Projekt

Escape-Room vermittelt Wissen über IT-Sicherheit

Ein moderner Bauwagen wurde für das Projekt umgebaut und ansprechend gestaltet.
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Ein moderner Bauwagen wurde für das Projekt umgebaut und ansprechend gestaltet.

Cyberkriminalität ist eine wachsende Bedrohung – Spielerischer Ansatz soll Mitarbeiter sensibilisieren.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Einen Klick – mehr brauchte es nicht, um die Produktion des Solinger Unternehmens vier Wochen lang lahmzulegen. Mit einer Phishing-Mail hatten Cyberkriminelle den Betrieb angegriffen. Einfallstor war ein unachtsamer Mitarbeiter. Die Folgen sind bis heute spürbar, obwohl sich der Fall bereits im vergangenen Jahr ereignete.

Fälle wie dieser begegnen Tobias Erdmann immer wieder. „Alle Firmen investieren viel in Hard- und Software. Der wichtigste Faktor ist aber der Mensch“, betont der Geschäftsführer des Solinger Systemhauses Erdmann. Mit seiner Datenschutzberatung Sicdata hat er deshalb ein neues Konzept entwickelt: einen mobilen Escape-Room. Über einen spielerischen Ansatz sollen die Teilnehmer Kenntnisse zu IT-Sicherheit und Datenschutz erlangen.

Cynthia Höhnel (l.) und Alicia Berg sind bei Sicdata für den mobilen Escape-Room verantwortlich.

Die Geschichte hinter dem Rätsel orientiert sich an der Realität. „Ein Hacker hat sich Zugang zum Server verschafft und droht damit, alle Daten der Firma zu verschlüsseln, wenn nicht innerhalb einer Stunde zehn Bitcoin überwiesen werden“, erläutert Cynthia Höhnel. Die Sicdata-Datenschutzbeauftragte ist mit Alicia Berg, Fachkraft für Datenschutz, für das Projekt verantwortlich.

„IT-Sicherheit ist kein Projekt, sondern ein Prozess.“

Tobias Erdmann, Sicdata und Systemhaus Erdmann

Um das Unternehmen zu retten, müssen die etwa sechsköpfigen Gruppen unterschiedliche Rätsel und Aufgaben lösen. Hinweise dazu befinden sich im Escape-Room. „Das Ziel ist, dass sie dabei für Datenschutz und IT-Sicherheit sensibilisiert werden“, erklärt Alicia Berg. Mit derselben Absicht bietet Sicdata auch Online-Escape-Rooms an.

Für die mobile Version wurde ein moderner Bauwagen umfunktioniert. Die Idee für das Vorhaben kam Tobias Erdmann während der Corona-Pandemie, seit einigen Monaten läuft der Betrieb. Die Inhalte lieferte das Sicdata-Team, das Konzept entwickelte eine Münchener Spielefirma. Wer das Event bucht, bekommt den rollenden Escape-Room vorbeigebracht, auf Wunsch bleibt ein Spielleiter vor Ort.

Zielgruppe sind hauptsächlich Unternehmen. „Die sind dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter in diesen Themen zu schulen“, erklärt Erdmann. Er findet das spielerische Vorgehen charmant: „Das ist etwas Abwechslung zu einem Frontalvortrag.“ Nach erfolgreichem Rätseln erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat.

„IT-Sicherheit ist kein Projekt, sondern ein Prozess“, betont Tobias Erdmann. Die Kenntnisse müssen immer wieder erneuert, die Sensibilität laufend geschärft werden. In Absprache mit seinen Kunden fährt das Systemhaus Erdmann deshalb beispielsweise Phishing-Kampagnen: Die IT-Experten versenden kontrollierte Phishing-Mails an die Belegschaft, um zu überprüfen, ob die Mitarbeiter die potenzielle Gefahr erkennen.

Die Relevanz des Themas nimmt nicht ab – im Gegenteil. Tobias Erdmann berichtet, dass Cyberkriminelle in Fällen wie dem eingangs beschriebenen die Systeme der Angegriffenen nicht mehr nur verschlüsseln. Sie drohen, die Daten im Darknet zu veröffentlichen. Für die Opfer bedeutet das im Ernstfall den Verlust von Patenten, Forschungsergebnissen, Kalkulationen und weiteren Informationen, die über den Fortbestand des Betriebs entscheiden können.

Weitere Informationen zum mobilen Escape-Room gibt es im Internet.

www.escaperoom-mobil.de

Förderung

Das Land unterstützt den Mittelstand bei Cybersicherheit. Betriebe können Zuschüsse von maximal 15 000 Euro für die Analyse des Ist-Zustands, Software für den IT-Basisschutz sowie Maßnahmen, die sich mit dem Faktor Mensch beschäftigen, beantragen. Für kleine Firmen liegt die Förderquote bei 80, für mittlere bei 60 Prozent.

www.mittelstand-innovativ-digital.nrw

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