Musik

Handgefertigte E-Bässe aus der Klingenstadt

Wer sich seinen Bass von Hand bauen lässt, hat auch mehr Einfluss auf die Farbe: Knut Reiter zeigt in der Lackierkabine seiner Werkstatt aktuelle Projekte. Später bekommen die Instrumente noch einen neuen Hals, der zum Lackieren ist nur provisorisch. Foto: Christian Beier
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Wer sich seinen Bass von Hand bauen lässt, hat auch mehr Einfluss auf die Farbe: Knut Reiter zeigt in der Lackierkabine seiner Werkstatt aktuelle Projekte. Später bekommen die Instrumente noch einen neuen Hals, der zum Lackieren ist nur provisorisch.

Knut Reiter ist mit seiner Firma K-Bass von Burscheid nach Solingen gezogen.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Im Frühjahr ist Knut Reiter mit seiner Firma K-Bass von Burscheid nach Solingen gezogen. Das Ziel war klar: In der Großstadt sollte sein Geschäft zusätzliche Fahrt aufnehmen. Doch dann kam Corona. Die Feier zur Eröffnung musste ausfallen, und auch die erhoffte Umsatzsteigerung blieb bisher aus. Deswegen bleibt dem 58-Jährigen im Moment nicht viel anderes übrig, als sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann: Er baut E-Gitarren und E-Bässe, individuell gefertigt für höchste Ansprüche.

Reiters Kunden sind ambitionierte Hobby-Musiker und Profis. Im Moment arbeitet er zum Beispiel an einem Instrument für den Bassisten von Tim Bendzko. „Der weiß genau, was er will“, sagt Knut Reiter – was aber in gleichem Maß auch für ihn selber gilt. „Alles baue ich nicht“, sagt er. Und gibt zu, dass es mit ihm nicht immer ganz einfach ist: „Ich habe keine Lust, jede spinnerte Idee mitzumachen, am Ende steht ja mein Name darauf.“

„Ich habe keine Lust, jede spinnerte Idee mitzumachen, am Ende steht ja mein Name darauf.“

Knut Reiter

Viele seiner Instrumente orientieren sich an Vorbildern aus den 50er und 60er Jahren. Bis hin zur Lackierung. Dafür setzt der gelernte Tischler einen Nitrocelluloselack, wie es schon die Gitarrenbauer vor 70 Jahren gemacht haben. „Das hat Einfluss auf den Klang“, sagt Reiter. Und sehe darüber hinaus auch noch gut aus.

Ein Bass oder auch eine Gitarre sei ein „Werkzeug für die Bühne“, ist Knut Reiter überzeugt. Und wie bei anderen Werkzeugen auch komme es dabei auf die Qualität an. Und auf viele kleine Details. Das fange beim Material an. Und gehe bis zu minimalen Anpassungen bei den Maßen des Instruments. So seien die Hälse seiner Bässe etwas dicker als bei vielen anderen, nennt Reiter ein Beispiel. „Und es hat sich rausgestellt, dass es viele Bassisten gibt, die das so wollen.“ Gefertigt sind die Instrumente aus Holz, Korpus und Hals werden jeweils mit einer CNC-Maschine aus einem Stück gefräst. „Wichtig ist, dass es langsam gewachsen ist. Und dass es lange gelagert wurde.“ 30 und mehr Jahre sind dabei keine Seltenheit. Ahorn eigne sich dank seiner langen, durchgehenden Fasern gut für den Hals, erklärt Knut Reiter. Daneben verwendet er aber auch Palisander, Erle und Esche.

Gegründet wurde das Unternehmen 2004, als die Meisterpflicht für Zupfinstrumentenbauer fiel. In der Branche ist Reiter aber schon viel länger zu Hause. Zeitweise arbeitete er als Profi-Bassist, unter anderem einige Jahre bei der erfolgreichen Cover-Band Jokebox. Seine Instrumente baute und reparierte er damals schon teilweise selbst. Dabei half ihm seine Erfahrung als Schreiner im hochwertigen Möbelbau.

Preislich beginnen Reiters Bässe bei rund 2500 Euro je Stück, aufwendigere Fünfsaiter werden auch schon mal 1000 Euro teurer. Das sind die Solinger Instrumente Stammkunden aus ganz Deutschland aber auch wert. Sie sind es, die das Geschäft im Moment am Laufen halten. Dass in der Großstadt aber mehr Menschen ihre Instrumente, auch von anderen Herstellern, zu Knut Reiter zur Reparatur oder Überarbeitung bringen, wie ursprünglich erhofft, bleibt bisher aus. Vermutlich coronabedingt.

So hat sich der Umzug und die damit verbundene Investition im fünfstelligen Bereich für Knut Reiter wegen des Virus bisher noch nicht gelohnt. Trotzdem hat die Pandemie auch ihre gute Seiten. Aktuell empfängt der Instrumentenbauer seine Kunden nur nach vorheriger Terminvereinbarung. „Ich glaube, das behalte ich bei“, sagt er. „Das ist viel entspannter und man hat auch viel mehr Zeit für jeden Kunden.“

Hintergrund

Passend zu seinen handgefertigten Bässen und Gitarren bietet Knut Reiter seinen Kunden auch eine entsprechende Peripherie an. Verstärker, Boxen, Kabel und andere elektronische Bauteile bei K-Bass stammen von der Firma Rheingold in Duisburg. Sie sind ebenfalls handgefertigt und teilweise speziell auf die Solinger Instrumente abgestimmt. Wer das ausprobieren möchte, sollte zuvor telefonisch oder per Mail einen Termin ausmachen.

www.k.bass-and-guitars.de

Nicht nur Bässe und Gitarre werden im Bergischen gebaut - auch Klaviere

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