Unternehmen nach Solingen, da im Bergischen Fachkräfte für Metallbearbeitung vorhanden waren. Nach und nach kamen mehr Artikel aus dem Bereich Tierpflege hinzu. Dazu gehören beispielsweise Utensilien zur Huf- und Klauenpflege, Nasenringe, Brunstmessgeräte und Hilfsmittel zur künstlichen Besamung.

Der Renner sind auch Schermaschinen. Sie werden nicht nur beim Scheren von Schafen verwendet. Wichtig sind die Maschinen auch kurz vor Auktionen. Ein gutes Aussehen erhöht den Kaufpreis. Bis heute werden im Solinger Werk rund 70 Prozent der angebotenen Produkte gefertigt.

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