Podcast

„Bergische Macher“ Er prägte weltbekannte Logos und Kampagnen

„Werbepapst“ Coordt von Mannstein ist zu Gast im Podcast „Bergische Macher“.

Im Podcast „Bergische Macher“ berichtet Coordt von Mannstein über seine Umbaupläne für Haus Hackhausen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Plötzlich stand Prinz Philip im Türrahmen. Bei einem Besuch seines früheren Internats, der Schule Schloss Salem, warf der Ehemann der Queen auch einen Blick in sein altes Zimmer. Dort traf er auf den damaligen Bewohner: Coordt von Mannstein. „Ein sehr freundlicher Herr“, erinnert sich der Solinger Werbepapst an die Begegnung mit dem Duke of Edinburgh. Es ist eine der vielen unterhaltsamen Anekdoten im Leben des 85-Jährigen. Diese und weitere erzählt er in der 17. Episode des Podcasts „Bergische Macher“ .

Von Mannstein zählt zu den renommiertesten Werbern des Landes. Vom Solinger Haus Hackhausen aus entwickelte er Kampagnen für Markenartikel, Investitionsgüter, entwarf weltbekannte Logos. Vor allem ist sein Name mit politischer Kommunikation verknüpft: Mehr als 60 Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlkämpfe von CDU und FDP standen unter seiner Regie. Er verhalf Helmut Kohl zu 16 Jahren Kanzlerschaft und Boris Jelzin zum russischen Präsidentenamt.

Coordt von Mannstein ist 1937 in Flensburg auf die Welt gekommen, in frühester Kindheit zog es die Familie an den Bodensee. Sein Vater, ein Marineoffizier, war in Langenargen tätig. Von ihm, vermutet der 85-Jährige, hat er seine kreative Ader geerbt. Viel Zeit hatte er mit dem Vater nicht. Sein U-Boot wurde 1943 im Atlantik versenkt. „Das war sehr einschneidend für die Familie“, sagt von Mannstein. Die Kinder mussten in der Nachkriegszeit losziehen, um Kohle und Nahrung zu besorgen.

Der Fantasie des jungen Coordt von Mannstein tat das keinen Abbruch. „Ich war als Kind ein Träumer“, erzählt er. In der Schule Schloss Salem wurde das gefördert. Er malte, schreinerte, töpferte, spielte Theater, wirkte im Chor mit. Über einen Lehrer kam der Kontakt zu Anton Stankowski zustande. Bei ihm, einem der großen Konstruktivem der Nachkriegszeit, und Willi Eidenbenz absolvierte von Mannstein Volontariate, lernte Grafikdesign. Er merkte, dass ihm nicht nur das Entwerfen liegt, sondern auch, Konzepte zu entwickeln, Brücken zu bauen – zwischen Individuen, Menschen und Produkten.

Coordt von Mannstein studierte visuelle Kommunikation in Stuttgart, lehrte von 1974 bis 2002 als Professor an der Essener Folkwangschule. Vor allem war er aber Unternehmer. Nach Zwischenstation, etwa als Leiter der Gruppe für visuelle Kommunikation der Bayer AG, machte er sich 1968 mit einer nach ihm benannten Agentur selbstständig.

Zunächst in Köln, Mitte der 1970er Jahre folgte der Umzug nach Solingen. Von Ohligs aus prägte er das Erscheinungsbild zahlreicher Marken. Sein bekanntestes Zeichen: die Strahlenspirale, das Logo der Olympischen Spiele 1972 in München. Stolz ist dem 85-Jährigen anzumerken, wenn er darüber spricht: „Es ist ein zeitloses Signet.“ Auch viele seiner politischen Slogans sind in Erinnerungen geblieben. Mit „Politik ohne Bart“ grenzte er Helmut Kohl 1994 von SPD-Herausforderer Rudolf Scharping ab, prägte im selben Jahr die „Rote-Socken“-Kampagne.
Alle Folgen von „Bergische Macher“

In Wahlkämpfen habe er Wert darauf gelegt, dass die Kampagne eine Geschichte erzählt. Wichtig dafür sei enger Kontakt zum politischen Spitzenpersonal: „Ich hätte keinen Wahlkampf gemacht, in dem ich nicht nah dran war am Kandidaten.“ Der 85-Jährige arbeitete mit CDU-Größen wie Richard von Weizsäcker, Roland Koch und Christian Wulff, bekannten FDP-Vertretern wie Guido Westerwelle zusammen. Angela Merkel setzte nicht mehr auf seine Expertise. Sie wollte sich von Helmut Kohls Umfeld abgrenzen. „Da hatte ich Verständnis für.“

Ende 2017 hat Coordt von Mannstein das Ende seines Unternehmens angekündigt. Design ist bis heute Teil seines Lebens, an Kampagnen arbeitet er nicht mehr. Sehr wohl verfolgt der 85-Jährige jedoch Entwicklungen in der Branche. Gerne hätte er in früheren Wahlkämpfen Zugriff auf die Chancen der Digitalisierung gehabt. „Politik muss unterhaltsam sein. Man muss Wege finden, in kurzen Happen ein Konzept näherzubringen.“ Dafür seien soziale Netzwerke prädestiniert. Sie bieten die Chance, einen Kandidaten nahbar darzustellen.

Inzwischen lebt Coordt von Mannstein in Düsseldorf. Dennoch kommt er täglich ins Haus Hackhausen. Derzeit lässt er die Immobilie umbauen. Er möchte es der Öffentlichkeit zugänglich machen, Tagungen, Konferenzen und Events seien dort denkbar. Für den Umbau nimmt er sich Zeit: „Ich habe es nicht eilig.“

Was nicht heißen soll, dass Coordt von Mannstein trödelt. Nein, er möchte es ordentlich machen. Dass er dafür auf einen Ruhestand ohne Verpflichtungen verzichtet, stört den 85-Jährigen nicht: „Ich kann mir ein sinnvolles Leben ohne Arbeit nicht vorstellen.“

Podcast

Die neue Folge des Formats „Bergische Macher“, dem Wirtschaftspodcast von Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger, ist ab sofort abrufbar. Auf gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes, Deezer und Youtube sind auch die vorherigen Folgen zu finden. Einen Überblick gibt es hier.

Rubriklistenbild: © Christian Beier

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