Frühjahrsbericht

Firmen freuen sich über gute Zahlungsmoral

Während die Bauwirtschaft am wenigsten betroffen ist, beklagen vor allem Industriebetriebe Forderungsverluste von mehr als einem Prozent. Archivfoto: Uli Preuss
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Während die Bauwirtschaft am wenigsten betroffen ist, beklagen vor allem Industriebetriebe Forderungsverluste von mehr als einem Prozent.

Allerdings steigen die Ausfälle in der Region leicht an – dies trifft vor allem die Industriebetriebe.

Von Thomas Kraft

Wo es viel Licht gibt, da muss auch irgendwo ein bisschen Schatten sein. In etwa so verhält es sich mit dem Frühjahrsbericht der Crefo-Factoring Rhein-Wupper. Diese hat erneut Zahlungsverhalten im bergischen Städtedreieck abgefragt. Die gute Stimmung mit vollen Auftragsbüchern spiegelt sich auch in der Zahlungsmoral wider: 94 Prozent der Mittelständler in der Region bewerten das Zahlungsverhalten ihrer Kunden als befriedigend oder besser. Als Schulnote vergeben sie im Schnitt wie schon 2015 eine 2,4.

„Es herrscht eine ausgezeichnete Stimmung“, sagt Kurt Ludwigs von der Crefo-Factoring. Das blendende Klima wirke sich da gewiss auch auf die Bewertung der Zahlungsmoral aus. „Über 60 Prozent der Betriebe berichten über eine gute bis sehr gute Auftragslage“, erklärt Crefo-Geschäftsführer Andreas Koch. Insgesamt beteiligten sich 350 von rund 3000 Betrieben im Gebiet der Städte Solingen, Remscheid und Leverkusen.

Allerdings blieben 2015 dennoch mehr Rechnungen unbezahlt als noch im Jahr zuvor. Jeder zehnte Betrieb beklagt Ausfälle, die mehr als ein Prozent ihres Umsatzes betragen. Im bundesweiten Vergleich ist nur jeder Dreizehnte der befragten Mittelständler. Während die Bauwirtschaft am wenigsten betroffen ist, beklagen vor allem Industriebetriebe massivere Verluste (12 %) von mehr als einem Prozent. Solingen schneidet in der Region positiv ab. Drei Viertel der Firmen, die antworteten, erlitten keine oder nur sehr geringe Forderungsausfälle. In Remscheid sind es nur zwei Drittel.

Als häufigster Grund für Einbußen werden Pleiten genannt. Fast ein Viertel der Unternehmen gibt an, wegen Kundeninsolvenzen kein Geld erhalten zu haben. Gleichzeitig sei die Zahl der Firmenzusammenbrüche in den letzten Jahren aber deutlich gesunken, teilt die Crefo-Factoring mit. In Deutschland gingen 2015 rund 23 000 Betriebe in Konkurs.

Solinger Firmen mit guter Eigenkapital-Basis

Vier von fünf Unternehmen (81 %) erhalten ihr Geld innerhalb von 30 Tagen (Vorjahr: 84 %). Bundesweit sind es sogar knapp 88 Prozent. Zunehmend zügiger bezahlen die öffentlichen Auftraggeber. Mit denen machen die befragten Firmen immerhin 45 Prozent ihrer Geschäfte. 79 Prozent der Mittelständler verbuchen dabei den Eingang innerhalb von 30 Tagen, 96 Prozent haben ihr Geld innerhalb von 60 Tagen.

Die Finanzbasis der bergischen Unternehmen verändert sich weiter. Nach der Finanzmarktkrise begann das Eigenkapital-Fundament zu bröckeln. Dieser Trend setzt sich fort. Nur noch 31,7 Prozent verfügen über einen Anteil von 30 Prozent Eigenkapital oder mehr. Im Vorjahr belief sich dieser Wert noch auf 48,3 Prozent. „Die Zahl der spärlich finanzierten Unternehmen wächst“, stellt Andreas Koch fest. Zwei Drittel der Befragten benötigen derzeit Kredite. Diese zu erhalten, sei bei tendenziell sinkenden Zinsen nicht schwierig. Sechs von zehn Betrieben arbeiten mit mehreren Hausbanken zusammen, um ihren Kreditbedarf zu decken.

HINTERGRUND: FACTORING

BEDEUTUNG Factoring gilt als zunehmend wichtiges Finanzierungsmittel, weil der Kunde unabhängig vom Zahlungsverhalten seines Schuldners keine teuren Kredite benötigt, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die Factoring-Gesellschaft übernimmt das komplette Forderungsmanagement samt Mahn- und Inkassowesen. LAUFZEIT Über alle Branchen beträgt die durchschnittliche Forderungslaufzeit momentan 36 Tage. Sie ist gegenüber dem Vorjahr etwas gesunken. Damals waren es 39 Tage.

Solingen besticht bei der Eigenkapitalquote: Mit 39 Prozent liegt der Anteil der Firmen am höchsten, die als solide finanziert gelten (über 30 Prozent). In Remscheid beträgt der Wert nur 25 Prozent. In Leverkusen nennt die Crefo das Bild diffus: 34 Prozent haben eine solide Eigenkapitalbasis, aber 40 Prozent auch eine von unter 10 Prozent.

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