Videokonferenzen

Fast wie Zoom – aber auf deutschen Servern

Videokonferenz made in Remscheid: Pierre Blum und Julian Richter von JAR Media haben bbbserver.de auf den Markt gebracht. Foto: Roland Keusch
+
Videokonferenz made in Remscheid: Pierre Blum und Julian Richter von JAR Media haben bbbserver.de auf den Markt gebracht.

Remscheider Unternehmen bringt ein eigenes Videokonferenzsystem auf den Markt.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Was vor ein paar Monaten noch überwiegend hippen Start-Ups und Weltkonzernen vorbehalten war, hat durch das Coronavirus längst im soliden Mittelstand Einzug gehalten: Videokonferenzsysteme ermöglichen Besprechungen, ohne dass die Teilnehmer an einem Ort zusammenkommen. Und im Gegensatz zum Telefon auch mit visuellen Medien. Mit ihrem Produkt bbbserver.de schickt sich nun die Remscheider JAR Media GmbH an, den Markt zu erobern. Mit leichter Bedienung, zusätzlichen Funktionen und mehr Datenschutz.

Denn gerade beim Thema Datenschutz war Marktführer Zoom, dessen Nutzerzahlen in der aktuellen Krise von 10 auf 200 Millionen pro Monat angestiegen waren, zuletzt immer wieder in die Kritik geraten. Bis im April Politiker nahezu aller im Bundestag vertretenen Parteien davor warnten, bei vertraulichen Themen die Dienste des Amerikanischen Unternehmens zu nutzen.

Das will JAR Media besser machen, verspricht Inhaber Julian Richter, der von einem „dreistufigen Datenschutzkonzept“ spricht. So lägen die einzelnen Bestandteile des Dienstes auf getrennten Servern. Notwendige Nutzer- und Verhaltensdaten würden nur in Bereichen erhoben, in denen keine sensiblen Daten verwaltet würden: „Auf dem Server, auf dem die eigentliche Konferenz stattfindet, gibt es nichts, was Daten abgreifen könnte.“

Zu diesem Konzept gehöre es auch, dass alle Server ausschließlich in Deutschland stehen. Und dass die zugrundeliegende Software das Open-Source-System Big-Blue-Button (BBB) sei: „Da kann man ja in das Programm reinschauen und sehen, was mit den eigenen Daten passiert.“

Entstanden sei das neue Produkt in gerade mal drei Wochen, sagt Pierre Blum, Marketing Manager bei JAR. Man habe vorher selber ein anderes System genutzt, berichtet er. „Aber als wir alle wegen Corona ins Homeoffice gewechselt sind, haben wir nach einer Möglichkeit mit mehr Datensicherheit gesucht.“ Schließlich sei man auf Big-Blue-Button gestoßen. „Wir haben erstmal für uns einen Server aufgesetzt und das ausgiebig geprüft.“ Anschließend habe man das System verfeinert.

„Da kann man in das Programm reinschauen und sehen, was mit den eigenen Daten passiert.“

Julian Richter über die Software Big-Blue-Button

„Vieles, was wir dafür gebraucht haben, hatten wir schon fertig in der Schublade liegen“, sagt Julian Richter. „Ansonsten hätte ein solches Projekt mindestens ein halbes Jahr gedauert.“ Richters Unternehmen, 2009 in Radevormwald gegründet und zwischenzeitlich nach Remscheid-Hasten umgezogen, hat sich auf die Digitalisierung von Handel und Industrie spezialisiert. Die Technik zum Beispiel, mit der sich die Konferenz-Server automatisch skalieren, also bei erhöhter Nutzung zusätzliche Server zuschalten, hatte JAR schon bei einem anderen Projekt verwendet. Das Gesamtpaket kommt offensichtlich gut an. Gerade mal eine Woche nach dem Start, habe bbbserver.de schon mehr als 250 registrierte Nutzer gehabt, berichtet Julian Richter

Auslöser, den Dienst bundesweit anzubieten, waren übrigens Schulen. Denn Corona hat nicht nur Angestellte ins Homeoffice verbannt, sondern auch Lehrer und Schüler aus Schulen. Viele Lehrkräfte hätten in dieser Situation nach Alternativen gesucht – und sie in Videokonferenzen gefunden, so Richter: „Wir hatten Anfragen ohne Ende, über 80 in zwei Wochen.“

Zwar hätten viele Schulen längst die Software BBB für sich entdeckt, berichtet der Geschäftsführer. Auch weil einige Ministerien die Software empfehlen und sie sinnvolle Funktionen wie Breakout-Rooms, eine Art virtuelle Gruppenarbeiten innerhalb einer Konferenz, bieten. Doch ohne potenten Server nutze das kostenfreie Programm nichts. So habe man den Schulen erst angeboten, das System für sie zu hosten, was sich aber als sehr aufwendig herausgestellt habe. Schließlich habe man die jetzige Lösung entwickelt, bei der nicht jede Schule ihr eigenes individuelles System nutzt, sondern alle Nutzer Zugang zu einem gemeinsamen bekommen.

„Das Schöne für die Schulen ist, dass wir das komplett administrieren“, sagt Julian Richter. Außerdem habe das 30-köpfige JAR-Team weitere Funktionen, darunter eine Abonnenten-Verwaltung und eine Möglichkeit, Konferenz-Termine zu planen, dazu programmiert. Alles immer auch unter dem Gesichtspunkt, dass das System möglichst einfach zu bedienen bleibe, sagt Richter: „Schließlich ist nicht jeder Lehrer auch gleich eine IT-Fachkraft.“

Hintergrund

Bezahlt wird der Dienst von bbbserver.de nach der Zahl der möglichen Konferenzteilnehmer, wobei die gebuchte Maximalmenge auf beliebig viele Konferenzen verteilt werden können. Wer also zum Beispiel 100 Verbindungen hat, kann mal fünf Konferenzen mit bis zu 20 Teilnehmern und mal eine mit 100 machen. Dafür reicht ein Zugang je Unternehmen oder Schule aus. Los geht es preislich bei 7 Euro netto pro Monat.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Solingen hinkt hinterher: Mehr Bewerber als freie Stellen
Solingen hinkt hinterher: Mehr Bewerber als freie Stellen
Solingen hinkt hinterher: Mehr Bewerber als freie Stellen
Andere Öffnungszeiten bei der Arbeitsagentur
Andere Öffnungszeiten bei der Arbeitsagentur
Systemhaus Erdmann feiert und wächst
Systemhaus Erdmann feiert und wächst
Systemhaus Erdmann feiert und wächst

Kommentare