IHK-Umfrage

Firmen erwarten deutliche Einbußen

Entwicklung des Geschäftslagenindex im IHK-Bezirk
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Entwicklung des Geschäftslagenindex im IHK-Bezirk

Die Lage ist noch positiv, es wird aber mit Auswirkungen durch den Krieg gerechnet.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Die Bergische IHK rechnet mit deutlichen wirtschaftlichen Einbußen durch den Ukraine-Krieg. „Die Lage ist noch okay“, berichtet IHK-Präsident Henner Pasch. „Aber es überwiegen die pessimistischen Aussichten.“ Das schlägt sich in der aktuellen Umfrage zur Konjunkturbeurteilung nieder: Der Geschäftsklima-Index bleibt im Vergleich zur vorherigen Umfrage im Januar unverändert, doch mehr als ein Drittel aller befragten Unternehmen rechnet damit, dass sich die Lage in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert.

Konkret berichten 32 Prozent der 512 Firmen, die diesmal an der Umfrage teilgenommen haben, von einer guten Geschäftslage, 16 Prozent von einer schlechten. Damit bleibt der Index, der sich aus der Differenz ergibt, bei 16. In der Hochphase der Pandemie war der Wert auf -35 abgerutscht, 2018 hatte er noch mit 35 Punkten im Plus gelegen. Allerdings geben auch 34 Prozent an, dass sie eine Verschlechterung erwarten. Nur 17 Prozent rechnen mit besseren Geschäften.

Die negativen Erwartungen lägen in den meisten Fällen nicht an der Auftragslage, betont Pasch. Die Bücher seien voll. Das allein bedeute noch lange kein Gewinn: „Die Rechnung wird erst geschrieben, wenn der Auftrag erledigt ist.“ Das sei angesichts der bekannten Lieferschwierigkeiten und des ebenfalls bekannten Fachkräftemangels immer schwieriger.

Die hohen Energiepreise kämen noch dazu. 83 Prozent der Firmen gaben an, in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung ausgemacht zu haben. In der Industrie seien das sogar 96 Prozent, so Pasche: „So pessimistisch war es noch nie.“

Nur sieben Prozent der bergischen Unternehmen erklärten, direkt von den Sanktionen gegen Russland betroffen zu sein, zwölf Prozent in der bergischen Industrie. Die mittelbare Betroffenheit sei aber sehr viel größer, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Die höheren Kosten für Strom und Heizung würden die Konsumlaune dämpfen. Und das drohende Energieembargo die Stimmung in der Industrie.

Bergischer Mittelstand blickt verunsichert in die Zukunft

Mehr als 600 Ausbildungsstellen im Kammerbezirk unbesetzt

So fordert die Kammer von der Politik auch insbesondere, die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Vor allem mit Energie, aber auch mit Rohstoffen und Vorprodukten. Jede Lücke aber einfach mit noch mehr Geld zu füllen, sei sicherlich auch keine Lösung, sagt Henner Pasch. „Wir haben Sorge, dass sich der Staat überfordert“, ergänzt Wenge.

Unverändert schwierig ist die Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Angesichts der anderen Krisen laufe der Fachkräftemangel „da so mit“, sagt Carmen Bartl-Zorn, für Aus- und Weiterbildung zuständige Geschäftsführerin bei der IHK: „Uns fehlen einfach die Bewerber.“ Im Kammerbezirk seien mehr als 600 Ausbildungsstellen unbesetzt.
Ausbildung: Zahl der Bewerber weiter gesunken

Gleichwohl betont Wenge: „Die Unternehmen haben es bisher noch immer geschafft, die Bergischen sind so.“ Und auch in der Umfrage findet sich Anlass zur Hoffnung: 68 Prozent der Firmen bezeichnen ihre eigene Finanzlage als „unproblematisch“, 65 Prozent geben an, ihre Investitionen auf dem gleichen Niveau zu halten oder steigern zu wollen. Sorge um die bergische Wirtschaft im Ganzen mache er sich nicht, so Wenge: „Dafür sind die Firmen zu gut.“

Azubi-Messen

Am Mittwoch, 18. Mai, lädt die IHK zu einem speziellen Vermittlungstag für IT-Azubis ein, los geht es 14 Uhr im Technischen Berufskolleg in Solingen, Oligschlägerweg 9. Für Montag, 13. Juni, ist ein Tag der Ausbildung in der Remscheider Albert-Einstein-Schule geplant.

Standpunkt von Andreas Tews: Im Krisenmodus

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Was für die Politik und das Gesundheitssystem gilt, trifft auch auf viele bergische Unternehmen zu: Auch die Wirtschaft ist in einem dauerhaften Krisenmodus. Schon seit längerer Zeit stimmt der Fachkräftemangel nachdenklich, dann riss die Pandemie Löcher in viele Firmenkassen, und jetzt sind die meisten Unternehmen zumindest mittelbar auch von dem Krieg Russlands gegen die Ukraine betroffen.

Der Staat kann mit finanzieller Unterstützung zwar helfen. Das ist aber kein Allheilmittel. Wenn durch steigende Preise der Konsum spürbar einbricht, wird es eng für viele Unternehmen. Und dem Mangel an Nachwuchs in vielen Branchen können auch Milliarden des Staates nicht entgegenwirken. Dabei braucht die Wirtschaft neben den Erfahrungen älterer Mitarbeiter gerade auch langfristig die Ideen junger und unverbrauchter Kräfte, um Krisen zu meistern. Es gibt also viel zu tun in den bergischen Unternehmen. Sie brauchen zwar auch finanzielle Hilfe. Den Führungskräften dort dürfte aber klar sein, dass sie sich nicht nur auf den Staat verlassen dürfen.

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