Technologie

Energie: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht

Martin Beu (r.) und Florian Hafer von der Martin Beu GmbH zeigen die Brennstoffzelle, die der Meister und Unternehmer im Sanitär-, Gas-, Wasser- und Lüftungsbau in seinem Betrieb installiert hat. Bis sich die Anlage wirtschaftlich rechnet, dauert es sehr lange. Foto: Michael Schütz
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Martin Beu (r.) und Florian Hafer von der Martin Beu GmbH zeigen die Brennstoffzelle, die der Meister und Unternehmer im Sanitär-, Gas-, Wasser- und Lüftungsbau in seinem Betrieb installiert hat. Bis sich die Anlage wirtschaftlich rechnet, dauert es sehr lange.

Experten sprechen darüber, welche Technologien für die eigenen vier Wände geeignet sind

Von Rainer Lange

Solingen Die Zukunft in Form einer Energiewende ist in aller Munde. Aber ist sie auch in den eigenen vier Wänden angekommen? War es früher sehr zukunftsweisend, Solarzellen auf dem Dach zu installieren, so kommt mittlerweile anderen Techniken größere Bedeutung zu. Wie lange noch Gas und Öl genutzt werden kann, ist dabei nicht so einfach zu beantworten. „Die Entwicklung ist noch ungewiss. Ein vollständiges Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe lässt sich derzeit nicht absehen“, sagt Martin Beu, Solinger Meister und Unternehmer im Sanitär-, Gas-, Wasser- und Lüftungsbau. Er hat in seiner Firma jüngst eine Brennstoffzelle in Betrieb genommen.

Werden noch Ölheizungen eingebaut?

Zur Zeit seiner Meisterprüfung vor 36 Jahren wurden 70 Prozent der neuen Anlagen mit Öl betrieben, der Rest wurde mit Gas befeuert. „Im vergangenen Jahr haben wir eine Ölheizung installiert, 2021 werden es wohl zwei werden. Diese ersetzen Alt-Anlagen“, erklärt der Fachmann. Eine allgemeine Austauschpflicht gibt es nicht. Seitens der Politik wurde ein „Verbot der Ölheizung“ erwähnt, hierbei ist zu beachten, dass sich dieses Verbot ab 2026 lediglich auf Ölheizungen bezieht, die als einzige Energiequelle fossilen Brennstoff nutzt. Weiterhin möglich sind Hybridheizungen bestehend aus Öl-Brennwerttechnik und erneuerbare Energien.

Eignet sich Wasserstofftechnologie auch für die Haustechnik?

Im Automobilbereich tritt die Wasserstofftechnologie in Konkurrenz zum reinen batteriebetriebenen Elektromotor. Auch in der Haustechnik ist der Betrieb einer Brennstoffzelle möglich. Solch eine Anlage hat Martin Beu in seinem Betrieb installiert. Aus Gas wird Wasserstoff gewonnen, der dann in der Brennstoffzelle Strom und Wärme produziert. Die Wärme wird der Gasheizung zugeführt. Für die erforderliche Wassertemperatur muss diese dann nur noch rund 14 Grad Celsius zuliefern.

Seit Beginn des Jahres lieferte die Anlage knapp 325 Kilowattstunden. Berechnet Beu den gesparten Strompreis und zieht den Gasverbrauch ab, so bleibt eine Ersparnis von rund 20 Prozent. „Die Anlage macht mir auch Spaß“, gesteht der Unternehmer. Damit macht er klar, dass der Investition, inklusive Gastherme von fast 30 000 Euro eine Fördersumme von rund 11 000 Euro gegenübersteht. Bis sich dies wirtschaftlich rechnet, dauert es sehr lange.

Auch Florian Bublies, Energieberater der Verbraucherzentrale in Solingen, sieht dies so: „Solange es nicht möglich ist, Wasserstoff direkt vor Ort zu lagern und in der Brennstoffzelle zu nutzen, ist ein Gebäudeeigentümer nach wie vor abhängig von einem fossilen Brennstoff.“ Drauf entfalle ab diesem Jahr eine CO2-Abgabe. Positiv wirke sich die Stromproduktion der Brennstoffzelle aus. Der Verbraucher spare Strombezugskosten.

„Ein vollständiges Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe lässt sich derzeit nicht absehen.“

Martin Beu, Meister und Unternehmer

Welche ökologischen Alternativen gibt es?

Vergleichsweise günstig und auch gefördert werden Luftwärmepumpen. Die Wärme der Luft wird mittels Verdampfer an ein Kältemittel in der Wärmepumpe übertragen, komprimiert und dann über einen Wärmetauscher an das zu erwärmende Medium abgegeben, zum Beispiel Wasser. Damit wird dann geheizt. Zum Betrieb wird Strom benötigt, der für diese Zwecke verbilligt bereitsteht.

Wo kann die Geothermie genutzt werden?

Erdwärme der oberflächennahen Geothermie, also bis 400 Meter Bohrtiefe, wird meistens mit Hilfe von Wärmepumpen genutzt. Dieses Verfahren kommt auch für Privatpersonen infrage. Vorhaben zur Erdwärmenutzung müssen in Nordrhein-Westfalen der unteren Wasserbehörde angezeigt werden. Sofern bei der Bohrung das Grundwasser berührt wird, ist eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich. Wegen des schweren Bohrgeräts bietet sich dieses Verfahren bei Neubauten oder Umbauten an, wenn das Außengelände neu gestaltet wird.

Was rät der Energieberater?

„Grundsätzlich sollte bei jedem Gebäude – Altbau oder Neubau – die Integration einer Photovoltaikanlage geprüft werden. Durch die Solarstromproduktion auf dem eigenen Dach kann der Haushaltsstromanteil sowie teilweise der Anteil für den Wärmepumpenstrom und die Elektromobilität gedeckt werden“, sagt Bublies. Ansonsten komme es auf die Dämmung, die Lage und weitere Faktoren im und am Haus an. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, beispielsweise per kostenloser Videoberatung. Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es jedoch beim Thema Energie der Zukunft nicht. Energiespeicher mit hohem Wirkungsgrad? Direkte Wasserstoffnutzung? Die Zukunft bleibt eben Zukunft.

Weiterführende Informationen

Förderung: Einen Überblick über Förderungsmöglichkeiten bei der Heizungssanierung gibt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf seiner Internetseite.

www.bafa.de

Beratung: Darüber hinaus bietet die Verbraucherzentrale derzeit Videoberatungen und Onlineseminare zum Thema Energie an. Weitere Infos im Netz.

www.verbraucherzentrale.nrw/videoberatung-energie

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