Krise

IT-Branche: Krieg trifft Unternehmen der Region

Dominik Fischer sorgt sich um seine Programmierer in der ukrainischen Stadt Lwiw. Foto:Andreas Fischer
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Dominik Fischer sorgt sich um seine Programmierer in der ukrainischen Stadt Lwiw.

Einige Start-ups setzen auf Programmierer aus dem Ausland. Viele kommen aus der Ukraine.

Von Nina Mützelburg

Bergisches Land. In diesen Tagen wollte Sebastian Zimnol mit seinem Remscheider Start-up Wetog einen Standort in Charkow eröffnen. Von seinem dortigen Büroleiter kam aber am 24. Februar eine E-Mail. „Er schrieb in etwa, dass die Russen angreifen und er nun sein Land verteidigen will“, sagt Zimnol. Das war der Auftakt zu einem Krieg, dessen Auswirkungen auch in der Start-up-Szene im Bergischen spürbar sind. Denn Länder wie die Ukraine und Polen sind Zentren der IT-Branche. Deutsche Unternehmen rekrutieren dort ihre Programmierer. Der Grund: der Fachkräftemangel. Anfang 2022 haben 80 Prozent aller Unternehmen der Branche, die sich am IHK-Konjunkturbericht beteiligt haben, dieses Problem beklagt.

„Gerade in der IT haben Unternehmen die Situation, dass es unter Umständen nicht so relevant ist, von wo aus eine Leistung erbracht wird. Die Branche hat eher die Möglichkeit, Menschen im Ausland zu beschäftigen“, sagt ein IHK-Sprecher. Diese Firmen blicken nun besorgt in Richtung Ukraine und bangen um Lebenszeichen ihrer Mitarbeiter.

Wetog ist auf schnelle und sichere Datenkommunikation spezialisiert. Hauptsitz des Unternehmens ist Remscheid mit 31 Mitarbeitern. Neben dem anvisierten Büro in Charkow hat die Firma noch eines in Danzig (Polen) mit 13 Mitarbeitern, darunter viele Ukrainer. Seit Beginn des Krieges liegt die reguläre Arbeit mehr oder weniger auf Eis. Nun geht es um Hilfe für Flüchtlinge.

Den Bedarf an Programmierern konnte man bei Wetog schon früh mit heimischen Kräften nicht mehr decken. Polen unterstützt Start-ups mit Förderprogrammen und Erleichterungen beim Schritt aus Deutschland nach Polen. Die Ukraine macht es ähnlich. Fachkräfte in dem Bereich sind hierzulande rar gesät – und Absolventen wissen um ihren Wert. „Die gehen weniger zu Start-ups. Stattdessen wollen sie in die großen Konzerne, die es sich leisten können, entsprechende Gehälter zu zahlen“, sagt Nicole Haas von der Gründerschmiede Remscheid. Die Infrastruktur insbesondere, was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht, und die nur langsam vorangetriebene Digitalisierung machen die Region zusätzlich unattraktiv. Alternativ müssen die Firmen ins Ausland oder die Mitarbeiter von dort arbeiten lassen.

So macht es Dominik Fischer von der Direktkanzlei. Der Rechtsanwalt aus Wuppertal hat eine Anwaltssoftware programmiert, die vom ukrainischen Lwiw aus stetig weiterentwickelt wird. „Mittlerweile berichten mir meine Programmierer von Luftalarmen und dass sie die Nächte in Kellern verbringen“, sagt Fischer. Um ein Ausweichquartier habe man sich schon gekümmert. Aber: „Die Programmierer sind größtenteils Männer, die das Land nicht verlassen dürfen.“ Der Fachanwalt für IT-Recht ist in der Branche gut vernetzt und weiß von Firmen, in denen Projekte stocken, weil Programmierer fehlen oder Standorte zerstört wurden. „Die deutsche IT-Branche verlässt sich sehr auf Polen, Rumänien, Indien und die Ukraine.“

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